Letztes Update am So, 25.05.2014 13:52

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nahost-Konflikt

Papst lädt Abbas und Peres zu Friedensgebet in Vatikan ein

Papst Franziskus hat den israelischen Staatschef Shimon Peres und Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas zu einem gemeinsamen Gebetstreffen für den Frieden eingeladen.

Papst Franziskus hat bei einem Besuch in Bethlehem von Israel und den Palästinensern "Mut zum Frieden" gefordert.

© REUTERS/O'REILLYPapst Franziskus hat bei einem Besuch in Bethlehem von Israel und den Palästinensern "Mut zum Frieden" gefordert.



Ramallah, Bethlehem - Papst Franziskus hat am Sonntag in Bethlehem die Staatsspitzen von Israel und Palästina zu einem Friedensgebet in den Vatikan eingeladen. Er spreche die Einladung an Shimon Peres und Mahmoud Abbas (Abu Mazen) „an diesem Ort“ aus, „wo der Friedensfürst geboren wurde“, sagte der Papst laut Kathpress wörtlich.

Mithin wolle er hier die beiden Staatsoberhäupter auffordern, gemeinsam mit ihm „von Gott das Geschenk des Friedens zu erflehen“, sagte Franziskus zum Schluss seiner Messe in Bethlehem am Sonntag: „Ich biete mein Haus im Vatikan für dieses Gebetstreffen an“, fügte er hinzu.

„Mut zum Frieden“ verlangt

Franziskus hatte schon zuvor bei einer Begegnung mit Abbas an dessen Amtssitz „Mut zum Frieden“ von Palästinensern wie Israelis verlangt. Abbas wohnte auch dem Gottesdienst bei. Mit Peres trifft Franziskus am Montag zusammen.

Abbas tauschte mit Franziskus während der Messe auf dem Krippenplatz auch den Friedensgruß aus. Nachdem der Papst mit den Gläubigen das Vaterunser gebetet hatte, stieg Abbas, der dem Islam angehört, die Stufen zum päpstlichen Altar hinauf, um dem Papst die Hand zu reichen. Zuvor hatte Franziskus den Friedensgruß mit den anderen Geistlichen am Alter ausgetauscht.

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Bereits der erste Tag der dreitägigen Nahost-Reise von Papst Franziskus wurde in den Medien der Region als Appell für Frieden und Koexistenz in der Region bewertet. Die Begegnung des Papstes mit syrischen und irakischen Flüchtlingen am Samstagabend in Bethanien sei ein emotionaler Appell des Papstes zur Beendigung der Konflikte im Nahen Osten gewesen, resümierte etwa die „Jordan Times“ (Sonntag). Während seiner Ansprache habe Franziskus die Liebe Jesu Christi zu den Verletzbaren geteilt.

Politische Dimension des Papstbesuches

Der israelische Nachrichtensender „i24 News“ betonte die unvermeidbare politische Dimension des Papstbesuches. Der Sender erinnerte an das Zusammentreffen von Theodor Herzl (1860-1904) mit Papst Pius X. (1903-1914) vor 110 Jahren und die vergeblichen Bemühungen Herzls, päpstliche Unterstützung für einen jüdischen Staat zu erhalten.

Papst Franziskus werde am Montag einen Kranz an Herzls Grab in Jerusalem niederlegen, so „i24 News“. Diese Geste sei vielleicht das „ultimative Symbol vatikanischer Akzeptanz Israels als Heimstätte des jüdischen Volkes“.

Gleichzeitig wertete der Sender den Besuch von Franziskus in Bethlehem und bei Palästinenserpräsident Abbas als „Anerkennung des Westjordanlandes als Staat des palästinensischen Volkes“. Damit gebe der Vatikan den Palästinensern etwas, das Israel energisch ablehne. (APA)