Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 31.08.2019


Wahl 2019

Wahlforscher Plasser: „Keine Koalition ohne Kurz“

Jetzt nimmt der Medienwahlkampf richtig Fahrt auf. Doch für den Wahlforscher Plasser ist die zweite Kanzlerschaft von Kurz bereits sicher. Offen ist nur die künftige Koalition.

Selfies im Wahlkapf: Die heiße Phase ist gestartet.

© APASelfies im Wahlkapf: Die heiße Phase ist gestartet.



Von Michael Sprenger

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Wien – In vier Wochen wird gewählt. Jetzt beginnt der Intensivwahlkampf. Die Straßenbilder verändern sich. Allerorten werden Plakate angebracht. Und die Nationalratswahl wird im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und in den Privatsendern zum bestimmenden Faktor.

Doch was kann sich in den vier Wochen noch bewegen, welche Veränderungen sind noch möglich? „Es kann nur mehr punktuelle Veränderungen geben. Die Stärkerelation zwischen den Parteien hat sich längst verfestigt. Daran ändert auch der jetzt einsetzende hypertrophe TV-Wahlkampf nichts mehr“, sagt der Wahlforscher und Politikwissenschafter Fritz Plasser im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. Und so legt sich Plasser mit Blick auf seine Daten vier Wochen vor der Wahl fest: „Eine zweite Kanzlerschaft von Sebastian Kurz steht aufgrund meiner Datenanalyse bereits fest. Es wird keine Koalition ohne Kurz geben“, da sich die einzige Möglichkeit, eine solche zu verhindern, nämlich ein Bündnis aus Rot-Grün-NEOS, aus Sicht Plassers rechnerisch nicht ausgehen kann.

Sollte also kein Skandal mehr bekannt werden, sorgt dann nur noch die Frage nach dem oder den Koalitionspartnern der ÖVP für Spannung. „Würde das Wahlkampffinale aber noch von einem echten Skandal überschattet werden oder gibt es bei den TV-Konfrontationen einen Totalabsturz eines Kandidaten, dann ändert sich mitunter noch einmal der Bewertungsmaßstab“, sagt Plasser.

Für die wahlwerbenden Parteien wird diese Bewertung des Wahlforschers naturgemäß nichts ändern. Sie werden in den verbleibenden vier Wochen noch einmal alle Kräfte mobilisieren, versuchen, in den zahlreichen TV-Konfrontationen der Spitzenkandidaten das Meinungsbild zu jeweils ihren Gunsten zu verändern.

NEOS, SPÖ und Liste Jetzt haben die heiße Phase mit einem Wahlkampfauftakt bereits eingeläutet, die FPÖ wird den Parteitag dazu nützen, die ÖVP wird in allen neun Bundesländern Auftaktveranstaltungen (in Tirol wird die in Kufstein sein) abhalten.

Alle Parteimanager betonen auch, dass sie eine völlig andere Wahrnehmung verspüren als die medial abgebildete. „Wir erkennen einen stärkeren Zustrom und eine bessere Stimmung als im 2017er-Wahlkampf“, heißt es aus der ÖVP-Parteizentrale.

Diese Erkenntnis hat für die SPÖ auch ihr Wahlkampfmanager Christian Deutsch. „17.000 Menschen abseits des engen SPÖ-Zirkels haben uns ihre Mitarbeit angeboten. Wir erkennen einen Aufwärtstrend, der nach dem sehr guten Auftritt von Pamela Rendi-Wagner beim ORF-Sommergespräch noch einmal verstärkt wurde.“

Welche Wählerbewegung erkennt Plasser? „Die großen Ströme bewegen sich von der FPÖ zur ÖVP und von der SPÖ zu den Grünen. Kleinere Bewegungen mache ich von der ÖVP zu den Grünen und der ÖVP zu den NEOS sowie von den NEOS zu den Grünen aus.“