Letztes Update am So, 22.11.2015 13:37

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ukraine

Anschlag auf Strommasten führt zu totalem Netzausfall auf der Krim

Die Stromversorgung auf der Krim ist durch einen Anschlag unterbrochen. Die Wiederherstellung könne bis zu zwei Tage dauern, hieß es am Sonntag. Knapp zwei Millionen Menschen waren zunächst ohne Licht und Heizung.

Eine durch einen Anschlag zerstörter Strommasten auf der Halbinsel Krim.

© EPAEine durch einen Anschlag zerstörter Strommasten auf der Halbinsel Krim.



Sewastopol – In der Ukraine ist es auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim zu einem völligen „Blackout“ gekommen. Fast zwei Millionen Menschen waren zunächst ohne Licht und Heizung, wie die örtlichen Behörden am Sonntag mitteilten. Auslöser sei ein Anschlag auf Strommasten gewesen. Der Notstand wurde ausgerufen. Die Führung der Krim setzte einen Krisenstab ein.

Mit eigenen Kraftwerken sowie mit Gasturbinen und Dieselgeneratoren sei die Versorgung zumindest in größeren Städten teilweise wieder hergestellt worden, sagte Sprecher Michail Scheremet der Agentur Tass zufolge. Die Halbinsel könne jedoch bestenfalls die Hälfte ihres Strombedarfs selbst decken. Seit einer umstrittenen Volksabstimmung 2014 sieht sich die Krim als Teil Russlands, völkerrechtlich gehört sie jedoch weiter zur Ukraine, woher auch weiterhin rund 70 Prozent ihres Stromes kommen.

Seit mehr als zwei Monaten blockieren Krimtataren und ukrainische Aktivisten Warentransporte auf die Halbinsel und fordern von der Führung in Kiew das Kappen der Stromversorgung. Damit soll die Freilassung gefangener Ukrainer in Russland und das Ende von Einreiseverboten gegen krimtatarische Politiker erreicht werden. Russische Medien gaben am Sonntag ukrainischen Nationalisten die Schuld, für die Zerstörung der Strommasten.

Die Hochspannungsleitungen im Raum Cherson waren bereits beschädigt. Beim Versuch ukrainischer Sicherheitskräfte, Reparaturtrupps am Samstag Zugang zu den Masten zu verschaffen, hatten sich Nationalisten vom sogenannten Rechten Sektor ukrainischen Medienberichten zufolge Auseinandersetzungen mit paramilitärischer Polizei bei den Strommasten geliefert.

„Die Situation ist stabil und unter Kontrolle“, sagte Behördensprecher Scheremet auf der Krim. Der Strom würde aber vermutlich immer wieder für einige Stunden abgeschaltet. Bei Außentemperatur von plus 18 Grad Celsius in der Schwarzmeerregion bestehe keine große Gefahr durch abgeschaltete Heizungen. Die Brennstoffvorräte würden für mehrere Wochen reichen, hieß es.

Der ukrainische Energiekonzern Ukrenergo erklärte, zwei Strommasten seien in der Nacht auf Freitag offenbar mit Sprengsätzen oder durch Beschuss gefällt worden. Die Wiederherstellung der Versorgung könnte zwei Tage dauern. In den südukrainischen Gebieten Cherson und Mykolajiw seien 40 Prozent der Versorgung gefährdet, teilte das Energieministerium in Kiew mit. In zwei Kreisen sei der Strom ausgefallen. (APA/dpa/AFP/Reuters)