Letztes Update am So, 06.12.2015 11:41

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Jemen

Gouverneur im Jemen bei Anschlag getötet, IS bekennt sich

Erneut hat sich die Jihadistenmiliz zu einem Bombenanschlag bekannt, diesmal im jemenitischen Aden.

Das Auto wurde bei dem Anschlag völlig zerstört.

© EPADas Auto wurde bei dem Anschlag völlig zerstört.



Aden - Der Gouverneur der südjemenitischen Stadt Aden, Jaafar Saad, ist bei einem Anschlag getötet worden. Auch mehrere Leibwächter Saads seien bei der Explosion einer Autobombe am Sonntag in den Tod gerissen worden, teilten die Sicherheitskräfte und Augenzeugen mit. Zu dem Attentat bekannte sich die Jihadistenmiliz IS (Daesh). Aden ist der provisorische Sitz der international anerkannten jemenitischen Regierung, da die Hauptstadt Sanaa von den Houthi-Rebellen kontrolliert wird.

Genauer Hergang noch unklar

Wie der Chef der Sicherheitskräfte in Aden, General Mohamed Moussad, mitteilte, wurden Saad und mehrere seiner Leibwächter bei einem „Autobombenanschlag“ getötet. Zur Zahl der Getöteten machte er keine Angaben. Auch zu den Verantwortlichen oder möglichen Hintermännern des Anschlags äußerte er sich nicht.

Nach Angaben von Augenzeugen wurden durch den ferngezündeten Sprengsatz im Wohnviertel Tawahi mindestens zwei Leibwächter Saads getötet. Auf Fotos, die in Online-Netzwerken veröffentlicht wurden, war ein brennendes und völlig zerstörtes Auto zu sehen. In anderen Berichten war von einem Selbstmordattentäter die Rede, der sein Fahrzeug in den Konvoi des Politikers gerammt habe.

IS bekannte sich auf Twitter

Medienberichten zufolge war der Politiker zum Zeitpunkt der Detonation im Autokonvoi auf dem Weg in sein Büro. Bei der Attacke starben nach diesen Angaben auch sechs seiner Leibwächter.

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Der IS bekannte sich im Onlinedienst Twitter zu dem Anschlag. Die Jihadistenmiliz hatte sich Anfang Oktober bereits zu einem Attentat auf den provisorischen Sitz der jemenitischen Regierung in einem Hotel in Aden bekannt.

Bürgerkrieg seit mehr als einem Jahr

Im Jemen kämpfen seit September 2014 die Truppen von Präsident Abd-Rabbu Mansour Hadi gegen die schiitischen Houthi-Rebellen und deren Verbündete, die dem langjährigen Ex-Machthaber Ali Abdullah Saleh die Treue halten. Nachdem die Aufständischen im März auf die Küstenstadt Aden vorgerückt waren, floh Hadi nach Saudi-Arabien und bat das Königreich um Hilfe. Riad griff daraufhin an der Spitze einer arabischen Militärallianz mit Luftangriffen in den Konflikt ein.

Nach der Entsendung von Bodentruppen wurden die Houthi-Rebellen im Sommer aus Aden vertrieben, doch kontrollieren sie weiter die Hauptstadt Sanaa. Nach UNO-Angaben wurden in dem Konflikt seit März rund 5.700 Menschen getötet, fast die Hälfte der Opfer waren Zivilisten.

Im November kehrte Hadi aus dem saudi-arabischen Exil nach Aden zurück. Saad, ein enger Vertrauter des Präsidenten, war erst kürzlich zum Gouverneur ernannt worden.

Al-Kaida bislang sehr aktiv

Adens Stadtviertel Tawahi ist eine Hochburg der Islamistengruppe Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel (AQAP). Die Extremisten nutzen seit Monaten den Konflikt zwischen Regierungstruppen und Houthi-Rebellen, um ihre Macht in Aden und im gesamten Süden des Landes auszuweiten. Mit dem IS hat AQAP jedoch einen mächtigen Konkurrenten bekommen.

Nach Angaben von Bewohnern war es in Tawahi am Samstag zu Zusammenstößen zwischen Al-Kaida-Kämpfern und Militärpolizisten gekommen. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen gab es zudem zwei Attentate: In Al-Mansoura, einem anderen Stadtviertel von Aden, wurden der Präsident eines Anti-Terror-Gerichts und vier seiner Leibwächter von Bewaffneten getötet. Dem zweiten Attentat fiel ein Polizeioffizier zum Opfer. Zu beiden Angriffen hatte sich niemand bekannt.

Die Vereinten Nationen bemühen sich um eine politische Lösung des Konflikts zwischen Hadi und den Houthi. Der Präsident erklärte am Samstag, er sei bereit zu neuen Gesprächen, die nach Angaben saudi-arabischer Medien am 15. Dezember wieder aufgenommen werden sollen, vermutlich in Genf. Vorangegangene Versuche, unter UNO-Vermittlung eine politische Lösung zu erzielen, scheiterten angesichts anhaltender Kämpfe. (APA/AFP/Reuters/dpa)


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