Letztes Update am Fr, 27.09.2019 06:56

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wahl 2019

Finale Elefantenrunde: Von Ja oder Nein bis zu Bewerbungsgesprächen

Beim Grande TV-Finale der Spitzenkandidaten drei Tage vor der Nationalratswahl ging es um viele Sachfragen und um künftige mögliche Koalitionen.

Sebastian Kurz (ÖVP), Pamela Rendi-Wagner (SPÖ), Peter Pilz (Liste Jetzt), ORF-Moderatorin Claudia Reiterer und ORF-Moderator Armin Wolf, Beate Meinl-Reisinger (NEOS), Werner Kogler (Die Grünen) und Norbert Hofer (FPÖ).

© Sebastian Kurz (ÖVP), Pamela Rendi-Wagner (SPÖ), Peter Pilz (Liste Jetzt), ORF-Moderatorin Claudia Reiterer und ORF-Moderator Armin Wolf, Beate Meinl-Reisinger (NEOS), Werner Kogler (Die Grünen) und Norbert Hofer (FPÖ).



Von Karin Leitner und Serdar Sahin

Wien — Der TV-Wahlkampf ist beendet. Das Grande Finale hat es am Donnerstag im ORF gegeben — bei der „Elefantenrunde". Zum letzten Mal vor dem Wahltag versuchten die Spitzenkandidaten von ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS, der Liste Jetzt und den Grünen, in direkter Konfrontation für ihre Partei zu punkten.

Vieles von dem, was sie sagten bzw. einander vorhielten, war das, was schon in den vorherigen Fernsehrunden zu hören war. Es ging um Pensionen, Klimaschutz, den Wirtschaftsstandort, das Heer. Am Anfang um den künftigen Regierungsbund. NEOS-Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger sagte: Sie wolle nicht, dass es wieder eine „Ibiza-Koalition" gebe, ergo verschließe sie sich nicht einem Bund mit der ÖVP.

Video | Die Spitzenkandidaten zum Thema Pensionen:

Video | Die Spitzenkandidaten zum Thema Klimaschutz:


FPÖ-Spitzenkandidat Norbert Hofer beteuerte: „Wenn wir zu einer Koalition kommen, wird diese Regierung fünf Jahre halten." Ist für SPÖ-Vorfrau Pamela Rendi-Wagner denkbar, Vizekanzlerin neben einem ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz zu sein? Diese legte sich nicht fest; sie wolle kein Wahlergebnis vorwegnehmen. Bedingungslos sei jedenfalls nichts. Wäre eine Minderheitsregierung mit weniger als 40 Prozent Zuspruch denkbar? Das wurde Kurz gefragt. Eine Minderheitsregierung sei nicht sein Ziel, aber eine Option. Sein Ziel sei: Keine Mehrheit gegen die ÖVP.

Video | Die Spitzenkandidaten zu möglichen Koalitionsvarianten:

Dann wurde über muslimische Migranten geredet, über patriarchale Strukturen und darüber, dass Männer Frauen die Hand nicht geben wolllen. Rendi-Wagner sagte: In Österreich seien die Rechte für Männer und Frauen gleich; daran müssten sich alle halten. Kurz befand: Fehlverhalten sei mit Sanktionen zu ahnden. Liste-Jetzt-Spitzenkandidat Peter Pilz sagte, er halte nichts von Wertekursen; in den Schulen müsse klar gemacht werden, dass es Gleichberechtigung gibt. Hofer sagte, jeder, der sich nicht integrieren wolle, solle das Land verlassen. Meinl-Reisinger will die besten Lehrer an die „Brennpunktschulen" Österreichs schicken. Grünen-Chef Werner Kogler plädierte dafür, von der Kopftuch-Debatte zu lassen. Er sei für die „Selbstermächtigung" der Frauen.

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Neuen Diskussionsstoff hat die Spesen-Affäre rund um Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gebracht. Anfang der Woche ist diese — für Hofer höchst unangenehme — Causa publik geworden. Wird Strache aus der FPÖ ausgeschlossen, wenn nicht alles korrekt gewesen ist? Dazu sagte Hofer erneut: Es werde „Konsequenzen geben", wenn es angebracht sei. „Ich bin keiner, der sanft vorgeht, wenn es notwendig ist."

Viele Fragen zu vielen Belangen mussten die Kandidaten mit Ja oder Nein beantworten. Etwa: Sollte die „kalte Progression" in der nächsten Legislaturperiode abgeschafft werden? Da waren alle dafür. Oder: Sollte der Karfreitag ein zusätzlicher gesetzlicher Feiertag sein? Nur Kurz sagte da nein. Sollte der künftige Innenminister parteifrei sein? Meinl-Reisinger, Kogler und Pilz sagten ja, Rendi-Wagner und Hofer sagten nein. Kurz wollte sich nicht festlegen.

TV-Konfrontation zum letzten Mal vor der Wahl: Die Kandidaten buhlten um Wählerstimmen.
TV-Konfrontation zum letzten Mal vor der Wahl: Die Kandidaten buhlten um Wählerstimmen.
- ORF

Dann die „Lieblingsfrage" der Moderatoren: Haben Sie schon einmal die Unwahrheit gesagt? „Bei Kleinigkeiten habe ich mich immer wieder geirrt", sagte Kurz. Hofer tat kund, vor der Hofburg-Wahl gesagt zu haben, dass er ob der Kandidatur begeistert sei. „Ich wurde aber überredet." Er habe gesagt, dass das „Aufbaujahr" für die Grünen nach dem Rauswurf aus dem Parlament einfach gewesen sei, sagte Kogler. „Das war es nicht." Sie habe versichert, nach der Baby-Pause kürzer zu treten, sagte Meinl-Reisinger; das habe sie nicht getan. Rendi-Wagner sagte wie Kurz: Bei Daten, die sie genannt habe, habe sie sich geirrt.


Auch Fragen aus Bewerbungsgesprächen wurden den Wahlwerbern gestellt. Welche Stärken und Schwächen würde Ihnen Ihr vorheriger Chef zuschreiben? Christian Kern würde ihr „Zuverlässlichkeit und Menschlichkeit" attestieren, sagte Rendi-Wagner. Als Schwäche wohl Ungeduld. Eva Glawischnig würde laut Pilz über Pilz sagen: „Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, gibt er keine Ruhe."

Video | Die Spitzenkandidaten im Bewerbungsgespräch:

„Umfallen, aufstehen, weiterkämpfen" — das würde Glawischnig ihm zuschreiben, sagte Kogler. Die Schwächen? „Die aufbrausende Ungeduld." Wie würde Strache Hofer bewerten? „Das weiß ich nicht. Er hat in diesen Stunden andere Sorgen", antwortete Hofer. „Eine Löwin, die kämpft, aber auch eine, die auf das Rudel schaut" wäre Matthias Strolz' Befund, sagte Meinl-Reisinger. „Aufbrausende Ungeduld" würde er als ihre Schwäche nennen.

Delikat war die Sache für Kurz ob seines Zerwürfnisses mit Vorgänger Reinhold Mitterlehner. Und so sagte der ÖVP-Chef: „Er würde nichts Gutes bis wenig Gutes über mich sagen. Wir hatten in fast allen Fragen unterschiedliche Meinungen."