Letztes Update am Mo, 30.09.2019 06:26

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wahl 2019

ÖVP siegt klar in Tirol und erobert Platz eins in Innsbruck, Grüne legen stark zu

Laut vorläufigem Ergebnis ohne Wahlkarten hat die ÖVP in Tirol mit deutlichem Abstand vor der FPÖ Platz eins erobert. In der Landeshauptstadt konnten die Grünen nach ihrem Absturz 2017 wieder an das starke Ergebnis von 2013 anknüpfen.

Die Tiroler Kandidaten Johannes Margreiter (NEOS), Chris Moser (Jetzt), Barbar Neßler (Grüne), Selma Yildirim (SPÖ), Hermann Gahr (ÖVP) und Peter Wurm (FPÖ).

© Thomas BöhmDie Tiroler Kandidaten Johannes Margreiter (NEOS), Chris Moser (Jetzt), Barbar Neßler (Grüne), Selma Yildirim (SPÖ), Hermann Gahr (ÖVP) und Peter Wurm (FPÖ).



Innsbruck — Die ÖVP hat bei der Nationalratswahl am Sonntag auch in Tirol mächtig zugelegt und rangiert laut vorläufigem Ergebnis ohne Wahlkarten mit 47,4 Prozent mit mehr als 30 Prozentpunkten Vorsprung einsam an der Spitze. Obwohl die FPÖ mit minus 9,3 Prozentpunkten starke Verluste hinnehmen musste, erreichte sie immer noch mit 15,6 Prozent der Stimmen Platz zwei.

Auch die SPÖ verlor in Tirol deutlich. Die Sozialdemokraten fuhren ein Minus von 7,5 Prozentpunkten ein und erreichten 13,3 Prozent der Stimmen und damit ohne die Briefwahlstimmen Platz drei. Dicht hinter ihnen lagen jedoch die Grünen. Sie konnten mit 8,4 Prozentpunkten deutlich zulegen und kamen auf 12,8 Prozent. Auch die NEOS fuhren ein Plus von 2,3 Prozentpunkten ein und erreichten 8,0 Prozent. Die Liste Jetzt verlor 2,1 Prozentpunkte und erreichte in Tirol nur mehr 1,7 Prozent der Wähler.

Wahlbeteiligung gesunken

Deutlich abgenommen hat die Wahlbeteiligung in Tirol. Von den 543.044 Wahlberechtigten schritten nach dem vorläufigen Endergebnis ohne Wahlkarten 317.335 Tiroler zu den Urnen. Die Wahlbeteiligung sank damit von 65,8 Prozent ohne Briefwahlstimmen im Jahr 2017 auf 58,44 Prozent. Das vorläufige Tiroler Endergebnis inklusive Wahlkarten wird für Montagabend erwartet.

Landeck stärkster ÖVP-Bezirk

Die ÖVP, die in allen Bezirken klar auf Platz eins liegt, erreichte ihr stärkstes Tirol-Ergebnis im Bezirk Landeck (58,1 Prozent ohne Briefwahl). SPÖ und Grüne waren jeweils in Innsbruck am stärksten (18,3 bzw. 21,7 Prozent). Auch die NEOS kamen in Innsbruck am besten an und landeten mit vorläufig 10,1 Prozent ein zweistelliges Ergebnis. Die FPÖ fuhr ihr bestes Tirol-Ergebnis im Bezirk Schwaz ein (17,7 Prozent).

Grafik: Für die Bezirks- und Gemeinde-Ergebnisse einfach auf die entsprechenden Felder klicken oder die Suchfunktion (Lupe) verwenden.

ÖVP stößt SPÖ in Innsbruck von Platz eins, Grüne Zweite

Viel getan im Vergleich zur letzten Nationalratswahl hat sich in Innsbruck: Hatte 2017 in der Landeshauptstadt noch die SPÖ Platz eins inne, wurde diese am Sonntag von den Türkisen vom Thron gestoßen. Die ÖVP legte 3,5 Prozentpunkte zu und kam auf vorläufig 29,8 Prozent. Die SPÖ verlor nach vorläufigem Ergebnis 10,2 Prozentpunkte und landete mit 18,3 Prozent auf Platz drei.

Deutlich mehr zulegen als im Tirol-Schnitt konnten in Innsbruck die Grünen, wo mit Georg Willi ein grüner Bürgermeister regiert: Während die Öko-Partei im Jahr 2017 in der Landeshauptstadt gedrittelt wurde und bei sieben Prozent landete, konnten die Grünen heuer laut vorläufigem Ergebnis mehr als 13 Prozentpunkte zulegen und liegen mit 21,7 Prozent auf Platz zwei. Die Grünen konnten damit beinahe an ihre alte Stärke anknüpfen, denn 2013 war die Partei mit 22,5 Prozent noch die stärkste Kraft in der Tiroler Landeshauptstadt.

Neben der SPÖ mussten auch die Freiheitlichen in Innsbruck herbe Verluste hinnehmen, wo die Blauen 7,9 Prozentpunkte einbüßten und ohne Wahlkartenstimmen auf 15,2 Prozent und somit Platz vier landeten. Die NEOS gewannen 3,0 Prozentpunkte dazu und kamen auf 10,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag in Innsbruck ohne Briefwahlstimmen bei 53,33 Prozent. (TT.com)

Tiroler Besonderheiten

  • Rattenberg ist anders: Trotz einem Plus von 8,7 Prozentpunkten und Platz eins kommt die ÖVP in Rattenberg lediglich auf 29 Prozent — das schwächste Ergebnis der Kurz-Partei in einer Tiroler Gemeinde. Mit 2,6 Prozent fährt hier außerdem die KPÖ ihr stärkstes Ergebnis in Tirol ein.
  • Freud und Leid für SPÖ: Während die SPÖ in Sellrain 29 Prozent, Platz zwei und damit ihr Top-Ergebnis in Tirol verbucht, gibt es für die Sozialdemokraten in Gramais, Hornbach und Jungholz keine einzige Stimme zu holen. Am stärksten legt die SPÖ mit plus 4,2 Prozentpunkten in Spiss zu, die höchsten Verluste setzt es in Matrei am Brenner mit minus 14 Prozent.
  • NEOS im Oberland stark: In Mils bei Imst erreichen die Pinken mit 19,9 Prozent ihr bestes Tirol-Ergebnis. In Landeck schaffen sie mit 11 Prozent erstmals in einer Tiroler Bezirkshauptstadt ein zweistelliges Ergebnis. Ohne Stimmen bleiben NEOS jedoch in Gramais und Pfafflar.
  • Sistrans ist Grün: Mit ihrem größten Plus in Tirol (+16,3%) fahren die Grünen in Sistrans ihr bestes Tirol-Ergebnis ein. Sie erreichen 23,8 Prozent. Keine Stimmen für die Grünen gibt es in Hinterhornbach und Spiss.
  • Starke Wahlbeteiligung: Die drei Gemeinden mit der höchsten Wahlbeteiligung (ohne Wahlkarten) sind Hinterhornbach (81,4 %), Schmirn (76,9 %) und Obernberg a.Br. (75 %)
  • Zwei Parteien in Gramais: In Gramais geben die Wahlberechtigten überhaupt nur der ÖVP und den Grünen ihre Stimme. Hier fährt die ÖVP mit 95,8 Prozent ihr bestes Ergebnis in Tirol ein. Die Grünen kommen mit einer Stimme auf 4,2 Prozent. Abgegebene Stimmen insgesamt: 24. (TT)

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