Letztes Update am Fr, 11.12.2015 14:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Russland

Putin lässt Atomwaffen erneuern und befiehlt volle Härte in Syrien

Bei einem Treffen mit führenden Militärs in Moskau ordnete der russische Präsient die komplette Ausrüstung des Nukleararsenals mit neuen Waffen an. Seinen Truppen in Syrien befahl er „mit voller Härte“ zu agieren.

Wladimir Putin bei seiner Rede vor Russlands führenden Militärs in Moskau am Freitag.

© AFP/SPUTNIKWladimir Putin bei seiner Rede vor Russlands führenden Militärs in Moskau am Freitag.



Moskau/Damaskus - Russlands Staatschef Wladimir Putin hat den russischen Truppen in Syrien befohlen, fest entschlossen auf jegliche Bedrohungen zu reagieren. „Ich ordne an, mit aller Härte zu handeln“, sagte Putin am Freitag im russischen Fernsehen. „Sämtliche Ziele, die russische Einheiten oder Infrastruktur bedrohen, sollen umgehend zerstört werden“, fügte er hinzu.

Putin äußerte sich zwei Wochen nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe an der türkisch-syrischen Grenze, der zu einem tiefen Zerwürfnis zwischen Moskau und Ankara geführt hatte. Russland beschloss eine Reihe von Strafmaßnahmen gegen die Türkei. Ankara hatte den Abschuss damit begründet, dass der Jet türkischen Luftraum verletzt habe. Dies bestreitet Moskau.

Putin sagte nun, es sei „wichtig, mit jeder Regierung zusammenzuarbeiten, die wirklich an der Auslöschung der Terroristen interessiert ist“. Sowohl Russland als auch eine US-geführte internationale Militärallianz kämpfen in Syrien aus der Luft gegen die Jihadistenmiliz IS (Daesh). Der Westen wirft Moskau aber vor, vor allem die syrische Regierung zu stützen und auch moderate Aufständische anzugreifen.

Fast gesamtes Nukleararsenal in ständiger Kampfbereitschaft

Bei seinem Treffen mit führenden Militärs ordnete Putin auch die komplette Ausrüstung des Nukleararsenals mit neuen Waffen an. Die „nukleare Triade“ aus strategischen Bombern sowie land- und seegestützten Interkontinentalraketen habe für die russische Rüstungsindustrie weiter Vorrang.

Verteidigungsminister Sergej Schoigu zufolge befinden sich 95 Prozent des strategischen Nukleararsenals der Atommacht in ständiger Kampfbereitschaft. Im laufenden Jahr habe die Armee bereits 35 neue ballistische Raketen und 1172 moderne Panzer sowie Kurzstreckenraketen vom Typ Iskander erhalten, sagte Schoigu. Daneben hätten die Rüstungsbetriebe zehn strategische Tupolew-Bomber mit interkontinentaler Reichweite dem Militär übergeben - darunter die Tu-160, die als weltweit größtes Kampfflugzeug gilt. Nach Angaben des Ministers wurden auch die Atom-U- Boote „Alexander Newski“ und „Wladimir Monomach“ in Dienst gestellt.

Schoigu kritisierte eine Truppenverschiebung der NATO nach Osten. „Im Baltikum, in Polen und in Rumänien hat allein 2015 das Kontingent an Flugzeugen um das Achtfache und an Soldaten um das Dreizehnfache zugenommen“, sagte er. Zudem würden die USA eine Modernisierung ihrer etwa 200 Atombomben etwa in Deutschland und der Türkei planen.

Assad: Keine Verhandlungen mit „Terrorgruppen“

Syriens Präsident Bashar al-Assad hat indes erneut seine Bereitschaft erklärt, Gespräche mit der Opposition aufzunehmen. Er werde aber auf keinen Fall mit „Terrorgruppen“ verhandeln, sagte Assad in einem am Freitag veröffentlichten Interview der spanischen Nachrichtenagentur EFE. Der 50-Jährige betonte auch, er werde sein Land unter keinen Umständen verlassen.

Assad besteht darauf, der Bekämpfung der „Terroristen“ oberste Priorität einzuräumen. Allerdings stuft sein Regime praktisch alle ihre Gegner als „Terroristen“ ein. Nach einer Kapitulation der bewaffneten Rebellengruppen wolle er mit seinen Gegnern Gespräche aufnehmen - und zwar „mit einer wirklichen, nationalen und patriotischen Opposition, die ihre Wurzeln in Syrien hat und nur Beziehungen zu Syrern unterhält, und nicht zu irgendeinem anderen Staat oder Regime in der Welt“, wie er EFE sagte.

Der Bürgerkrieg hatte 2011 mit der brutalen Unterdrückung von Protesten gegen das Assad-Regime begonnen. Mehr als 250.000 Menschen kamen seither ums Leben. Nach Angaben der Vereinten Nationen gibt es mehr als 13 Millionen Vertriebene. Über die Hälfte aller Krankenhäuser, Schulen und Infrastrukturen seien zudem schon zerstört. (APA/dpa)