Letztes Update am Mo, 30.09.2019 07:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wahl 2019

Hochburgen und Negativ-Rekorde: ÖVP legt zu, Grüne holen Top-Gemeinden

In 646 der rund 2100 Gemeinden konnte die Volkspartei ein Plus von mehr als zehn Prozentpunkten verbuchen. Die Grünen legten in fast allen Gemeinden dazu. Die FPÖ verzeichneten hingegen nahezu überall Verluste, ähnlich präsentiert sich das Bild bei der SPÖ.

: ÖVP-Chef und Spitzenkandidat Sebastian Kurz.

© APA: ÖVP-Chef und Spitzenkandidat Sebastian Kurz.



Wien – Die Nationalratswahl hat erneut Rekordergebnisse in traditionellen Hochburgen der Parteien gebracht. Wahlsieger ÖVP holte wieder in Tirol und Vorarlberg die besten Gemeinde-Ergebnisse. Die SPÖ war wie gewohnt im Burgenland stark. Die FPÖ-Top-Gemeinden lagen erneut in Kärnten und Oberösterreich. Die Grünen eroberten ihre Wiener Hochburgen zurück, die NEOS punkteten am stärksten in Vorarlberg.

ÖVP-Topergebnis in Gramais

Die Volkspartei holte ihr bestes Gemeinde-Ergebnis dieses Mal in der kleinsten Gemeinde Österreichs, im auf 1321 Meter Seehöhe gelegenen Tiroler Bergdorf Gramais. Von den nur 32 Wahlberechtigten der traditionell tiefschwarzen Gemeinde stimmten 23 Wähler bzw. 95,8 Prozent für Türkis, ein Plus von 25 Prozentpunkten bzw. sechs Stimmen. Ein Wähler (4,2 Prozent) machte sein Kreuz bei den Grünen. Alle anderen Parteien gingen leer aus. In sechs weiteren Gemeinden übertraf die ÖVP die 80 Prozent-Marke, allesamt in Tiroler oder Vorarlberger Bergdörfern.

Die Stärke der ÖVP zeigte sich auch in ihren schwächsten Gemeinden: In nur sechs davon lag das türkise Ergebnis unter der 20 Prozent-Marke. Die niedrigste Zustimmung gab es in Wien-Neubau, wo die ÖVP auf 17,3 Prozent kam.

Die teils herben Verluste der SPÖ lassen sich ebenfalls an den Gemeindeergebnissen ablesen. In sieben ihrer Top-Ten-Gemeinden erlitt die Sozialdemokratie Verluste - und zwar teils im zweistelligen Bereich. In vier Tiroler bzw. Vorarlberger Gemeinden ging die SPÖ gänzlich leer aus. Zum „Nuller“ in Hinterhornbach kamen noch Dünserberg (Vorarlberg) sowie Gramais und Jungholz hinzu. In Schröcken konnte die SPÖ heuer zwei Wähler (2,44 Prozent) für sich gewinnen.

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FPÖ stürzte beinahe überall ab

Besonders deutlich war der Absturz der FPÖ: Selbst in ihren Hochburgen verlor die Partei teils im zweistelligen Prozentpunkte-Bereich. Das beste Gemeinde-Ergebnis gab es für die Blauen diesmal erneut im Kärntner Deutsch-Griffen mit 48,9 Prozent. Am unteren Skala der FPÖ-Ergebnisse steht Gramais mit null Stimmen.

Die Grünen wiederum schafften nicht nur bundesweit den Wiedereinzug, sondern holten sich auch ihre traditionellen Hochburgen in Wien wieder zurück. Die fünf besten Gemeinde-Ergebnisse der Partei lagen allesamt in Wien. In den fünf Top-Gemeinden (die Wiener Bezirke Neubau, Mariahilf, Josefstadt, Alsergrund und Wieden) konnten die Grünen außerdem wieder Platz 1 zurückerobern. Keine Stimmen gab es in zwei Gemeinden in Tirol.

Spitzenkandidat Werner Kogler bei der Wahlfeier der Grünen im "Metropol".
Spitzenkandidat Werner Kogler bei der Wahlfeier der Grünen im "Metropol".
- APA

NEOS punkteten in Vorarlberg

Die NEOS holten ihr bestes Gemeindeergebnis dieses Mal erneut in Vorarlberg – allerdings nicht mehr im Heimatort von Parteigründer Matthias Strolz (Dalaas), sondern in Blons. In der Kleingemeinde im Tiroler Walsertal votierten 20,2 Prozent der 237 Wahlberechtigten für Pink (+6,9 Prozentpunkte). Ebenfalls erneut stark war die Partei in der Tiroler Hochburg Mils bei Imst mit 19,9 Prozent (+5,7). In fünf Gemeinden ging NEOS leer aus.

Der Abschied von JETZT aus dem Parlament spiegelt sich auch in den Gemeindeergebnissen wider. Während die Liste von Peter Pilz 2017 in elf Gemeinden leer ausging, verweigerten dieses Mal die Wähler in 47 Gemeinden jeglichen Zuspruch. Das noch beste Ergebnis verbuchte JETZT in der Tiroler Kleingemeinde Kaisers mit 7,3 Prozent.

ÖVP legte in 646 Gemeinden zu

Der große Sieger dieser Wahl heißt jedenfalls ÖVP: Die ÖVP holten ihren größten Zuwachs in der Tiroler Kleingemeinde Spiss mit 26,7 Prozentpunkten (bei einem Ergebnis von 72 Prozent). Ebenfalls mehr als 20 Prozentpunkte dazu gab es in Gramais (Tirol, +25), Muhr (Salzburg, +22,4), Jerzens (Tirol, +21,5), Warth (Vorarlberg, +20,8) sowie Hüttau (Salzburg, +20,1). Türkise Verluste verzeichneten gerade einmal 30 Gemeinden – und diese hielten sich in engen Grenzen.

Die SPÖ erlitt hingegen in 2025 Gemeinden Verluste. Das heftigsten Minus setzte es in Wien-Neubau mit 14,5 Prozentpunkten. Das Grüne Comeback zeigte sich auch darin, dass ihr Stimmenanteil in nur neun Gemeinden zurückging. Am größten waren die Verluste im Tiroler Jungholz und Gramais, mit jeweils 4,2 Prozentpunkten. In 252 Gemeinden gewannen die Grünen mehr als zehn Prozentpunkte dazu. Die NEOS wuchsen vor allem in Vorarlberger und Tiroler Gemeinden. Mit 9,9 Prozentpunkten verzeichneten die Pinken in St. Anton im Montafon (Vorarlberg) ihre Top-Zuwachsrate. Den größten Verlust gab es im Tiroler Pfafflar mit 6,8 Prozentpunkten. (APA)