Letztes Update am Mo, 22.08.2016 13:38

DPA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Türkei

Bub für Anschlag auf Hochzeitsfeier benutzt, viele Kinder unter Toten

Auf einem Video ist zu sehen, wie der zwölf bis 14 Jahre alte Bursche von zwei Personen zum Tatort in Gaziantep begleitet wurde. Mindestens 54 Menschen wurden bei dem Anschlag getötet, darunter 29 Kinder und Jugendliche.

Wut, Verzweiflung und tiefe Trauer in Gaziantep: 29 der Toten waren Kinder und Jugendliche.

© X02255Wut, Verzweiflung und tiefe Trauer in Gaziantep: 29 der Toten waren Kinder und Jugendliche.



Istanbul – Die meisten Opfer des Anschlags von Gaziantep sind nach Angaben der Behörden Kinder und Jugendliche. 29 von 44 identifizierten Toten seien unter 18 Jahre alt, berichteten türkische Nachrichtensender am Montag. Insgesamt waren bei dem Anschlag auf eine kurdische Hochzeitsfeier in der südosttürkischen Stadt mindestens 54 Menschen ermordet worden.

Noch immer würden 66 Verletzte in verschiedenen Krankenhäusern der Stadt behandelt. 14 von ihnen seien schwer verletzt. Bekannt hat sich bisher niemand zu dem Blutbad. Für den Anschlag soll ein zwölf bis 14 Jahre altes Kind benutzt worden sein.

Bub von zwei Männern zum Tatort begleitet

Die türkische Zeitung Hürriyet berichtete am Montag, auf Überwachungskameras in Gaziantep sei zu sehen, dass das Kind von zwei Personen begleitet worden sei. Sie hätten sich entfernt, bevor die Bombe detonierte. Die Identität des Kindes, das den Sprengstoffgürtel trug, habe bisher nicht festgestellt werden können.

Der Chef der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP, Selahattin Demirtas, sagte, das Ziel seien Kurden und der Bräutigam, ein HDP-Mitglied, gewesen. Nach Medienberichten überlebten Braut und Bräutigam verletzt. Im Beybahce-Viertel der Millionenstadt wohnen viele aus den Südostprovinzen zugezogene Kurden. Der Anschlag war bei den Feierlichkeiten auf offener Straße verübt worden.

Türkei will Grenzregion vom IS „säubern“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan äußerte die Überzeugung, dass der Anschlag von der Terrormiliz IS (Daesh) verübt wurde. Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte, dass die Grenzregion zu Syrien komplett vom IS „gesäubert“ werden müsse. Die Türkei werde weiterhin den Kampf gegen die Extremisten unterstützen.

Die türkische Regierung hatte den IS in der Vergangenheit für zahlreiche Anschläge im Land verantwortlich gemacht. Mehrmals waren offenbar Kurden das Ziel. Der IS bekannte sich jedoch zu keinem der Bombenattentate in der Türkei. Die Terrormiliz übernahm dagegen in der Vergangenheit die Verantwortung für Morde an syrischen Oppositionellen in Gaziantep. Die gleichnamige Provinz grenzt an das Bürgerkriegsland Syrien. Auf der syrischen Seite kontrolliert der IS ein großes Gebiet.

Erdogan verurteilte den Anschlag und sagte, in der Vergangenheit sei die Polizei schon gegen IS-Zellen in Gaziantep vorgegangen. Er kündigte an: „Natürlich werden unsere dortigen Sicherheitskräfte diese Einsätze noch intensiver fortsetzen.“

Erdogan sagte, die Urheber des Anschlags versuchten, das Volk gegeneinander aufzubringen, indem sie „ethnische und religiöse Empfindlichkeiten“ für ihre Zwecke nutzten. Damit hätten sie keinen Erfolg. Er machte dabei keinen Unterschied zwischen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen und dem IS.

EU, USA und Nato versprechen Solidarität

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte das Terrorattentat. Er sprach den Familien der Opfer sein tiefstes Beileid aus und sandte den Verletzten Genesungswünsche. Er hoffe, dass die Hintermänner des Anschlags schnell identifiziert werden können und vor Gericht gestellt werden, wie die Weltorganisation am Sonntag in New York mitteilte.

Die EU-Kommission und die Nato sicherten der Regierung in Ankara am Sonntag Solidarität zu. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte in Brüssel: „Wir stehen in dieser schwierigen Zeit in Solidarität vereint mit unseren türkischen Verbündeten.“

Die US-Regierung nannte die Tat barbarisch. „Wir stehen bei der Verteidigung der Demokratie gegen alle Arten von Terrorismus an der Seite des türkischen Volkes“, erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Ned Price. (TT.com, APAdpa)