Letztes Update am Di, 01.10.2019 15:23

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wahl 2019

Personalia sorgen in Teilen der SPÖ für Unmut

Die Parteijugend ist mit die Bestellung des Bundesgeschäftsführers Christian Deutsch nicht einverstanden und verlangt tiefgreifende Veränderungen. Auch dass die SJ-Vorsitzende Julia Herr wieder einmal um ein Mandat umfallen könnte, verärgert die Jungen.

Die Nominierung von Christian Deutsch als Bundesgeschäftsführer stößt bei der Parteijugend auf Kritik.

© APADie Nominierung von Christian Deutsch als Bundesgeschäftsführer stößt bei der Parteijugend auf Kritik.



Wien – In der SPÖ rumort es. Die Jugend-Organisationen haben am gestrigen Montag geschlossen vorzeitig die Sitzung des SP-Vorstands verlassen. Damit boykottierte man indirekt die Kür von Christian Deutsch zum Bundesgeschäftsführer, machte andererseits aber ein einstimmiges Votum möglich. Auch dass SJ-Chefin Julia Herr möglicherweise kein Mandat erhält, weil Thomas Drozda im Nationalrat bleibt, ärgert die Jungen.

Seitens der Jungen Generation hieß es zur Vorstandssitzung: „Es braucht eine umfassende organisatorische, strukturelle und personelle Neuaufstellung und keine unüberlegten Schnellschüsse.“ SJ-Chefin Julia Herr twitterte exakt dasselbe und bedauerte, dass sie nach der Sitzung das Gefühl habe, „dass wir das noch öfter fordern müssen bis wir das umsetzen“. Die Sitzung habe sie verlassen, weil die Diskussion „sinnlos“ gewesen sei.

Tatsächlich dürfte es im Vorstand ziemlich hoch her gegangen sein, speziell zwischen der Jugend und der Zweiten Nationalratspräsidentin Doris Bures, eine der Erfinderinnen des Bundesgeschäftsführers Deutsch. Im Kurier wird der Satz kolportiert: „Die Jugendorganisationen sind der Untergang der Sozialdemokratie.“ Bures ließ das bestreiten und will gesagt haben: “Wenn wir nicht solidarisch miteinander umgehen, ist das der Untergang der Sozialdemokratie.“ Sitzungsteilnehmer haben unterschiedliche Erinnerungen, welche Variante jetzt die richtige ist. Julia Herr betonte Dienstag im Gespräch mit der APA jedenfalls, dass das kolportierte Bures-Zitat nicht gefallen sei.

Herr dürfte wieder um Mandat umfallen

Sauer ist man bei den Jungen auch, weil Herr wieder einmal um ein Mandat umfallen könnte. Ändern die paar tausend Briefwahl-Stimmen am Donnerstag nichts mehr, wird es für die SJ-Chefin schwierig. Dann müsste nämlich die Wiener Landespartei auf eines ihrer Mandate verzichten, wovon nicht auszugehen ist. Rein käme Herr auch, wenn Drozda nach seinem Rückzug als Bundesgeschäftsführer auf sein Mandat verzichten würde, was er nach eigenen Angaben aber nicht tun wird.

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Um ihr Mandat sei es in der Sitzung des Parteivorstands nicht gegangen, sagte Herr am Dienstag. Zur Frage, ob Thomas Drozda nach seinem Rückzug als Bundesgeschäftsführer auf sein Nationalratsmandat verzichten soll, wollte sie sich nicht äußern. Überhaupt wollte sie die personellen Entscheidungen in der SPÖ nicht kommentieren.

Herr plädierte stattdessen einmal mehr dafür, das historisch schlechte Wahlergebnis ernst zu nehmen. „Wir brauchen eine organisatorische, strukturelle und personelle Neuaufstellung“, bekräftigte sie. „Man kann nicht weitermachen wie bisher.“ Die Sozialdemokratie müsse sich Gedanken über ihre Themen machen und diese besser vermitteln. Gerade mit dem Thema Klimapolitik sei die SPÖ im Wahlkampf nicht durchgekommen. (TT.com, APA)