Letztes Update am Do, 28.11.2019 12:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Spesenaffäre

Strache soll FPÖ private Einkäufe und Nachhilfe verrechnet haben

In der Spesenaffäre um den ehemaligen FPÖ-Chef kommen neue Details ans Licht. Details, die es der Wiener FPÖ erleichtern könnten, Strache aus der Partei auszuschließen. Der Ex-Parteichef verteidigt sich indes per Facebook und bestreitet die Vorwürfe.

Gegen Heinz-Christian Strache wird wegen Verdachts der Untreue oder Veruntreuung ermittelt, gegen seine Frau Philippa wegen Verdachts der Anstiftung dazu.

© Michael KristenGegen Heinz-Christian Strache wird wegen Verdachts der Untreue oder Veruntreuung ermittelt, gegen seine Frau Philippa wegen Verdachts der Anstiftung dazu.



Wien – Während die FPÖ noch überlegt, ob sie Heinz-Christian Strache aus der Partei ausschließen soll, werden in der Spesenaffäre um den ehemaligen Parteiobmann neue Details bekannt. Wie das Ö1-“Morgenjournal“ am Donnerstag berichtet, soll Strache der Partei nicht nur private Einkäufe verrechnet haben, sondern auch private Reparaturen und Ausgaben für eines seiner Kinder. Konkret soll die Partei etwa für Wartungsarbeiten an einem Swimmingpool, die Reparatur eines Whirlpools sowie das Schulgeld und Nachhilfestunden eines Sprösslings Straches aufgekommen sein.

Belege von Fremden verrechnet

Wie das funktionierte? Dem Bericht zufolge tätigte Straches ehemaliger Bodyguard etwa Einkäufe für den FPÖ-Chef, die von der Partei wohl nicht als Spesen akzeptiert worden wären. Der Mann soll deshalb Restaurantrechnungen von Fremden organisiert haben, die Straches damalige Assistentin schließlich als „Arbeitsessen“ ihres Chefs verrechnen konnte, so vermuten es die Ermittler.

Mitarbeiter des damaligen Parteiobmanns sollen etwa an einem Abend in einem Haubenlokal sämtliche liegen gebliebenen Rechnungen eingesammelt haben, welche dann der FPÖ verrechnet worden sein sollen. Die Vorwürfe ergeben sich aus Einvernahmeprotokollen. Das „Morgenjournal“ beruft in dem Bericht sich auf eine Person, die Zugang zu den Protokollen der Befragungen von Straches Ex-Leibwächter und seiner früheren Assistentin gehabt haben soll.

Auch Straches Frau Philippa wird demnach als Beschuldigte geführt. Gegen sie werde wegen des Verdachts der Anstiftung zur Untreue ermittelt, möglicherweise im Zusammenhang mit bestimmten Einkäufen. Die Ermittler werten nun Hunderte vom Ex-Leibwächter aufbewahrte Belege aus. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Strache: Alles „nachweislich“ selbst bezahlt

Heinz-Christian Strache verteidigt sich indes. Er bestritt via Facebook, Pool- oder Nachhilfekosten seiner Partei als Spesen verrechnet zu haben. All dies sei „nachweislich“ von ihm selbst bezahlt worden, betonte er.

Er habe auch niemals über ein persönliches Spesenkonto verfügt, vielmehr habe seine Referentin eine Handkassa mit Verrechnungsgeld geführt. Es sei „vereinzelt“ vorgekommen, dass er sie oder einen seiner Sicherheitsmänner ersucht habe, private Erledigungen für ihn durchzuführen, „da ich auf Grund meines Einsatzes für die Partei rund um die Uhr oft keine Zeit dafür hatte“. In solchen Fällen hätten diese den Aufwand von ihm persönlich ersetzt bekommen.

Sicherheitsmann Oliver R. sei aber scheinbar seit Jahren darauf angesetzt gewesen, ihn zu bespitzeln, vermutete Strache. Er dürfte versucht haben, belastende Beweise gegen ihn zu sammeln bzw. zu konstruieren.

„Die Behörden werden daher ermitteln, ob Oliver R. Rechnungen, die er von mir ersetzt bekam, in Restaurantrechnungen ‚umgewandelt‘ und bei meiner Referentin ein zweites Mal eingereicht hat, um sich unrechtmäßig zu bereichern und mich falsch zu belasten“, so Strache: „Ich werde die Behörden dabei unterstützen, habe bis dato aber noch keine Einsicht in alle Belege erhalten.“ Die Aufklärung werde länger dauern, weil sich zahlreiche Kleinstrechnungen darunter befinden dürften.

FPÖ prüft Straches Spesen

Neben der Justiz hat auch die FPÖ Interesse an Aufklärung der Spesenaffäre: Der Partei soll durch die Tricksereien ihres früheren Chefs ein Schaden von mehreren zehntausend Euro entstanden sein. Als die Affäre im vergangenen September ins Rollen kam, kündigte die FPÖ an, die Belege ihres ehemaligen Parteichefs unter die Lupe nehmen zu wollen.

Am 13. November ließen die Wiener Freiheitlichen dann wissen, dass die Prüfung der Strache-Spesen demnächst beendet werde. „Bis jetzt gibt es aber keine Belege, die auf irgendwelche Malversationen auf unserer Seite hindeuten“, hieß es damals seitens des Wiener Landesparteiobmanns Dominik Nepp. Eine Sprecherin meinte jedoch, Falscheinreichungen durch Strache könne die FPÖ „weder dementieren noch belegen“. (TT.com)