Letztes Update am Mi, 02.12.2015 14:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Akteure und ihre Ziele

Der Konflikt in Syrien als Flächenbrand: Wer wie mitmischt

Der Bürgerkrieg in Syrien ist längst zu einem internationalen Konflikt geworden. Spätestens mit den Terroranschlägen von Paris wurde er von der Terrormiliz IS (Daesh) in den Westen getragen. Als weiterer europäischer Staat griff Großbritannien mit Luftangriffe gegen die Extremisten in den Krieg ein. Eine Übersicht darüber, welche Akteure momentan in Syrien involviert sind.

In Syrien tobt Krieg.

© APA/EPA/STRIn Syrien tobt Krieg.



London – Das britische Parlament entschied am Mittwoch spätabends über Luftangriffe auf die Terrormiliz IS (Daesh) in Syrien. Auch erste Angriffe wurden mittlerweile geflogen, laut ersten Angaben auf Ölquellen der Terrormiliz. Damit soll den Extremisten die Finanzierung erschwert werden.

Damit greift auch Großbritannien in einen Konflikt ein, in dem zahlreiche Akteure beteiligt sind. Sowohl innerhalb als auch außerhalb Syriens. Während der Konflikt als Bürgerkrieg zwischen Rebellengruppen und den Truppen des Präsidenten Bashar al Assad begann, ist er mittlerweile deutlich unübersichtlicher. Verschiedene Rebellengruppen, die auch untereinander verfeindet sind, mischen mit – und von außerhalb sind zahlreiche Akteure direkt oder indirekt involviert. Der folgende Überblick soll helfen, die Kräfte im Blick zu behalten. Einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt er aufgrund der konfusen Lage jedoch nicht.

Syrische Armee und regierungstreue Milizen

Präsident Assad stützt sich vor allem auf seine Armee, die zwar personell und materiell große Verluste erlitten hat, den Kern des Staates und die Herrschaft des Präsidenten aber nach wie vor sichert.

Bashar al-Assad, syrischer Präsident.
Bashar al-Assad, syrischer Präsident.
- EPA/SANA

An ihrer Seite kämpfen lokale Milizen, die unter dem Dach der „Nationalen Verteidigungskräfte“ agieren. Sie werden von der Führung in Damaskus als verlässlicher eingeschätzt als einige Teile der Armee.

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Assads Truppen werden von der internationalen Gemeinschaft Giftgaseinsätze vorgeworfen, die Regierung in Damaskus hat dies wiederholt dementiert.

Anti-Assad-Rebellen

Gegen Assad kämpfen mehrere Rebellengruppen mit unterschiedlichen ideologischen und religiösen Zielen. Zu ihnen gehört die islamistische Nusra-Front, die als stärkste Gruppierung der Aufständischen eingeschätzt wird. Sie ist der syrische Ableger der Extremistenorganisation Al-Kaida. Viele ihrer Kämpfer sind Ausländer.

Die USA wollten Tausende syrische Rebellen für den Kampf gegen IS und Präsident Bashar al-Assad rüsten. Der Plan ging offenbar nicht auf.
Die USA wollten Tausende syrische Rebellen für den Kampf gegen IS und Präsident Bashar al-Assad rüsten. Der Plan ging offenbar nicht auf.
- Reuters

Die Nusra-Front kooperiert mit der salafistischen Gruppierung Ahrar al-Scham. Sie ist sehr einflussreich, obwohl ihre Führung bei einem Anschlag im September des vergangenen Jahres weitgehend ausgelöscht wurde. Einer der damals getöteten Anführer, Abu Chaled al-Suri, kämpfte an der Seite des Al-Kaida-Gründers Osama bin Laden.

Gegen Assads Herrschaft stellten sich zudem örtliche, eher säkulare Milizen, die als Freie Syrische Armee agieren. Einst gegründet von desertierten syrischen Offizieren hat sie aber keine zentrale Führungsstruktur. Die Kämpfer sind vor allem im Süden des Landes aktiv. Die Freie Syrische Armee spielt aber derzeit keine sehr große Rolle im Kampf gegen Assad.

Die Terrormiliz IS (Daesh)

Die Gruppe wurde von abtrünnigen Mitgliedern der Nusra-Front gebildet und vereinigte sich mit dem Al-Kaida-Ableger im Irak.

