Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 21.09.2019


Innenpolitik

Tierschutz geht nur mit Rettung der Landwirtschaft

Initiator des österreichischen Tierschutzvolksbegehrens setzt sich für Bauern ein. Nur mit ihnen könne man das Tierwohl verbessern.

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© Fankhauser



Von Eva-Maria Fankhauser

Terfens – Der Bio-Bauernhof in Terfens hat es Sebastian Bohrn Mena angetan. Er grinst verschmitzt, als ihm ein Kalb übers Sakko schleckt. „Das gibt einem so viel Kraft hier“, sagt der Initiator des österreichischen Tierschutzvolksbegehrens. Denn er weiß, wie es Tieren anderswo ergeht – eingepfercht und gequält.

Er ist zwar mit Vertretern der Tiroler Grünen am Hof unterwegs, doch Bohrn Mena kämpft seinen ganz eigenen Wahlkampf. Parteien sind für ihn nicht von Interesse. Für ihn zählt jeder Unterstützer. Er will das Tierleid beenden. „Wir können das Tierwohl aber nicht vorantreiben, wenn wir es nicht schaffen, die Existenz der Landwirtschaft zu retten“, stellt er klar.

Eine Aussage, die die Bauern hoffen lässt. Denn sowohl Biobauer Alfons Frischmann aus Terfens als auch Landwirt Alois Wurm aus Stumm tragen gerne zum Tierschutz bei, vermissen aber die Wertschätzung gegenüber ihrer Arbeit. „Es stellt sich für viele Bauern die Frage: Wie kann ich es mir leisten, den Hof zu halten? Denn das Einkommen dafür kommt woanders her“, sagt Frischmann. Ohne Nebenerwerb oder Tourismus ginge das heute nicht mehr. „Und wir können auch nicht alle Direktvermarkter sein“, sagt Wurm. Die beiden Landwirte kritisieren nicht nur den niedrigen Milchpreis oder die strengen Richtlinien für Bio-Bauernhöfe, sondern auch den Import und Export. „Jedes Jahr landen 600 Millionen Eier aus Käfighaltung und Tausende Tonnen Fleisch aus ausländischer Massentierhaltung auf unseren Tellern. Meist unerkannt. Während wir unsere Produkte ins Ausland transportieren“, sagt Bohrn Mena. Ein Umstand, der allen schade – Klima, Gesundheit, Konsumenten, Tourismus und Landwirten.

Unter dem Motto „Willst mich panieren?“ pocht Bohrn Mena auf die verpflichtende Kennzeichnung von Lebensmitteln in Gastronomie und öffentlichen Küchen. „Wenn man weiß, ob der Kaiserschmarrn mit Eiern aus Aserbaidschan oder jenen vom Bauern ums Eck gemacht wurde, isst man manches vielleicht nicht mehr und anderes umso lieber“, meint Bohrn Mena. In der Schweiz funktioniert das laut ihm bereits gut. Es brauche ein Umdenken: „Nicht der ist ein Held, der spart, sondern der, der dazu beiträgt, dass es den Tieren gut geht, Bienen nicht aussterben und der Regenwald nicht abbrennt.“

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