Letztes Update am Fr, 30.01.2015 11:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Burschenschafter-Treffen

Akademikerball: Demonstranten gegen „rechte Plattform“

Am Freitagabend wird Wien teilweise zur Sperrzone. In der Hofburg treffen sich unter der Schirmherrschaft der Freiheitlichen Burschenschafter aus ganz Europa. Für die Befürworter ist das Treffen eine harmlose Ballnacht, für die Gegner eine Plattform für die Koordination „menschenverachtender Politik“.

© APADer Akademikerball ruft traditionell Tausende Demonstranten auf den Plan (im Bild 2013). Im Vorjahr waren die Proteste eskaliert.



Wien – Bereits in den vergangenen Jahren füllte der Akademikerball in der Wiener Hofburg und die Proteste dagegen die Schlagzeilen – nicht nur in Österreich. Der ehemals als Ball des „Wiener Korporationsringes“ (WKR-Ball) bekannte Festakt ruft seit Jahrzehnten deutschnationale Burschenschafter aus Österreich und Deutschland zusammen.

Die Zeit schreibt von einem Treffen von „ultrakonservativen und teils rechtsextremen“ Burschenschaften. 2013 sollte der Ball aus der Hofburg verschwinden, die FPÖ sprang jedoch ein und veranstaltet seither den Ball unter dem neuen Namen „Akademikerball“. Die Betreibergesellschaft argumentiert, die Räumlichkeiten der Hofburg stünden jeder im Parlament vertretenen Partei offen.

FPÖ: Gewalt „gegen Andersdenkende“

Die FPÖ wurde im Vorfeld nicht müde zu betonen, dass es sich um eine harmlose Ballnacht handle. Man wolle „nur tanzen“, versicherte etwa der FPÖ-Abgeordnete Reinhard E. Bösch zuletzt im TT-Streitgespräch mit Sebastian Kugler von der „Offensive gegen rechts“. Die Proteste der Ballgegner hingegen werden von der FPÖ oft als pauschal gewalttätig dargestellt. „Sie sprechen politisch Andersdenkenden, in diesem Falle uns Freiheitlichen, das Lebensrecht ab“, so Bösch in dem Streitgespräch in Richtung des Demonstranten.

Öl ins Feuer goss auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. „Am nächsten Freitag werden die Stiefeltruppen der SA (Sozialistische Antifa) wieder durch Wien marschieren“, postete Strache auf seiner Facebook-Seite. Mit „SA“ wird im allgemeinen die „Sturmabteilung“ der Nationalsozialisten bezeichnet, eine paramilitärische Kampforganisation.

Interventionistische Linke: „Gemeinsam widersetzen“

Ganz anders sehen dies die Demonstranten. Die „interventionistische Linke“ (IL) etwa beschreibt die Veranstaltung in einer Aussendung so: Der „Ball dient der europäischen Rechten dazu, ihre menschenverachtende Politik der Ausgrenzung und des Rassismus in Zeiten der Krise zu koordinieren“. Die Initiative will mit ihrem Protest „auf jene beunruhigenden Tendenzen hinweisen, die die Grund- und Freiheitsrechte in Österreich zunehmend einschränken.“

Auch andere Initiativen werden demonstrieren. Bei der Veranstaltung „Jetzt Zeichen setzen“ am Heldenplatz etwa werden auch Holocaust-Überlebende teilnehmen. Die Veranstaltung wird unter anderem von ÖH, Grünen und SOS-Mitmensch unterstützt. Die grüne Bundessprecherin Eva Glawischnig riet am Donnerstag zur Teilnahme an dieser Demonstration als „friedliches, gewaltfreies Zeichen gegen den Burschenschafterball“.

Die „interventionistische Linke“ rief hingegen dazu auf, den Zugang zur Hofburg zu blockieren. „Widersetzen wir uns gemeinsam: bunt, entschlossen und gut gelaunt.“ Mit Gewalt will die Gruppe dennoch nichts zu tun haben: „Unsere Blockade soll bunt und kreativ sein. Von unserer Blockade wird keine Eskalation ausgehen“, betonen die Veranstalter.

„NOWKR“ darf nicht demonstrieren

Für Aufregung sorgte im Vorfeld das Demonstrationsverbot für ein anderes Bündnis, genannt „NOWKR“. Die Polizei begründete das Verbot der Demonstration damit, dass sich das Bündnis wiederholt geweigert hätte, sich von gewalttätigen Mitteln zu distanzieren. Laut „NOWKR“ ist dieser Grund nur „vorgeschoben“. Es ist damit zu rechnen, dass das Bündnis trotz Verbot auf die Straße gehen wird.

Insgesamt 14 Kundgebungen werden erlaubterweise stattfinden. Die Polizei wird mit mindestens 2.500 Beamten im Einsatz sein. Nach den Erfahrungen vom vergangenen Jahr, als der friedliche Protest von gewalttätigen Ausschreitungen überschattet wurde, befürchtet die Polizei heuer ähnliches. (mats, tt.com)