Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.11.2014


Exklusiv

Technisches Desaster: Polizei sucht ihre sensiblen Daten

In der Korruptionsbehörde und bei der Cobra steigt die Nervosität. Der Zugriff auf den Server mit den Ermittlungsdaten ist nicht möglich. Seit Oktober arbeiten EDV-Experten fieberhaft daran, wieder einen Zugang zu den höchst sensiblen Ermittlungsdaten zu bekommen.

Die Sondereinheiten der Polizei können nicht mehr auf Ermittlungsdaten zugreifen.

© iStock, picturedesk.com; MontageDie Sondereinheiten der Polizei können nicht mehr auf Ermittlungsdaten zugreifen.



Von Michael Sprenger

Wien – Es war der 25. Oktober. Seit diesem Tag herrscht im Innenministerium höchste Aufregung. Das Bundesamt für Korruptionsbekämpfung kann nicht mehr auf seine eigenen höchst sensiblen Ermittlungsdaten und Vernehmungsprotokolle zugreifen. Der Server ist seit Ende Oktober zu einem unüberwindbaren Hindernis geworden. Und weil die Daten der Korruptionsbekämpfer nicht schon genug wären, liegen auf dem Server auch noch die sensiblen Daten der Direktion für Spezialeinheiten. Also die Ermittlungsakten der Observationseinheiten des Bundeskriminalamts und des Verfassungsschutzes sowie die Daten der Sondereinheit Cobra.

Im Innenministerium selbst versucht man zu beruhigen. Es handelt sich um keinen Hackerangriff, die Daten sind auch alle noch vorhanden. Es sei eben so wie bei einem Tresor. Der Inhalt liegt im Safe, aber der Schlüsselcode ist abhanden gekommen oder funktioniert nicht mehr.

Ein Informant aus dem Innenministerium teilte der Tiroler Tageszeitung mit, dass die EDV-Techniker aus dem Innenministerium jetzt Hilfe aus den USA bekommen. Ein Experte der Herstellerfirma wird bereits für dieses Wochenende in Wien erwartet. Dieser Information widerspricht Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Innenministeriums. „Wir arbeiten mit unseren Experten im Hause – allerdings in Absprache mit der Herstellerfirma – an der Behebung dieses technischen Problems.“ Um welche Herstellerfirma handelt es sich? „Kein Kommentar.“ Wann wird der Zugang zu den Daten wieder möglich sein? „Wir arbeiten dran.“ Aber die höchst sensiblen Daten sind noch vorhanden? „Ja, davon gehen wir aus.“

Grundböck versicherte zudem, dass die Ermittlungsarbeiten durch dieses massive Serverproblem nicht behindert werden. Gilt das auch für die Korruptionsstaatsanwaltschaft, die ja sehr eng mit dem Bundesamt für Korruptionsbekämpfung zusammenarbeitet? Ein Anruf in der Korruptionsstaatsanwaltschaft löste Schweigen aus. Man höre von diesem Serverproblem das erste Mal, man wurde nicht informiert.

Im Innenministerium, so der Mitarbeiter aus dem Haus in der Wiener Herrengasse, weiß man schon lange um das Problem der Überlastung des Servers. Immer wieder wurde von der Notwendigkeit eines Backup-Systems gesprochen. Doch zwischen den Abteilungen wurde der Ball hin- und hergeschoben, wer denn die Investitionskosten zu tragen habe. Von 30.000 Euro war die Rede, sagte ein Insider der Tiroler Tageszeitung.


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