Letztes Update am Di, 26.08.2014 21:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innenpolitik

ÖVP-Obmann Nummer 16 und Vizekanzler Nummer 19

Seit 2011 war Mitterlehner Vizeparteichef.

© APA/ROBERT JAEGERBlick in den Nationalrat-Sitzungssaal in Wien.



Wien – Reinhold Mitterlehner wird der 16. Obmann der Volkspartei seit 1945. Er wurde am Dienstagabend zum Nachfolger von Michael Spindelegger gekürt, der am selben Tag überraschend zurückgetreten war. Mitterlehner ist allein seit 2007, als Langzeit-Parteichef Wolfgang Schüssel den Hut genommen hatte, der vierte ÖVP-Chef.

Spindelegger hatte nach etwas über drei Jahren im Amt als ÖVP-Obmann das Handtuch geworfen. Im Mai 2011 war er die Nachfolge von Josef Pröll an der Spitze der ÖVP angetreten, nachdem sich dieser nach einer schweren Erkrankung von allen politischen Funktionen zurückgezogen hatte. Bei Spindeleggers Kür (mit 95,5 Prozent der Stimmen) am Parteitag am 20. Mai 2011 war Mitterlehner zum stellvertretenden Parteichef gewählt worden: 95,1 Prozent der Delegierten gaben ihm damals sein Votum.

Ex-Kanzler Schüssel war mit insgesamt zwölf Jahren (1995 bis 2007) längst dienender Chef. Die Volkspartei bekommt nun seit seinem Abgang 2007 schon den vierten Parteichef: Schüssels Nachfolger Wilhelm Molterer war nach dem Wahldesaster der ÖVP bei der Nationalratswahl im Herbst 2008 abgetreten und hatte an Pröll übergeben.

An der ÖVP-Spitze stand als erster für einige Monate Leopold Kunschak, der später Nationalratspräsident wurde. Ihm folgten Leopold Figl (1945-1952), Julius Raab (1952-1960), Alfons Gorbach (1960-1963), Josef Klaus (1963-1970) und Hermann Withalm (1970-1971). 1971 übernahm Karl Schleinzer die Parteiführung. Dieser verunglückte allerdings im Sommer 1975, die ÖVP bestellte Josef Taus, der schon 1971 im Gespräch war, zum neuen Obmann.

Nach verlorenen Wahlen in den Jahren 1975 und 1979 stellte sich Taus nicht mehr der Wiederkandidatur. Ihm folgte Alois Mock. Dieser wurde 1989 von Josef Riegler abgelöst, dessen Nachfolger war Erhard Busek. 1995 übernahm dann Rekordhalter Schüssel.

Vizekanzler Nummer 19

Mit Reinhold Mitterlehner (ÖVP) erhält die Zweite Republik ihren 19. Vizekanzler. Er folgt auf seinen Vorgänger als ÖVP-Obmann Michael Spindelegger nach, der am Dienstag überraschend zurückgetreten war.

Der Vizekanzler ist laut Verfassung zur Vertretung des Bundeskanzlers in dessen gesamtem Wirkungsbereich berufen. Er kann, muss aber nicht ein eigenes Ressort haben. Spindelegger war erst Außenminister, zuletzt Finanzminister; Mitterlehner ist Minister für Wirtschaft und Wissenschaft und dürfte dies nach derzeitigem Stand auch bleiben.

In der ersten großen Periode der Großen Koalitionen - von 1945 bis 1966 - war es nicht üblich, dass der Vizekanzler auch ein Ministerium führte. Dies änderte sich mit der ÖVP-Alleinregierung und blieb dann sowohl in den SPÖ-Alleinregierungen als auch in den danach folgenden Großen und Kleinen Koalitionen der Fall.

Am längsten übte die Funktion des Vizekanzlers bisher Adolf Schärf (SPÖ) aus, der zu Beginn der Zweiten Republik fast elfeinhalb Jahre neben zwei ÖVP-Kanzlern - Leopold Figl und Julius Raab - diente, ehe er im Mai 1957 Bundespräsident wurde. Sein Nachfolger und Parteikollege Bruno Pittermann blieb fast neun Jahre Vizekanzler. Auf Platz 3 steht bisher Rudolf Häuser (SPÖ) mit 6,5 Jahren. Seit seiner Ablöse 1976 blieb kein einziger Vizekanzler mehr als fünf Jahre auf seinem Posten.

Der zuletzt längst dienende war Wolfgang Schüssel (ÖVP), an dessen knapp fünf Jahre als Vizekanzler sich noch fast sieben Jahre als Kanzler anschlossen. Sein Nachfolger Wilhelm Molterer (ÖVP) kam auf knapp zwei Jahre, Josef Pröll (ÖVP) auf rund zweieinhalb Jahre. Spindelegger diente drei Jahre und vier Monate als stellvertretender Regierungschef.

Die ÖVP-Obmänner der Zweiten Republik im Überblick:

Leopold Kunschak 17.04.1945 - 08.09.1945

Leopold Figl 08.09.1945 - 29.01.1952

Julius Raab 29.01.1952 - 12.02.1960

Alfons Gorbach 12.02.1960 - 20.09.1963

Josef Klaus 20.09.1963 - 22.05.1970

Hermann Withalm 22.05.1970 - 04.06.1971

Karl Schleinzer 04.06.1971 - 19.07.1975

Josef Taus 31.07.1975 - 07.07.1979

Alois Mock 07.07.1979 - 19.05.1989

Josef Riegler 19.05.1989 - 28.06.1991

Erhard Busek 28.06.1991 - 22.04.1995

Wolfgang Schüssel 22.04.1995 - 21.04.2007

Wilhelm Molterer 21.04.2007 - 29.09.2008

Josef Pröll 28.11.2008 - 13.04.2011

Michael Spindelegger 20.05.2011 - 26.08.2014

Reinhold Mitterlehner mit 26. 08. 2014 gf. Obmann

Die Vizekanzler der Zweiten Republik:

Adolf Schärf (S) 20. 12. 1945 - 22. 05. 1957

Bruno Pittermann (S) 22. 05. 1957 - 19. 04. 1966

Fritz Bock (V) 19. 04. 1966 - 19. 01. 1968

Hermann Withalm (V) 19. 01. 1968 - 21. 04. 1970

Rudolf Häuser (S) 21. 04. 1970 - 30. 09. 1976

Hannes Androsch (S) 01. 10. 1976 - 20. 01. 1981

Fred Sinowatz (S) 20. 01. 1981 - 24. 05. 1983

Norbert Steger (F) 24. 05. 1983 - 21. 01. 1987

Alois Mock (V) 21. 01. 1987 - 24. 04. 1989

Josef Riegler (V) 24. 04. 1989 - 02. 07. 1991

Erhard Busek (V) 02. 07. 1991 - 04. 05. 1995

Wolfgang Schüssel (V) 04. 05. 1995 - 04. 02 .2000

Susanne Riess-Passer (F) 04. 02. 2000 - 28. 02. 2003

Herbert Haupt (F) 28. 02. 2003 - 21. 10. 2003

Hubert Gorbach (F/B) 21. 10. 2003 - 11. 01. 2007

Wilhelm Molterer (V) 11. 01. 2007 - 02. 12. 2008

Josef Pröll (V) 02. 12. 2008 - 21. 04. 2011

Michael Spindelegger (V) 21. 04. 2011 - 26. 08. 2014

Reinhold Mitterlehner (V) design. am 26. 08. 2014

(APA)