Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 06.09.2019


Innenpolitik

Die große Heeres-Show in Zeiten der drohenden Pleite

Die Airpower in Zeltweg in der Obersteiermark lockt Hunderttausende Gäste an. Um die Finanzen des Bundesheeres steht es schlecht. Der Verteidigungsminister hat überlegt, die Veranstaltung abzusagen.

Ein Eurofighter des Bundesheeres mit Sonderlackierung am Fliegerhorst Zeltweg: Die Zukunft der Luftraumüberwachung ist offen.

© Bundesheer/ResingerEin Eurofighter des Bundesheeres mit Sonderlackierung am Fliegerhorst Zeltweg: Die Zukunft der Luftraumüberwachung ist offen.



Von Wolfgang Sablatnig

Zeltweg – Das Bundesheer und seine Flieger zeigen sich heute und morgen bei der Airpower in Zeltweg in der Obersteiermark wieder von ihrer besten Seite. Die Organisatoren – neben dem Heer das Land Steiermark und Red Bull – hoffen auf bis zu 300.000 Zuseher. Am Boden und in der Luft werden 200 Luftfahrzeuge aus zahlreichen Ländern zu sehen sein. 4000 Soldaten – die Militärs sprechen von der „größten Übung des Jahres“ – sollen einen reibungslosen Ablauf garantieren. Die Region hofft auf zahlreiche Übernachtungen und guten Umsatz.

So weit die glanzvollen Seiten der großen Heeres-Show. Auf der anderen Seite der Medaille steht die Situation des Bundesheeres. Verteidigungsminister Thomas Starlinger hat überlegt, die Veranstaltung deshalb abzusagen, nahm davon aus Rücksicht auf die Region und die bereits eingegangenen internationalen Zusagen aber Abstand.

Starlinger warnt vor der Pleite des Heeres. Er arbeitet an einem Zustandsbericht zur Lage der Armee. Einen ersten Präsentationstermin nächste Woche hat er verschoben. Nun heißt es, das Papier soll am 17. September präsentiert werden. Der Minister kann dabei auf der Arbeit von Generalstabschef Robert Brieger aufbauen, der im Frühjahr den dringenden Investitionsbedarf des Heeres mit drei Milliarden Euro bezifferte.

Als Faustregel für den laufenden Bedarf gilt unter Militärs ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts – dies wäre praktisch eine Verdopplung des aktuellen Budgets von rund zwei Milliarden Euro.

ÖVP-Chef Sebastian Kurz hat dieser Forderung am Montag eine Absage erteilt – was ihm wiederum heftige Kritik der Offiziersgesellschaft einbrachte.

Dabei sind in den Berechnungen Briegers die anstehenden Investitionen in die Flieger noch gar nicht enthalten: Die 50 Jahre alten Saab-105-Trainingsjets, die auch einen maßgeblichen Teil der Luftraumüberwachung tragen, müssen Ende 2020 abgestellt werden. Auch bei den Eurofightern sind in den kommenden Jahren größere Modernisierungen nötig. Ein vertraulicher Bericht des Verteidigungsministeriums beziffert die Kosten für die nächsten zehn Jahre mit mindestens 2,6 Milliarden Euro.