Letztes Update am Mo, 13.10.2014 12:08

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vorarlberg-Wahl

Ländle nicht mehr absolut schwarz, dafür grüner und ein bisschen pink

Die Vorarlberger Landtagswahl hat den erwarteten Verlust der absoluten Mehrheit der ÖVP gebracht. Wahlgewinner sind die Grünen, die massiv zulegen konnten und neben der FPÖ, die leichte Verluste verzeichnete, nun potenzielle Koalitionspartner der Volkspartei sind. Erstmals nur noch einstellig ist die SPÖ. Die NEOS blieben unter ihren Erwartungen, sind aber klar im Landtag drin.



Bregenz – Die Landtagswahl in Vorarlberg vom Sonntag hat der ÖVP den Verlust der absoluten Mehrheit gebracht. Sie erreichte 41,8 Prozent der Stimmen, ein Minus von 9 Prozentpunkten. Die NEOS schaffen bei ihrem ersten Antreten auf Anhieb 6,9 Prozent. Die Grünen legen mit 17,1 Prozent der Wählerstimmen deutlich zu (plus 6,7 Prozent).

Mit leichten Verlusten endete der Wahltag hingegen sowohl für FPÖ als auch SPÖ. Die Freiheitlichen erreichten 23,5 Prozent (-1,7), womit sie Platz zwei im Gesamtergebnis verteidigen konnten.

- APA

Wahrlich zum Zwerg wurde die SPÖ: Die Landtagswahl bescherte der Sozialdemokratie mit 8,8 Prozent (-1,2) das erste einstellige Ergebnis einer Bundes- oder Landeswahl in der Zweiten Republik. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos sprach von einem „schmerzlichen Ergebnis“, zufrieden könne man nicht sein. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) hat dem Vorarlberger Landesparteichef Michael Ritsch trotz Wahlschlappe sein Vertrauen ausgesprochen: „Ein Minus ist immer unangenehm“, so Faymann zum Wahlergebnis, „man wünscht sich bei einer Wahl ein Plus.“ Es sei mit einer zusätzlich antretenden Partei allerdings keine leichte Ausgangssituation gewesen.

Platter lobt Westachse, Felipe hofft auf Schwarz-Grün

Freuen dürfen sich vor allem die Grünen. Mit zwei zusätzlichen Sitzen waren die Grünen die einzigen, die ihre Mandatszahl vergrößern konnten. Der Grüne Spitzenkandidat Johannes Rauch interpretiert den Wahlerfolg seiner Partei als „klaren Auftrag“ für Schwarz-Grün. Das Plus seiner Partei sieht er als „sensationelles Ergebnis“ an einem „großartigen Tag“ für die Grünen. Auch Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig sprach von einem „wunderschönen Wahlerfolg“. Schwarz-Grün wäre für sie ein Schritt nach vorne, Schwarz-Blau hingegen ein Schritt zurück.

Mit wem die ÖVP aber nun koalieren wird, ließ Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) im Gespräch mit der APA offen, Gespräche sollen aber „möglichst zügig“ beginnen. Gesprochen wird in der Reihenfolge der Parteienstärke, also zunächst mit den Freiheitlichen. Allerdings machte Wallner auf Nachfragen auch klar, dass die Zugewinne der Grünen ein Signal des Wählers gewesen sein könnten: „Übersehen kann man das nicht“, meinte er zum Grünen Plus, das er für eine „reife Leistung“ hält.

Für den Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) bedeutete der Ausgang der Landtagswahl eine Stärkung der Westachse, diese „ist und bleibt das Bollwerk der ÖVP“. Höchst erfreut zeigten sich auch die Tiroler Grünen ob des Ergebnisses im Ländle: „Was in Tirol erfolgreich funktioniert, hat auch in Vorarlberg beste Aussichten auf Erfolg“, so LHstv. Ingrid Felipe.

