Letztes Update am Mi, 02.10.2019 10:10

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


FPÖ

Pressestimmen zum Strache-Rückzug: „Den Haider macht er nicht“

Mehrere deutschsprachige Medien kommentieren am Mittwoch den Rückzug von Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache aus der Politik.

Der frühere FPÖ-Parteichef Heinz Christian Strache bei seiner "Persönlichen Erklärung" im Rahmen einer Pressekonferenz am 1. Oktober 2019.

© APA/FohringerDer frühere FPÖ-Parteichef Heinz Christian Strache bei seiner "Persönlichen Erklärung" im Rahmen einer Pressekonferenz am 1. Oktober 2019.



Neue Zürcher Zeitung:

„Der Aufstieg aus der Neonaziszene zum Vizekanzler ist eine durchaus bemerkenswerte Karriere, die so vielleicht nur in Österreich möglich ist. Mit dem völligen Rückzug des vormaligen FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache aus der Politik kommt diese Karriere zu einem jähen Ende. Freiwillig geschieht dies nicht, vielmehr ist in den Tagen seit Bekanntwerden der Spesenaffäre der interne Druck zu groß geworden. (...)

Dass Strache die Spekulationen, er könnte mit einer eigenen Bewegung eine Rückkehr versuchen, nun beendet hat, ist zwar eine Erleichterung für die Partei. Strache verhindert damit die Spaltung, die (der frühere FPÖ-Chef Jörg) Haider in seiner typischen Egozentrik vorangetrieben hatte. Doch die Emanzipation vom langjährigen Vorsitzenden wird eine Herausforderung für die FPÖ sein. Der Beweis, dass sie sich nicht regelmäßig selbst zerstört, ist noch nicht erbracht.“

Tages-Anzeiger (Zürich):

„Die Freiheitlichen propagieren nun befreit den Neuaufbau, und sie dürften obendrein erleichtert sein, dass Strache es offenbar zumindest fürs Erste nicht auf eine Spaltung der Partei anlegt. Doch zur Erneuerung der FPÖ gehört weit mehr, als die Abkehr vom alten Patriarchen. Es reicht nicht, nun frohgemut nach vorn zu blicken. Nötig wäre ein strenger Blick zurück und eine Aufarbeitung der Affären, die nicht nur auf ein persönliches Versagen, sondern auf ein Versagen des Systems hindeuten.“

Süddeutsche Zeitung (München)

„Befreit von dieser Last, ist in der FPÖ nun überall die Parole vom Neuanfang zu hören. Doch der birgt noch zahlreiche Risiken. Eines davon hat unmittelbar vor Straches Auftritt die Gemüter bewegt, als die Registrierung einer Internetadresse namens liste-strache.at bekannt und dies als Indiz für mögliche Comebackpläne gedeutet wurde. Wer dahintersteckt, blieb jedoch unbekannt, und Strache scheint seinen Nachfolgern zumindest fürs Erste die Wiederbelebung eines alten Traumas zu ersparen.

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‚Eine Zerreißprobe und eine Spaltung der FPÖ will ich um jeden Preis verhindern‘, sagt er und bekennt sich zur ‚freiheitlichen Familie‘. Im Klartext heißt das: Den Haider macht er jetzt nicht. Sein Vorgänger Jörg Haider nämlich hatte die FPÖ 2005 mit der Gründung einer eigenen Partei namens Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) in zwei Teile zerlegt. Für die FPÖ wiederholt sich dennoch die Geschichte, dass genau jene Männer, die sie in schwindelnde Höhen führen, höchstselbst für den Absturz sorgen.“

Spiegel Online (Hamburg):

„Ob die Geschichte vom Aufstieg und Fall des Freiheitlichen Heinz-Christian Strache mit dem Kapitel von diesem Dienstag wirklich endet, ist noch offen. Für seine Partei wird es darauf ankommen, ob der tief Gekränkte der Versuchung widersteht, seinen persönlichen Giftschrank zu öffnen: Geballtes Wissen aus jenen knapp drei Jahrzehnten, die Strache in der FPÖ war, darf dort vermutet werden.“

Die Zeit Online (Hamburg):

„In manchen Situationen gibt es kein kleineres Übel, und egal, welche Entscheidung man trifft: Die Bredouille ist damit nicht aus der Welt. Österreichs Freiheitliche sind in so einer Situation. Sie haben ihren ehemaligen Parteichef am Dienstagabend mit einer Suspendierung zwar vorerst aus den eigenen Reihen verbannt. Doch erledigt hat sich die Causa Strache noch lange nicht für die Rechtspopulisten, die von ihrem einstigen Superstar mit hinab in die Tiefe gezogen worden sind. (...)

Die Vorstellung, dass der geschasste Ex-Chef bei den Wahlen zum Wiener Landtag im kommenden Jahr mit einer eigenen Liste antreten könnte, unterstützt von der Präsenz seiner Frau im Parlament, sorgt in der FPÖ seit einigen Wochen schon für Bauchschmerzen. Mit dem heute angekündigten großen Abschied von der Politik versucht Strache diese Sorge zwar aus der Welt zu schaffen. Doch kann die FPÖ darauf vertrauen?“ (APA)


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