Letztes Update am Sa, 27.08.2016 21:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bürgerkrieg in Syrien

Erste Gefechte zwischen Türken und Kurden in Syrien

Türkische Panzer und von der Türkei unterstützte syrische Rebellen stießen nahe Jarablus mit Kämpfern des SDF-Bündnisses zusammen, das von Kurden angeführt wird.

Türkische Panzer nahmen an der Grenze mit Syrien Stellung.

© APA/AFP/BULENT KILICTürkische Panzer nahmen an der Grenze mit Syrien Stellung.



Damaskus - Der Konflikt zwischen der türkischen Armee und den Kurden im Norden Syriens spitzt sich zu. Von der Türkei unterstützte syrische Rebellen stießen am Samstag nach eigenen Angaben mit Kämpfern des von Kurden angeführten Militärbündnisses Demokratische Kräfte Syriens (SDF) zusammen.

Die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ meldete, auch türkische Panzer seien an den Kämpfen beteiligt. Es waren demnach die ersten direkten Zusammenstöße zwischen der türkischen Armee und den von Kurden angeführten Kräften.

Bei einem Raketenangriff auf zwei türkische Panzer wurde dabei ein türkischer Soldat getötet, drei weitere wurden verletzt. Nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Dogan und des Senders NTV wurden die Panzer am Samstag in der Nähe des Grenzorts Jarablus getroffen. Laut der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu wurden die Raketen von Kämpfern der kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) abgefeuert.

Angriffe von türkischer Luftwaffe und Artillerie

Auch ein Kurdensprecher berichtete von heftigen Gefechten in der Nähe des Ortes Tel al-Amarna rund acht Kilometer südlich der Grenzstadt Jarablus. Türkische Jets und Artillerie hatten die Region zuvor angegriffen, wie die „Beobachtungsstelle“ weiter berichtete.

Die in Großbritannien ansässige „Beobachtungsstelle“ stützt sich auf ein dichtes Netz von Informanten. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite aber kaum zu überprüfen.

Von internationaler Koalition unterstütztes Bündnis

Bei den Demokratischen Kräften Syriens handelt es sich um ein von der YPG angeführtes Bündnis, das vor allem die Terrormiliz IS (Daesh) bekämpft. Unterstützt wird es dabei von Luftangriffen der US-geführten internationalen Koalition.

Die Türkei fordert, dass sich die Kurden aus der Region um Jarablus auf ein Gebiet östlich des Flusses Euphrat zurückziehen. Die türkische Armee und syrische Rebellen hatten den Grenzort in dieser Woche bei einer Militäroperation vom IS eingenommen. Die Rebellen rückten anschließend weiter Richtung Süden vor.

Türken gehen gegen IS und Kurden vor

Die erste türkische Bodenoffensive in Syrien seit Ausbruch des Bürgerkriegs vor mehr als fünf Jahren richtet sich gegen den IS und die YPG. Die Kurden kontrollieren bereits große Gebiete an der Grenze zur Türkei und haben dort eine Selbstverwaltung errichtet.

Die türkische Regierung will verhindern, dass die Kurden noch mehr Gebiete unter ihre Kontrolle bringen. Sie befürchtet Auswirkungen auf die kurdische Autonomiebestrebungen im eigenen Land. Die Kurdenpartei PYD und die Miliz YPG sind eng mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden, die von der Türkei als Terrororganisation eingestuft wird.

Weiter östlich überquerten türkische Panzer bei der Stadt Kobane die Grenze. Sie begleiteten Baumaschinen, die auf syrischem Boden begannen, einen Graben auszuheben, wie ein Kurdensprecher berichtete. Die Türkei wolle eine Blockade über die Region verhängen. (APA/dpa)