Letztes Update am Mo, 22.08.2016 16:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kirkuk

Vater soll Sohn Auftrag für Selbstmordanschlag gegeben haben

Dem Burschen zufolge hatte sich bereits sein Bruder bei einem Selbstmordanschlag in die Luft gesprengt.

Polizisten halten den Jungen fest. Um die Hüfte trägt er einen Sprengstoffgürtel, den zwei weitere Männer entfernen.

© X03748Polizisten halten den Jungen fest. Um die Hüfte trägt er einen Sprengstoffgürtel, den zwei weitere Männer entfernen.



Kirkuk – Ein Bericht einer irakischen Nachrichtenagentur zeigt: Immer häufiger werden Kinder als Selbstmordattentäter eingesetzt. Unmittelbar nach dem Selbstmordanschlag in der Türkei, den ein Kind verübt haben soll, spielten sich im irakischen Kirkuk dramatische Szenen ab. Irakisch-kurdische Sicherheitskräfte nahmen am Sonntag einen Buben fest, der laut Agenturberichten unter einem Barcelona-Fußballtrikot einen Sprengstoffgürtel trug.

Dem Sender zufolge hielten sie ihn mehr als 20 Minuten an den Armen fest, bis ein weiterer Uniformierter die Bombe entschärfen konnte. Das Alter des jungen Mannes wird nicht angegeben. Er dürfte aber nicht älter als 14 oder 15 Jahre alt sein. Der Nachrichtenagentur Rudaw zufolge sollte er einen Anschlag auf eine schiitische Moschee verüben.

Vom Vater zum Attentat beauftragt

Bei der Polizei habe der Bub ausgesagt, sein Vater habe ihm den Auftrag für das Attentat gegeben, meldete der Sender weiter. Dem Burschen zufolge hatte sich bereits sein Bruder bei einem Selbstmordanschlag in Kirkuk in die Luft gesprengt.

Auf Bildern der Nachrichtenagentur Reuters und auf einem Video ist zu sehen, wie die Sicherheitskräfte dem Jungen den Gürtel abnehmen. Angaben der kurdischen Nachrichtenagentur Rudaw zu Folge wurde die Sprengladung danach zur kontrollierten Detonation gebracht. Wie Rudaw berichtet, konnten zwei weitere Selbstmordanschläge am selben Tag nicht verhindert werden. Bei einem Schrein in der kurdischen Stadt verletzte ein Attentäter drei Menschen, bei der zweiten Attacke wurden keine Verletzten gemeldet.

Kinder als „lebende Bomben“

Zwar ist über eine Bekennerschaft zu den Anschlägen bis dato nichts bekannt. Doch man weiß, dass die Terrormiliz eine Jugendorganisation aufgebaut hat, die in eigenen „Schulen“ Kinder mit ihrer extremistischen Interpretation des Islams indoktriniert. Dabei werden sie auch Gewaltakten ausgesetzt; IS-Propagandavideos haben Jungen bei Enthauptungen und Erschießungen gezeigt - als Täter.

Sowohl im Irak als auch Syrien wurden vom IS Kinder als Selbstmordattentäter eingesetzt. Einer der tödlichsten Anschläge mit einem vermutlich jugendlichen Attentäter wurde im März bei einem Fußballturnier in der Nähe von Bagdad verübt. Dabei wurden 29 Menschen getötet und 60 weitere verwundet, als die Bombe während der Siegerehrung gezündet wurde. Der IS übernahm die Verantwortung für den Anschlag und veröffentlichte ein Foto des von ihm als Attentäter bezeichneten Jugendlichen, der darauf nicht älter als 16 Jahre wirkte. (APA, TT.com, Reuters)