Letztes Update am So, 16.09.2012 18:04

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innenpolitik

Aufschrei von Experten für Pensionsreform



Wien – In Deutschland haben zu Beginn des Sommers prominente Wirtschaftswissenschafter für Furore gesorgt, als sie einen Brandbrief gegen den Euro-Rettungsschirm ESM veröffentlichten. Jetzt werden auch in Österreich namhafte Experten aktiv. Sie haben einen Appell für eine echte Pensionsreform formuliert, den sie Anfang kommender Woche veröffentlichen wollen. Der Kern ihrer Kritik: Auch mit dem kommenden Pensionskonto sei die nachhaltige Finanzierbarkeit des Systems nicht gewährleistet.

Unterzeichner des Aufrufs sind u. a. Robert Holzmann, Steirer und lange Jahre für die Weltbank tätig, Georg Keuschnigg, der Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), der Sozialexperte Bernd Marin und Ulrich Schuh, Forschungsvorstand des Wirtschaftsforschungsinstituts Eco Austria.

Die Experten fordern ein „beitragsdefiniertes Pensionssystem“, erläuterte Schuh im Gespräch mit der TT. Ähnlich wie beim bereits beschlossenen Pensionskonto sollte die Pensionshöhe von der Dauer der Beitragszahlungen abhängen. Die Verzinsung dieser Beiträge sollte aber nicht nach fixen Werten, sondern anhand der Entwicklung der gesamten Lohnsumme aller Beschäftigten erfolgen.

Dieses Modell könnte die nachhaltige Finanzierbarkeit sicherstellen, ist Schuh überzeugt. Und zwar ohne, dass eine Kommission über notwendige Anpassungen befinden müsste – abgesehen davon, dass die bestehende Kommission zur langfristigen Sicherung des Pensionssystem wegen ihrer Zusammensetzung praktisch nicht handlungsfähig sei.

Der Wirtschaftsforscher räumte ein, dass der einzelne Pensionsbezieher mit dem neuen System verlieren könnte. Das aber nur dann, wenn das Antrittsalter bleibe. Schuh: „Der Versicherte kann selbst entscheiden, ob er länger bleibt und damit eine höhere Pension bekommt.“ (sabl)




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