Letztes Update am Sa, 24.06.2017 08:19

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Golfemirat

Arabische Staaten stellen Katar ultimative Forderungen

Katar hat den Erhalt einer Forderungsliste von Saudi-Arabien und anderen Blockadestaaten bestätigt.

Die Skyline der katarischen Hauptstadt Doha.

© REUTERSDie Skyline der katarischen Hauptstadt Doha.



Dubai – Vier arabische Staaten haben Katar ihre Bedingungen für ein Ende ihres Boykotts übermittelt. Innerhalb von zehn Tagen müsse das Golf-Emirat 13 Forderungen erfüllen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag von einem Vertreter der Gruppe um Saudi-Arabien. So müsse Doha den Fernsehsender Al-Jazeera schließen und die Verbindungen zum Iran einschränken, dem Erzfeind Saudi-Arabiens.

Katar teilte mit, man halte die Forderungen für nicht realistisch. Das Emirat hatte unlängst erklärt, es werde nicht mit den Staaten verhandeln, solange die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen unterbrochen seien. Diese hatten Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate mit der Begründung gekappt, Katar unterstütze Terroristen. Die Regierung in Doha weist den Vorwurf zurück.

Länder verlangen Reparationszahlungen

Ein Vertreter eines der vier Länder sagte Reuters, nach Ablauf der Frist sei das Verhandlungsangebot hinfällig. Katar soll den Forderungen zufolge umgehend einen türkischen Militärstützpunkt auf seinem Territorium und seine Vertretungen im Iran schließen. Das Emirat soll sich nicht länger in innenpolitische Angelegenheiten der Boykott-Staaten einmischen und Bürgern von dort seine Staatsangehörigkeit gewähren. Für etwaigen Schaden durch seine Politik soll Katar den vier Ländern Reparationen zahlen. Sie verlangen von der Regierung Katars auch, ihre Beziehungen zu Extremistenorganisationen wie der Muslimbruderschaft, dem IS (Daesh), Al-Kaida und der Hisbollah abzubrechen. Zudem müsse das Land sämtliche bekannten Terroristen ausliefern.

Der Sender Al-Jazeera bezeichnete die Forderung nach seiner Schließung als „nichts anderes als den Versuch, die Freiheit der Meinungsäußerung in der Region zum Schweigen zu bringen“. Al-Jazeera werde sein Recht, professionellen Journalismus zu betreiben, weiter ausüben, ohne sich dem Druck irgendeiner Regierung oder Autorität zu beugen. Der Sender rief die Regierungen auf, die Pressefreiheit zu respektieren.

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Forderung erzürnt auch Türkei

Das nach Fläche und Einwohnerzahl vergleichsweise kleine Emirat hatte in den vergangenen 20 Jahren mitunter den Zorn seiner Nachbarn auf sich gezogen, indem es Verbindungen zur Regierung in Teheran unterhielt, islamistische Gruppen unterstützte und dabei die diplomatische Bühne suchte. Gerade Monarchien am Golf fürchten aber islamistische Strömungen als Bedrohung ihrer Herrschaft. Anfang Juni eskalierte der Streit zur größten Krise am Golf seit Jahren, als die vier arabischen Länder ihre wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen zu Katar abbrachen und Reiseverbindungen kappten.

Katars Außenminister Mohammed bin Abdulrahman al-Thani hatte am Montag Verhandlungen so lange ausgeschlossen, wie die Isolation aufrechterhalten werde. Unterstützt wird Katar nicht nur vom schiitischen Iran, der mit dem sunnitischen Saudi-Arabien um die Vorherrschaft in der Region ringt. Auch die Türkei steht auf der Seite des Emirats. Unlängst schickte das NATO-Land ein Schiff mit Hilfslieferungen sowie einige weitere Soldaten nach Katar.

Die Forderung, die Militärbasis in Katar zu schließen, stieß in Ankara auf Widerstand. Verteidigungsminister Fikri Isik erklärte im Fernsehen, der Stützpunkt stehe nicht zur Diskussion. Die Einrichtung diene nicht nur der Sicherheit Katars, sondern der gesamten Region. Jede Forderung, die Anlage zu schließen, sei eine Einmischung in die bilateralen Beziehungen der Türkei mit Katar. Andererseits strebt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan selbst eine Vermittlerrolle in der Region in der Katar-Krise an. Nach Informationen aus seinem Präsidialamt will er beim G20-Gipfel in Hamburg mit König Salman aus Saudi-Arabien über den Streit beraten. (APA/Reuters)