Letztes Update am Do, 15.05.2014 06:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EU-Wahl

Europa Anders: „Ein gemeinsames Europa ist Teil der Lösung“

Trotzdem ist für „Europa Anders“-Spitzenkandidat Martin Ehrenhauser die EU auch ein Teil des Problems. Sein Wahlbündnis will die EU deshalb fundamental reformieren.



Wien/Innsbruck – Als Student war Martin Ehrenhauser beim Liberalen Forum, später saß er für die Liste Martin im Europaparlament. Ein Streit mit Hans-Peter Martin führte zum Bruch mit dem ehemaligen Kollegen, heute steht Ehrenhauser als Spitzenkandidat der Liste „Europa Anders“ auf dem Wahlzettel. Soweit der politische Werdegang des gebürtigen Linzers, der von sich selbst sagt, ein „partizipativer, moderner Abgeordneter“ werden zu wollen.

Steckbrief Martin Ehrenhauser

Geboren am 18.9.1978 in Linz

Beruf: Koch, EU-Mandatar

Wohnort: Linz

Familienstand: verheiratet, drei Töchter

Lieblingsmusiker: Gregory Porter

Lieblingsbuch: „Postdemokratie“ von Colin Crouch

Hobbys: Kochen, Fußball

Beruflicher Werdegang:

Kochlehre; Praxis in Österreich, Malaysien, USA; betriebswirtschaftliches Studium an der Universität Linz (MBA); Studium der Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck und

Loughborough, England (Mag. phil)

Politischer Werdegang:

2005 - 2007 Bundesmandatar der Österreichischen Hochschülerschaft

2007 - 2009 Büroleiter des EU-Abgeordneten Hans-Peter Martin

seit 2009 Abgeordneter im Europäischen Parlament

Protest gegen Hypo-Milliarden

Bislang fiel Ehrenhauser im Wahlkampf vor allem durch Aktionismus auf. Aus Protest gegen die Bankenrettung verlegte er kurzerhand seinen Schlafplatz auf die Straße. Wegen den angekündigten Einsparungen im Bildungsbereich war Ehrenhauser aufgewühlt: „Ich wollte einfach irgendwas machen.“ Den Ausgang genommen hatte diese Aktion in der Pressestunde des ORF, die Ehrenhauser vor laufenden Kameras wütend verließ. Bis zur EU-Wahl werde er laut eigener Aussage nicht in seinem eigenen Bett schlafen, sondern weiter durch die Bundesländer ziehen und im Campingbus übernachten.

Ziele im EU-Parlament

Die Europäische Union sieht Ehrenhauser als Problem, aber auch Teil einer Lösung. Er möchte sie reformieren – und zwar so, dass sie ein „globales Steuerungselement für mehr Gerechtigkeit werden“ soll. Gelingen soll dies mit möglichst vielen Stimmen für sein Wahlbündnis aus der KPÖ, den Piraten und der Liste Wandel. Die EU müsse sich bei „den großen Gegenwartsfragen engagieren“, fordert Ehrenhauser. Dazu zähle vor allem die ungleiche Verteilung von Vermögen. Um das zu ändern, setze er sich etwa für europaweite Vermögens- und Erbschaftssteuern ein.

Basis einbeziehen

Um die Bürger und die Basis der Partei mehr in seine Arbeit als EU-Abgeordneter einzubeziehen, habe das Bündnis die gemeinsame Vision eines „modernen, partizipativen Abgeordneten“. So könnten etwa online „Meinungsbilder“ eingeholt werden und der Community die Möglichkeit gegeben werden, an Berichten und Abänderungsanträgen mitzuarbeiten oder eine Rede zu formulieren

Liste will zur Europäischen Linkspartei

Was seine Erfolgsaussichten betrifft, zeigt sich Ehrenhauser optimistisch. „Derzeit ist es möglich, dass wir einziehen, von dem gehe ich aus.“ Sollte das Bündnis den Einzug ins Europaparlament schaffen, will er sich der Europäischen Linkspartei anschließen. (APA, mats, tt.com)




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