Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 21.09.2019


NR-Wahl

Letzte Wahlkampfwoche steht im Zeichen der Mobilisierung

In den verbleibenden Tagen bis zur Nationalratswahl stehen bei allen Parteien die Stammwähler und die Unentschlossenen im Fokus.

Noch eine Woche wird das Straßenbild vom Bodensee bis zum Neusiedler See von den plakativen Botschaften der wahlwerbenden Parteien beherrscht.

© APA/BARBARA GINDLNoch eine Woche wird das Straßenbild vom Bodensee bis zum Neusiedler See von den plakativen Botschaften der wahlwerbenden Parteien beherrscht.



Von Michael Sprenger

Wien – „Rennen, rennen, rennen!“ Diese Losung gibt SPÖ-Kommunikationschef Stefan Hirsch für die verbleibende Woche bis zum Wahltag am 29. September aus. Jetzt geht es für alle Parteien darum, die „Kern- und Stammwähler“ anzusprechen, sagt Wahlforscher Fritz Plasser.

„Die Themen sind gesetzt, jetzt muss alles noch einmal verfestigt werden“, glaubt NEOS-Parteimanager Nick Donig. Wählermobilisierung steht auch bei den Freiheitlichen ganz oben auf der Agenda. Traditionell wird die FPÖ ihren letzten großen Auftritt auf dem Wiener Viktor-Adler-Markt am Freitag haben.

Die Grünen setzen in allen Bundesländern auf „klassischen Straßenwahlkampf“. „Alle raus auf die Straße. Jede Stimme zählt“, weiß Wahlkampfmanager Thimo Fiesel zu berichten. Das hört man auch aus allen anderen Parteizentralen.

Der Favorit für den Wahlsonntag ist und bleibt die ÖVP. Doch auch dort will man noch einmal an die Kernwähler appellieren. Damit die konstant guten Umfragedaten nicht zu einem Abflauen in der Wählerschaft führt, wird die ÖVP nicht müde, vor einer linken Mehrheit zu warnen, obwohl sich eine solche in keiner Umfrage abzeichnet. Johannes Frischmann, Pressesprecher von Sebastian Kurz, bringt es so auf den Punkt: „Die Losung der politischen Gegner ,Alle gegen Kurz‘ kommt bei den Menschen nicht gut an – und ist für uns noch einmal ein kräftiger Mobilisierungsschub. Es geht letztlich um die Frage, wer dieses Land führen und Kanzler werden soll. Darauf werden wir es in den verbleibenden Tagen zuspitzen und vor einer linken Mehrheit warnen. Denn nur Platz 1 reicht nicht“, sagt Frischmann der Tiroler Tageszeitung.

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Mit dem Verlauf des Wahlkampfes ist die ÖVP trotzdem zufrieden. „Wir bekommen aus allen Bundesländern ein klares Bild als Rückmeldung geliefert. Der Zustrom zur ÖVP ist noch stärker als bei der Wahl 2017“, berichtet Frischmann.

In der kommenden Woche gibt es noch zwei „Elefantenrunden“. Eine am Sonntag im Privatfernsehen, eine am Donnerstag im ORF. Auch diese Runden haben nur noch Mobilisierungszwecke. „Sie bilden den ritualisierten Abschluss der Wahlauseinandersetzung“, sagt Plasser.

Und wie ist es um die Unentschlossenen bestellt? Wie viele Wähler haben sich noch nicht festgelegt? Plasser rechnet mit Blick auf seine Daten „mit vier bis fünf Prozent der Wählerschaft“, die sich noch nicht entschieden haben. Wobei auch diese Gruppe eine Tendenz hat – und „eigentlich nur noch zwischen zwei Parteien schwankt. Dies hängt auch mit den abgebildeten Wählerströmen der Wahlforschung zusammen. Zwei große Wählerbewegungen betreffen die SPÖ (hin zu den Grünen) und die FPÖ (hin zur ÖVP). Bei dieser Gruppe herrscht noch Unklarheit über die Frage, wo letzten Endes wirklich das Kreuzerl gemacht wird. Vor allem in Westösterreich wurde zuletzt auch eine Wählerbewegung von der ÖVP zu den Grünen und zu den NEOS ausgemacht. In Ostösterreich hingegen könnten FPÖ-Wähler der Wahlurne fernbleiben.

In der letzten Woche wird naturgemäß auf diese Zweifler abgezielt. Jede Partei versucht, Abtrünnige mit Kampfansagen bei der Stange zu halten.