Letztes Update am Sa, 04.06.2016 08:13

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konflikte

UNO ringt mit Syrien um Zugang zu belagerten Städten

Die UNO überlegt, auf eine Luftbrücke auszuweichen, um der Bevölkerung in den belagerten Städten helfen zu können.

Präsident Bashar al-Assad hat sich mit dem Iran verbündet. Israel ist das ein Dorn im Auge.

© SANAPräsident Bashar al-Assad hat sich mit dem Iran verbündet. Israel ist das ein Dorn im Auge.



New York – Angesichts des erschwerten Zugangs humanitärer Helfer zu belagerten syrischen Gebieten wollen die Vereinten Nationen möglicherweise auf eine Luftbrücke ausweichen. Die UNO würde die syrische Regierung am Sonntag um die Genehmigung bitten, Hilfsgüter über belagerten Gebieten abzuwerfen, sagten Diplomaten am Freitag in New York.

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Die Entscheidung wurde während einer Sitzung im UNO-Sicherheitsrat hinter verschlossenen Türen getroffen. Zwar gewährte das Regime in Damaskus den Helfern Zugang zu zwölf belagerten Städten sowie eingeschränkten Zugang zu drei weiteren belagerten Gegenden. Fünf der insgesamt 34 Anfragen lehnte die syrische Regierung der UNO-Nothilfeorganisation OCHA zufolge aber ab, darunter zu den belagerten Orten Sabadani im Südwesten sowie zu Al-Waer, einem Stadtteil von Homs. In sechs Fällen genehmigte das Regime nur eingeschränkten Zugang für Hilfslieferungen.

Viele Ratsmitglieder hätten sich für Lieferungen aus der Luft ausgesprochen, sagte Frankreichs UNO-Botschafter Francois Delattre. Damaskus habe „zu spät zu wenig“ entschieden, sagte sein britischer Amtskollege Matthew Rycroft. Die Möglichkeiten, Güter wie Lebens- und Arzneimittel an die Betroffenen zu bringen, schrumpften, warnte UNO-Nothilfekoordinator Stephen O‘Brien in der Sitzung. Die einzig wirkliche Lösung sei, die Belagerungen komplett zu beenden.

Die Kämpfe in dem Bürgerkriegsland gingen am Freitag weiter, bei Luftangriffen auf Rebellengebiete im nordsyrischen Aleppo wurden nach Angaben von Menschenrechtlern mindestens 28 Zivilisten getötet. Auf einer Versorgungsstraße sei ein Bus getroffen worden, acht Insassen seien getötet worden, berichtete die oppositionsnahe „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“. Als einzige Nachschubroute für die Rebellen hat die Straße in der umkämpften Stadt große Bedeutung.

Die insgesamt wenigstens 18 Luftangriffe trafen seit der Früh verschiedene Stadtteile. Im Internet kursierende Videos zeigten zerstörte Gebäude und Opfer, die aus dem Schutt gezogen wurden. Es konnte zunächst nicht zweifelsfrei bestätigt werden, ob die Bilder am Freitag aufgenommen worden waren. Die Beobachtungsstelle vermutet hinter den Angriffen Kampfjets der Regierung.

Aleppo gilt als das wichtigste Schlachtfeld in dem seit mehr als fünf Jahre andauernden Konflikt. Die Stadt wird teilweise von Einheiten von Präsident Bashar al-Assad, teils von Rebellengruppen kontrolliert. (APA/dpa)