Letztes Update am Fr, 15.11.2019 13:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


App vorgestellt

Lehrer via App bewerten: 17-Jähriger will „Schülern eine Stimme geben“

Ein 17-Jähriger will das Bildungssystem mit einer Lehrer-Bewertungsplattform transparenter und fairer machen. Dafür erfand er eine App, die am Freitag in Wien vorgestellt wurde. Für die Lehrenden sieht der Schüler „keinen Grund zum Fürchten“.

App-Erfinder Benjamin Hadrigans Buch trägt denselben Namen wie die App: In "#Lernsieg' schildert er, wie er sich mit Hilfe von sozialen Netzwerken vom schlechten Schüler zum Klassenbesten gewandelt haben soll.

© App-Erfinder Benjamin Hadrigans Buch trägt denselben Namen wie die App: In "#Lernsieg' schildert er, wie er sich mit Hilfe von sozialen Netzwerken vom schlechten Schüler zum Klassenbesten gewandelt haben soll.



Wien – Schüler in Österreich und Deutschland können ab sofort ihre Lehrer und Schulen per App bewerten. Ziel der Übung sei es nicht, wie von der Lehrergewerkschaft befürchtet, Pädagogen an den Pranger zu stellen, betonte Erfinder Benjamin Hadrigan am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien. „Mir geht es darum Schülern eine Stimme zu geben.“ Mit der App „Lernsieg“ könnten sie nun Lehrern Feedback geben.

Die Idee für ein (damals nur internes) Bewertungssystem hatte der heute 17-Jährige bereits vor Jahren als Schulsprecher, scheiterte aber damals. Nun hat er das Projekt im größeren Stil aufgezogen und sich das Bewertungssystem von Plattformen wie Uber oder Airbnb zum Vorbild genommen: Für die kostenlose App wurde eine Datenbank mit rund 90.000 Lehrern und den entsprechenden Schulen angelegt.

Keine Kommentarfunktion, nur „objektive Kriterien“

Dort können Schüler ihre Pädagogen ab der AHS-Unterstufe bzw. Neuen Mittelschule (NMS) in Kategorien wie Unterricht, Fairness oder Pünktlichkeit mit einem („Nicht Genügend“) bis fünf Sternen („Sehr Gut“) bewerten. Bei weniger als fünf Sternen kann in vorgegeben Unterkategorien konkretisiert werden, welche Mängel es gibt, etwa dass der Unterricht zu langsam oder nicht spannend genug aufgebaut ist. Für jede Schule gibt es dann ein Ranking der „besten“ Lehrer.

Die App beinhaltet eine Datenbank mit 90.000 Lehrern und den entsprechenden Schulen. In verschiedenen Kategorien können Noten von "Sehr Gut" bis "Nicht Genügend" vergeben werden. Und es gibt ein Ranking der zehn besten Schulen.
Die App beinhaltet eine Datenbank mit 90.000 Lehrern und den entsprechenden Schulen. In verschiedenen Kategorien können Noten von "Sehr Gut" bis "Nicht Genügend" vergeben werden. Und es gibt ein Ranking der zehn besten Schulen.
- APA/Hochmuth

Eine Kommentarfunktion hat die vom Wiener Unternehmen „all about apps“ entwickelte Anwendung nicht, Diffamierung ist damit ist aus Hadrigans Sicht ausgeschlossen. Überhaupt gebe es für Lehrer „keinen Grund zum Fürchten“: „Wir fragen nicht die Beliebtheit ab, sondern objektive Kriterien.“ Zudem könnten die Bewertungen laufend aktualisiert werden. Damit gebe es die Möglichkeit, endlich die Leistung guter Lehrer anzuerkennen.

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„Das wird das Leben von vielen Lehrern positiv beeinflussen.“ Bei schlechten Rückmeldungen könnten die Pädagogen wiederum ihre Schwächen erkennen und daran arbeiten. Die Lehrergewerkschaft, deren Vorsitzender Paul Kimberger (FCG) schon vor Start der App rechtliche Schritte dagegen angekündigt hatte, lud Hadrigan zur gemeinsamen Weiterentwicklung des Bewertungstools ein. Juristisch habe man alles getan, damit die App keine Persönlichkeitsrechte verletzt, sieht er keine Erfolgschancen für eine Klage.

„Das wird das Leben von vielen Lehrern positiv beeinflussen.“
Benjamin Hadrigan, App-Erfinder

„Missbrauch wird man nie ganz ausschließen können“

Neben dem jeweiligen Schulprofil gibt es auch ein Ranking der zehn besten Schulen. Diese können in Kategorien wie Lehrangebot, Neue Medien, Sauberkeit, Sportstätten oder auch der Unterstützung von „Fridays for Future“ bewertet werden. Hadrigan sieht darin eine neue Möglichkeit für Eltern, die beste Schule für ihre Kinder zu finden. Insgesamt erhofft er sich durch die App mehr Transparenz und einen stärkeren Leistungsgedanken durch die Konkurrenzsituation.

Um Manipulation bei den Ergebnissen wie mehrfache Stimmabgabe zu verhindern, wird jede Anmeldung per SMS verifiziert. Ob tatsächlich nur Schüler ihre Stimme abgeben, könne man zwar nicht überprüfen. Aber: „Ich bewerte ja auch nicht Ärzte, bei denen ich nicht war“, so Hadrigan. „Missbrauch wird man nie ganz ausschließen können“, betonte auch der bei der App-Entwicklung beigezogene Medienanwalt Michael Krüger. Allerdings gebe es im Gegensatz zu anderen Anwendungen hier auch keine wirtschaftlichen Interessen an Manipulation.

Hadrigan schrieb bereits ein Buch

Finanziell unterstützt wird Hadrigan bei der App von einer Investorengruppe um Philipp Ploner mit einem sechsstelligen Eurobetrag. „Lernsieg“ (erschienen im März 2019) soll künftig weiterentwickelt werden und im Idealfall auch Geld abwerfen – wie, wurde vorerst nicht gesagt. App-Erfinder Hadrigan war zuletzt mit seinem Buch „#Lernsieg“ in den Medien. Darin stellte er ein von ihm entwickeltes Lernsystem mit Social-Media-Anwendungen wie Snapchat vor, mit dem er sich vom schlechten Schüler zum Klassenbesten gewandelt haben soll.


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