Letztes Update am Mo, 14.10.2013 14:23

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Monika Lindner geht als „freie“ Abgeordnete in den Nationalrat

Die Ex-ORF-Generaldirektorin hatte bei der Nationalratswahl auf der Liste des Team Stronach kandidiert, hat der neuen Partei aber bereits wenige Tage nach ihrer Nominierung die Gefolgschaft aufgekündigt.

© Thomas BöhmEx-ORF-Chefin Monika Lindner nimmt ihr Mandat doch an.



Von Wolfgang Sablatnig

Wien - Die frühere ORF-Generaldirektorin Monika Lindner (69) wird in den Nationalrat einziehen – und zwar als „freie“ Abgeordnete, wie sie im Gespräch mit der „Tiroler Tageszeitung“ bestätigte. Am Montag wollte die gebürtige Tirolerin die Bundeswahlbehörde und das Team Stronach von dieser Entscheidung informieren. Lindner hatte bei der Nationalratswahl auf der Liste des Team Stronach kandidiert, hat der neuen Partei aber bereits Tage nach ihrer Nominierung die Gefolgschaft aufgekündigt, nachdem der damalige Stronach-Klubchef Robert Lugar sie als „Speerspitze“ gegen den ORF und Raiffeisen bezeichnet hat.

Lindner galt auch in ihrer Amtszeit als ORF-Chefin als ÖVP-nahe. Dennoch habe sie nunmehr nicht bei der ÖVP angeklopft und um Aufnahme ersucht, betonte sie. Umgekehrt habe es auch seitens der Partei keine Bemühungen gegeben, sie in den schwarzen Klub zu holen. Lindner zur „TT“: „ So geht’s nicht, dass man ein Mandat nimmt und dann sagt Adieu und woanders hingeht. Das hielte ich nicht für sehr ehrenhaft. Aber als freie und unabhängige Mandatarin kann man ja jene Entscheidungen mittragen, die einem selbst wichtig sind und vernünftig erscheinen. Das können auch Anliegen des Team Stronach sein.“

„Schwierige Entscheidung“

Lindner räumte auch ein, dass ihr künftiges Mandat vom Team Stronach errungen worden sei: „Es war eine schwierige Entscheidung für mich, weil ich nicht auf unehrliche Weise ein Mandat an mich reißen wollte. Aber meine Rechtfertigung beziehe ich daraus, dass als freie Abgeordnete ja auch Anträge des Teams Stronach unterstützen kann, wenn ich sie für richtig halte.“

Mit der neuen Stronach-Klubchefin Kathrin Nachbaur habe sie vorige Woche ein Gespräch geführt, bestätigte Lindner. Sie habe dabei aber nicht zugesagt, das Mandat nicht anzunehmen: „Ich sagte, ich habe noch keine Entscheidung getroffen. Ich habe Nachbaur auch gesagt, dass ich das Mandat wenn dann als freie Abgeordnete annehmen. Und sie hat dann gemeint, dass sie das sehr enttäuschen würde. Das kann ich weiter nicht kommentieren.“

Der Einstieg in die Politik sei schon länger ihr Wunsch gewesen, berichtete Lindner. Sie habe das auch schon bald nach ihrem Ausscheiden aus dem ORF Ende 2006 bei der ÖVP deponiert – ohne Erfolg allerdings. Dann sei das Angebot von Frank Stronach gekommen. Und sie habe es nicht so machen wollen, wie viele andere Bürgerliche, dass nämlich viel kritisiert werde, letztlich aber kaum jemand bereit sei, sich zu engagieren. Das Programm des Team Stronach habe sie als Alternative gesehen, „um den Stillstand dieser zwei Großparteien“ zu beenden.

Nach den Aussagen Lugars, sie solle „Speerspitze“ gegen den ORF und Raiffeisen sein, habe sie aber nicht mehr mitkönnen: „Das hat mich existenziell beschädigt. Da ist mir ein Insiderwissen umgehängt worden, das ich gar nicht habe. Ich hatte bei Frank Stronach klargestellt, dass diese Institutionen, die mit Menschen zu tun haben, mit denen ich befreundet bin, von meiner politischen Tätigkeit ausgeschlossen sind.“

Aber sei da nicht naiv gewesen, wenn sie geglaubt habe, dass sie nicht instrumentalisiert werden soll? Lindner: „Ich kann nur sagen, das war so nicht abgesprochen. Und ich weiß, dass Frank Stronach das nicht tun würde. Er ist ein ehrenhafter Mann und verdient Respekt. Er hat einen ehrlichen Wunsch. Wie sich das dann entwickelt hat, ist eine andere Sache. Stronach war ja genauso entsetzt wie ich.“

„Freundschaftliches Verhältnis“ zu Pröll

Und wie ist jetzt ihr Verhältnis zum niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll und dem früheren Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad? „Das steht nicht zur Debatte. Das war immer ein freundschaftliches Verhältnis und hat nichts mit Politik zu tun.“

Lindner sieht ihren Einzug in den Nationalrat als „Nagelprobe“ für den Umgang mit freien Mandataren. Besonders einsetzen will sie sich für Reformen in den Bereichen Bildung, Steuern, Verwaltung, Forschung und Gesundheit. Es sei eine „Ehre und eine Verpflchtung, sich für Österreich einzusetzen, wenn man die Möglichkeit dazu hat“.