Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 06.09.2019


Wahl 2019

„Raus aus der Echokammer“: Hunderte verfolgten die Elefantenrunde live

Hunderte Interessierte verfolgten die Debatte der Spitzenkandidaten im Salzburger Landestheater. Sie wollten die Politiker live sehen, hieß es unisono.

Das Salzburger Landestheater war bei der Diskussion der Bundesländer-Tageszeitungen randvoll.

© Andreas KolarikDas Salzburger Landestheater war bei der Diskussion der Bundesländer-Tageszeitungen randvoll.



Von Serdar Sahin

Salzburg – Keine Fanchöre und wenig Entourage. Die Parteien haben sich in diesem Wahlkampf darauf geeinigt, auf große Shows vor den Debatten und Konfrontationen zu verzichten. Das tun die Spitzenkandidaten auch diesmal – bei der ersten Elefantenrunde außerhalb Wiens, die die Tiroler Tageszeitung gemeinsam mit den anderen Bundesländerzeitungen ausrichtet. Vor dem Salzburger Landestheater sind sie kaum von den anderen Gästen zu unterscheiden. Lediglich die Ansammlung von Polizisten rund um die Autos der Politiker, die ankommen, zeigt, dass „wer“ da ist.

Rund eine Stunde vor Beginn der Diskussionsrunde trudeln die ersten Gäste ein. Doch bald schon bildet sich eine Schlange am Eingang. So nützen viele die Wartezeit und gönnen sich noch das eine oder andere Glas Sekt im Freien. Das Wetter zeigt sich gnädig. Erst kurz vor Beginn der Veranstaltung beginnt es zu regnen. Polit-Interessierte jeden Alters sind da – das Publikum ist also bunt gemischt. Doch was erhoffen sich die Besucher von der Veranstaltung?

Zwei Salzburgerinnen sind aus Fuschl am See angereist – der Ort befindet sich etwa 25 km östlich von der Landeshauptstadt. Sie hätten die Spitzenkandidaten noch nie live gesehen – und das wollen sie nun tun. Eine politische Meinung haben sie schon, die bräuchten sie sich hier nicht bilden, sagen die beiden Frauen. Sie wüssten schon, welcher Partei sie ihre Stimme geben.

„Wir wissen eh schon, wen wir wählen“, sagt ebenso eine andere Frau aus der Mozartstadt. Auch sie ist da, um die Politiker live zu sehen. Mit dabei hat sie ihren 16-jährigen Sohn. Auch er kenne die Programme der Parteien, wie er im TT-Gespräch sagt. Und welche Themen interessieren ihn? In Zeiten der „Fridays for Future“-Bewegung überrascht seine Antwort. Klimaschutz sei zwar wichtig, aber es gebe auch andere wichtige Themen. Und die wären? „Der Führerschein ist nicht billig.“ Das ist ihm ein Anliegen.

Ein weiterer junger Mann will die Kandidaten nicht nur im Fernsehen sehen, begründet er seine Anwesenheit. Vor allem aber, sagt der 20-Jährige, möchte er sehen, wie sich SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner schlägt. Und welches Thema ist ihm wichtig? Transparenz. Generell sei er politikinteressiert und auch er habe „durchaus eine Meinung“.

Transparenz ist einem anderen Besucher ebenso wichtig. Er habe die Debatte um Parteifinanzen verfolgt. Der Rechnungshof sollte mehr Kontrollrechte haben, befindet der 54-Jährige.

Ein älterer Herr aus der Landeshauptstadt möchte sich einen persönlichen Eindruck von den Kandidaten machen. Seine Gattin formuliert es etwas anders: „Raus aus der Echokammer. Ich will die Stimmen der Politiker in natura erleben.“ Auch sie hätten bereits eine Meinung. Aber eine unterschiedliche, wirft die Frau lachend ein.

Ihr Mann spricht den Klimaschutz an. Es werde alles „zubetoniert“. Der Raumverbrauch sei zu hoch. Außerdem spricht er ein in Salzburg bekanntes und kontrovers diskutiertes Problem an: den Verkehr. Er kritisiert die „Massen“ in der Stadt. „Es muss Grenzen geben“, fordert der Salzburger.

Leistbares Wohnen ist einem anderen Mann wichtig. Die Mieten in Salzburg seien zu hoch, moniert der 42-Jährige. Man müsse auf Orte am Rande der Stadt ausweichen, doch auch dort sei Wohnraum teuer. Eine neben ihm stehende Frau, die die Debatte mitverfolgt, pflichtet ihm bei. Auch bei ihr würden die Mieten immer mehr am Einkommen ausmachen.

Ein Salzburger Paar will vor allem einen „sauberen Wahlkampf“ sehen, sachlich soll er sein und um Inhalte soll es gehen. Welche Inhalte sind den beiden wichtig? Ihre Kinder sollten eine gute Bildung bekommen und den Umweltschutz nennen sie. Vor allem in der Stadt sei der Verkehr teilweise unerträglich – deshalb seien auch günstige Öffis nötig.

Eingeladen sind bekanntlich die Spitzenkandidaten von ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS sowie Grüne und Liste JETZT. Das hält die KPÖ nicht davon ab, um Stimmen vor der Veranstaltung zu buhlen. Sie verteilen Flyer. Unter den Werbern ist Kay-Michael Dankl, Spitzenkandidat der KPÖ in Salzburg und Gemeinderat in der Landeshauptstadt. „Wir sind leider nicht eingeladen, hätten aber auch etwas zu sagen“, beklagt Dankl. „Wir hätten über leistbares Wohnen und günstige Öffis gesprochen.“

707 Sitze hat das Salzburger Landestheater – und ein Blick in den neobarocken Saal zeigt: restlos ausverkauft. So schnell, wie sich der Saal gefüllt hat, so schnell war er auch wieder leer. Und wie fand das Publikum die Veranstaltung? – „Spannend“, heißt es unisono. Nun könne man sich ein besseres Bild machen. Trotzdem ist von den meisten zu hören: „Ich hab’ schon vorher gewusst, wen ich wähle.“