Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 06.09.2019


Wahl 2019

Viel Raum für das Ländliche — kein Platz für Ibiza, Schreddern und Co.

Ibiza, Korruption und Festplatten-Schreddern hatten in der Elefantenrunde bewusst keinen Platz. Mehr Info für die Wähler war das Motto.

CR Alois Vahrner (TT), CR Antonia Gössinger (Kleine Zeitung Kärnten), CR Gerald Mandlbauer (OÖN), Ulrike Weiser (Die Presse), Michael Jungwirth (Kleine Zeitung), Birgit Entner-Gerhold (VN), CR Manfred Perterer und CR-Stv. Andreas Koller (beide SN, v. l.)

© Andreas KolarikCR Alois Vahrner (TT), CR Antonia Gössinger (Kleine Zeitung Kärnten), CR Gerald Mandlbauer (OÖN), Ulrike Weiser (Die Presse), Michael Jungwirth (Kleine Zeitung), Birgit Entner-Gerhold (VN), CR Manfred Perterer und CR-Stv. Andreas Koller (beide SN, v. l.)



Von Carmen Baumgartner-Pötz

Salzburg – Eine Elefantenrunde vor der Nationalratswahl, die ohne Debatten über Ibiza und Wehklagen über Schmutzkübelkampagnen auskommt? Das war gestern im Salzburger Landestheater tatsächlich möglich. Für die Konzentration auf sachpolitische Fragen gab es in der anschließenden Analyse unisono Lob. „Zu Ibiza und Schreddern haben wir bewusst nichts gefragt, denn das wird uns die letzten Wochen vor der Wahl ohnehin noch begleiten. Wir wollten eine möglichst sachliche Diskussion“, erklärte Moderator und Salzburger-Nachrichten-Chefredakteur Manfred Perterer den Debattenleitfaden von ihm und Kleine-Zeitung-Chefredakteurin Antonia Gössinger. Und noch etwas kam nicht zur Sprache: Wer mit wem nach der nächsten Wahl gerne zusammengehen würde. „Darauf bekommt man im Wahlkampf keine ehrliche Antwort“, ist Gössinger überzeugt.

Für Birgit Entner-Gerhold von den Vorarlberger Nachrichten (VN) war es auffallend, wie gemäßigt die Kandidatinnen und Kandidaten außer kleinen Hick-Hacks debattiert haben. „Es hatte sicher auch mit der Zeitdisziplin zu tun, dass man in zwei Minuten lieber die eigenen Konzepte vorgestellt hat.“

Andreas Koller von den SN konnte keinen eindeutigen Gewinner der Diskussion ausmachen. „Jeder hat seine Position gut rübergebracht, das war ein Stück Aufklärung für den Wähler.“ Und mit einem Seitenhieb auf die Briten, die schon im Oktober neu wählen, meinte der langjährige Innenpolitikjournalist: „ Dieser Wahlkampf dauert eigentlich schon viel zu lange, nämlich seit Mai.“

Einer Meinung war Koller mit Michael Jungwirth (Kleine Zeitung): Das Thema „Ländlicher Raum“ und alles, was damit zusammenhängt – Zersiedelung, Abwanderung, Geisterdörfer – sei erstmals in diesem Wahlkampf zur Sprache gekommen. Jungwirth hatte beim Thema Umweltschutz außerdem den Eindruck, die Vertreter der drei großen Parteien fürchteten Proteste gegen zu einschneidende Maßnahmen, vergleichbar mit den Gelbwesten in Frankreich. „Dass Umweltschutz zu sozialen Problemen führen könnte, ist brisant.“

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Ulrike Weiser von der Presse erkannte nur bei den Grünen und den NEOS einen klaren sachpolitischen Fokus. Die erwähnten Konzepte für den ländlichen Raum waren ihr „zu wenig gehaltvoll – vor allem dafür, dass alle Kandidaten so viel am Land unterwegs waren“.

Bei Gerald Mandlbauer, Chefredakteur der Oberösterreichischen Nachrichten, sind „ein paar wunderbare Bonmots“ hängengeblieben: „Mit manchen Kandidaten könnte man ein Kabarett bestreiten.“ Was ihm im Wahlkampf abgeht, ist die Antwort auf die Frage „Wer soll das alles zahlen?“

TT-Chefredakteur Alois Vahrner sah die drei großen Parteien in Sachen Ökosteuer nahe beieinander. Eine zweite Auflage von Türkis-Blau hält er für sehr wahrscheinlich.