Anhänger der sunnitischen Terrorgruppe  IS (Daesh).
Anhänger der sunnitischen Terrorgruppe IS (Daesh).
- Reuters

Angeführt wird der IS (Daesh) von Abu Bakr al-Bagdadi, der in Syrien und dem Irak ein Kalifat ausrief, die besonders strenge Form eines Religionsstaates. Die Etablierung dieses Staates hat für den IS eine höhere Priorität als der Kampf gegen Assad. Zur Durchsetzung seiner Ziele kämpfte die Terrormiliz auch gegen die Anti-Assad-Rebellen und die Kurden in Syrien. Ihr haben sich zahlreiche ausländische Kämpfer angeschlossen, auch aus Österreich sind Menschen nach Syrien gereist.

Spätestens seit den Terroranschlägen in Paris, zu denen sich der IS (Daesh) bekannte, hat für den Westen der Kampf gegen die Terrormiliz höchste Priorität.

Kurdische Volksverteidigungseinheit YPG

Im Norden Syrien bekämpft die kurdische YPG den IS (Daesh). Ziel ist es, drei autonome kurdische Gebiete zu verteidigen, die seit Beginn des Konflikts bestehen. Die YPG hat sich als der einzige ernstzunehmende Partner der von den USA geführten Allianz im Kampf gegen die Terrormiliz erwiesen. Die Einheiten sind der bewaffnete Flügel der syrischen Kurdenpartei PYD, die mit der Kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden ist.

Akteure aus dem Ausland für Assad

Hilfe aus dem Ausland erhält Assad sowohl von Staaten als auch von Milizen. Die wichtigsten Verbündeten sind Russland und der Iran. Die russische Luftwaffe fliegt seit einigen Wochen Luftangriffe gegen syrische Rebellen und den IS. Außerdem sollen Soldaten russischer Spezialeinheiten in Syrien sein.

Russlands Präsident Wladimir Putin.
Russlands Präsident Wladimir Putin.
- RIA NOVOSTI POOL

Nach den Anschlägen von Paris wird daran gearbeitet, auch die Assad unterstützenden Staaten in die Koalition gegen den IS (Daesh) einzubauen. Bahnbrechende Fortschritte wurden jedoch noch nicht erzielt. Noch immer scheinen die Differenzen über die Rolle Assads zu groß zu sein.

Hilfe erhält die syrische Armee auch von Kämpfern der schiitischen Hisbollah-Miliz aus dem Libanon.

Akteure aus dem Ausland gegen Assad

Die syrischen Oppositionskräfte werden vor allem von den USA unterstützt. Lange Zeit konzentrierten sich diese auf die Ausbildung und Unterstützung der Anti-Assad-Rebellen. Die USA führen zudem eine Allianz mit europäischen und arabischen Staaten an, die mit Luftangriffen gegen den IS vorgeht. Nach den Terroranschlägen werden diese verstärkt.

US-Kampfjets fliegen Luftschläge gegen den IS. (Archivbild)
US-Kampfjets fliegen Luftschläge gegen den IS. (Archivbild)
- DOD/DVIDS

Allen voran drängt Frankreich auf einen härteren Einsatz gegen den IS, dem sich immer mehr Staaten anschließen. Deutschland schickt nun Truppen nach Syrien, es folgten andere Staaten wie Großbritannien. Selbst Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sprach erstmals offen über israelische Luftangriffe in Syrien, die bislang nicht bestätigt wurden. Einen groß angelegten Einsatz von Bodentruppen gegen den IS dürfte es – zumindest vorerst – jedoch nicht geben.

Auch arabische Golfstaaten haben Assad-Gegnern geholfen, vor allem der Ahrar al-Scham. Die Türkei unterstützt ebenfalls Assad-Gegner. Ihr wird vorgeworfen, zur Schwächung Assads auch dem IS (Daesh) geholfen zu haben. Die Regierung in Ankara bestreitet dies. (mats, tt.com/Reuters)

Die folgende Karte zeigt den Stand der kontrollierten Gebiete von Mitte September.
Die folgende Karte zeigt den Stand der kontrollierten Gebiete von Mitte September.
- APA