Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 20.11.2019


Innenpolitik

Große Moschee in jedem Bundesland: Ablehnung für IGGÖ-Idee

FPÖ und ÖVP sind gegen die Forderung der Islamischen Glaubensgemeinschaft nach einem großen Gotteshaus in jedem Bundesland. Grüne sind zurückhaltend.

Für IGGÖ-Präsident Vural ist ein Minarett, wie hier bei der Moschee in Telfs, kein Muss.

© thomas boehm photographie imstFür IGGÖ-Präsident Vural ist ein Minarett, wie hier bei der Moschee in Telfs, kein Muss.



Wien – Das Begehren der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) nach einer eigenen, größeren Moschee in jedem Bundesland stößt auf Ablehnung. „Es wäre schön, als offizielle Vertretung der Glaubensgemeinschaft in Religionsgemeinden würdige Moscheen zu haben, die von außen auch wahrgenommen werden“, sagte IGGÖ-Präsident Ümit Vural kürzlich im TT-Interview.

Der neue, vorerst noch geschäftsführende Landesparteiobmann der Wiener FPÖ, Vizebürgermeister Dominik Nepp, spricht sich dafür aus, die Auflösung der Islamischen Glaubensgemeinschaft zu prüfen. Auch solle der Status der Gemeinschaft als offizielle Vertretung für alle Muslime aberkannt werden, fordert er gegenüber der APA.

Nepp beklagt, dass sich die IGGÖ in den vergangenen Jahren „zunehmend radikalisiert“ habe. Vural habe etwa gegen das Kopftuchverbot für Kindergartenkinder „gewettert“ – und im Jänner dieses Jahres in Köln an einem islamistischen Vernetzungstreffen teilgenommen.

Die Landesgruppe will nun laut eigenen Angaben die Fakten rund um die ihrer Ansicht nach zunehmende Radikalisierung der IGGÖ aufbereiten und an die zuständigen Behörden zur Prüfung übermitteln. „Ich glaube nicht, dass sich die IGGÖ mit ihren Radikalisierungstendenzen noch auf dem Boden des Rechtsstaates in Österreich befindet“, sagt Nepp. Sein Tiroler Kollege, FPÖ-Landeschef Markus Abwerzger, befindet: „Wenn die Fakten stimmen, wovon ich ausgehe, unterstütze ich diese Prüfung.“

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Die IGGÖ sieht darin ein „Ablenkungsmanöver“ der FPÖ. „Wer Muslimen die freie Religionsausübung verwehren will, steht im Widerspruch zu unserer demokratischen Staatsordnung“, konstatiert Vural. „Jahrelang hat man sich bei den Muslimen beschwert, sie würden nur in ihren Hinterhof-Moscheen bleiben. Aber wenn man würdige Moschee-Bauten anstrebt, die die Hinterhöfe obsolet machen würden, passt es gewissen Kreisen auch nicht.“ Die FPÖ dürfe „sehr gerne“ die Auflösung der IGGÖ prüfen lassen: „Doch diese Energie wäre bei der Aufarbeitung der eigenen Skandale womöglich besser aufgehoben“, meint Vural.

Für ÖVP-Generalsekretär und Integrationssprecher Karl Nehammer ist Vurals Weg der falsche. „Die IGGÖ darf Muslime nicht weiter weg von unserer Gesellschaft bringen, sondern muss mithelfen, ihre Integration zu verbessern“, sagt Nehammer. Notwendig seien „gemeinsame Anstrengungen und ein Bekenntnis zu unserem Wertekatalog statt falscher Fantasien mit Moscheen“. Die ÖVP sei „selbstverständlich nicht per se gegen Moscheen, den skizzierten Weg von einer großen Moschee pro Bundesland sehe ich aber als kritisch, weil das nicht zu einer Integration der Muslime beiträgt, sondern das Gegenteil bewirkt“, so Nehammer.

Die Grünen sind zurückhaltend. Man stehe „grundsätzlich für die Trennung von Kirche und Staat“ und wolle dementsprechend keine Moscheesteuer (eine solche will Vural auch) einführen – die Kirchensteuer sei ein Relikt aus dem Konkordat. Zum Bau von großen Moscheen in jedem Bundesland sagt Mandatarin Faika El-Nagshi: „Das hängt vom Bedarf ab – dieser wäre zu erheben.“ (sas)