Letztes Update am Di, 17.01.2017 10:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Anschlag auf Nachtclub

Türkei bestätigt Festnahme des mutmaßlichen Istanbul-Attentäters

Ein verdächtiger Usbeke wurde in einer Wohnung in Istanbul aufgespürt. Er soll vor zwei Wochen in einen Club in Istanbul eingedrungen sein und ein Blutbad angerichtet haben – 39 Menschen starben in der Silvesternacht.

Polizisten vor dem "Reina", wo im Dezember 39 Menschen getötet wurden.

© AFPPolizisten vor dem "Reina", wo im Dezember 39 Menschen getötet wurden.



Istanbul - Die türkischen Behörden haben die Festnahme des mutmaßlichen Attentäters von Istanbul bestätigt. Die landesweite Fahndung habe zwei Wochen nach dem Anschlag auf den Nachtclub in der Silvesternacht zur Verhaftung des Schützen geführt, sagte Ministerpräsident Binali Yildirim am Dienstag. Der Mann stamme aus Usbekistan, teilte der Gouverneur von Istanbul, Vasip Sahin, weiter mit.

Der Festgenommene habe die Tat gestanden und eindeutig im Auftrag der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) gehandelt. Bei dem Anschlag auf den Promi-Nachtclub "Reina" sind 39 Menschen getötet worden. "Er wurde in Afghanistan ausgebildet und spricht vier Sprachen. Er ist ein gut trainierter Terrorist", sagte Sahin.

An dem Einsatz waren demnach rund 2.000 Polizisten sowie Mitarbeiter des türkischen Geheimdiensts MIT beteiligt. Insgesamt seien seit dem Attentat vor gut zwei Wochen mehr als 150 Adressen durchsucht und 50 Verdächtige festgenommen worden. Laut Sahin wurden in der Wohnung in Esenyurt 197.000 Dollar (185.000 Euro) sowie zwei Waffen und Magazine beschlagnahmte.

Der Istanbuler Gouverneur dementierte Medienberichte, wonach der vierjährige Sohn des Verdächtigen mit in der Wohnung gewesen sei. Sahin sagte auch, der Verdächtige sei "illegal in die Türkei" über die östliche Grenze eingereist.

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Zusammen mit Mascharipow wurden drei Frauen aus Ägypten, Senegal und Somalia festgenommen sowie ein Kirgise, in dessen Wohnung der mutmaßliche Attentäter lebte. Türkische Medien veröffentlichten Bilder, auf denen er mit Blut im Gesicht und auf dem T-Shirt zu sehen war, während ein Polizist ihn am Hals packt. Das Fernsehen zeigte, wie er mit gebeugtem Kopf abgeführt wurde.

Zu dem Anschlag auf den schicken Nachtclub am Bosporus mit 39 Toten hatte sich die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannt. Es war das erste Mal, dass sich die Extremistengruppe zu einem großen Anschlag in der Türkei bekannte, auch wenn ihr bereits mehrere Attentate zugeschrieben worden waren. Es ist auch sehr selten, dass ein IS-Attentäter lebend gefasst wird.

Türkischen Medienberichten zufolge wurde Mascharipow bereits seit drei Tagen observiert, doch hätten die Sicherheitskräfte mit dem Zugriff abgewartet, um mögliche Komplizen zu identifizieren. Der Attentäter soll zuvor für den IS in Syrien gekämpft haben und bei dem Anschlag, bei dem vor allem arabische Touristen getötet worden waren, daher sehr professionell vorgegangen sein. (APA/Reuters/AFP)