NEOS sehen sich als Brecher der Absoluten

FPÖ-Spitzenkandidat Dieter Egger setzt jedenfalls weiter auf Schwarz-Blau. Die bürgerlichen Parteien, unter denen er ÖVP und FPÖ versteht, verfügten immer noch über einen Zuspruch von mehr als zwei Drittel. Dieses Signal müsse man ernst nehmen. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wertet das Ergebnis als „respektabel“. „Ein Plus ist natürlich immer besser als ein Minus. Das ist aber nur ein Ansporn, das nächste Mal einen noch intensiveren Wahlkampf zu führen“, so der Bundesparteiobmann in einer Aussendung.

Die NEOS sehen sich als Brecher der ÖVP-Absoluten. Bundesparteichef Matthias Strolz hält es für „eigentlich epochal“, dass erstmals seit 30 Jahren eine neue Kraft in den Landtag einzieht. Spitzenkandidatin Sabine Scheffknecht verwies darauf, dass zwei der drei Ziele der NEOS erreicht worden seien. Der Einzug sei geschafft und die „Absolute“ der ÖVP dahin. Die acht Prozent, mit denen der Klubstatus verbunden gewesen wäre, seien eben „sehr hoch“ gesteckt gewesen.

Der neue Bundes-ÖVP-Obmann Reinhold Mitterlehner hat das Abschneiden seiner Partei bei der Vorarlberg-Wahl als „respektables Ergebnis in einem herausforderndem Umfeld“ bezeichnet. Der Verlust der Absoluten sei „natürlich unerfreulich“, räumte er ein, doch solche Mehrheiten seien selten geworden und die ÖVP immer noch deutliche Nummer eins. (APA/tt.com)

Wahl-Splitter

Wählerstromanalyse. Die ÖVP hat bei der Landtagswahl am Sonntag in Vorarlberg am stärksten an FPÖ und Grüne verloren. Die NEOS konnten vor allem im Pool der Nichtwähler Unterstützer gewinnen. Die treuesten Wähler haben ÖVP und Grüne, geht aus der ORF/SORA-Wählerstromanalyse hervor. Die größten Verluste erlitt die ÖVP mit 10.000 und 9000 Stimmen Richtung FPÖ und Grüne. Je 3000 Stimmen gingen an SPÖ und NEOS, und 5000 ehemalige ÖVP-Wähler verweigerten die Wahl. Die FPÖ verlor 9000 Wähler an die Gruppe jener, die diesmal zu Hause blieben. Die Grünen holten jeweils 3000 Stimmen von der FPÖ und von den Nichtwählern sowie je 1000 von SPÖ und Sonstigen. Die NEOS holten sich 5000 Nichtwähler des Jahres 2009, 3000 Stimmen von der ÖVP sowie je 1000 von FPÖ und Grünen.

Wahlverhalten. Die FPÖ konnte vor allem jüngere Männer ansprechen, während die Grünen und SPÖ mehr weibliche Wähler haben. Bei den Männern bis 44 Jahre ist die FPÖ mit 46 Prozent Stimmanteil eindeutig stärkste Partei in Vorarlberg. Bei den Frauen in derselben Altersgruppe liegen die Grünen mit 35 Prozent vorne. Bei Wählern über 60 schnitt die ÖVP stark ab. Das geht aus der ORF/SORA/ISA-Wahltagsbefragung hervor. Menschen mit Matura oder höherer Ausbildung wählten in erster Linie ÖVP und Grüne.

Bundesrat. Die Landtagswahl in Vorarlberg hat keine Auswirkung auf die Sitzverteilung im Bundesland. Die ÖVP behält ihre zwei Vorarlberger Mandate, die FPÖ bleibt bei einem, sagte Werner Zögernitz, Leiter des Instituts für Parlamentarismus und Demokratiefragen am Sonntag. Alle anderen Parteien gehen weiter leer aus.

Überholt. Die Grünen überholten bei der Landtagswahl im Vergleich zur Wahl 2009 in vier Gemeinden die FPÖ und gleich 16-mal die Sozialdemokraten. Die NEOS, die insgesamt deutlich weniger Stimmen als die SPÖ gewannen, schnitten dennoch in mehr als der Hälfte aller Gemeinden besser ab als die SPÖ.




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