Letztes Update am Di, 04.07.2017 09:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neue Eskalationsstufe

Nordkorea will Interkontinental-Rakete getestet haben


Der Streit um Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm ist einer der gefährlichsten Konflikte weltweit. Jetzt demonstriert die Diktatur militärische Stärke und startet eine Interkontinentalrakete. US-Präsident Donald Trump spottete auf Twitter über Kim Jong-un und wandte sich an China.

Ein südkoreanischer TV-Sender berichtet über den erneuten Raketenabschuss.

© REUTERSEin südkoreanischer TV-Sender berichtet über den erneuten Raketenabschuss.



Pjöngjang — Nordkorea hat nach eigenen Angaben erstmals erfolgreich eine Interkontinentalrakete (ICBM) getestet. Die Rakete des Typs Hwasong-14 habe nach dem Start eine Höhe von 2.802 Kilometern erreicht und sei 933 Kilometer weit geflogen. Das habe das nordkoreanische Staatsfernsehen am Dienstag vermeldet, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap.

Der Machthaber Kim Jong-un habe den Start persönlich verfolgt. Zuvor hatten bereits die südkoreanischen Streitkräfte mitgeteilt, dass das Nachbarland im Westen des Landes eine ballistische Rakete abgefeuert habe, die rund 930 Kilometer in Richtung des Japanischen Meers (koreanisch: Ostmeer) geflogen sei. Südkorea schließe nicht aus, dass es eine Interkontinentalrakete gewesen sein könnte, sagte Präsident Moon Jae-in in Seoul bei einem Treffen des Nationalen Sicherheitsrats.

Mit dem Test einer Interkontinentalrakete wäre eine neue Eskalationsstufe im Streit um Nordkoreas Atomprogramm erreicht, der als einer der gefährlichsten Konflikte weltweit gilt. Als Interkontinentalraketen gelten Raketen mit einer Reichweite von mehr als 5.500 Kilometern. Sie werden üblicherweise mit Atomsprengköpfen bewaffnet und folgen nach Verlassen der Erdatmosphäre einer ballistischen Flugbahn.

Das weithin isolierte Nordkorea arbeitet seit Jahren an solchen Raketen, die auch die USA erreichen können. Anchorage in Alaska ist 6.000 Kilometer von Pjöngjang entfernt, Berlin knapp 8.000 Kilometer.

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Trump: „Hat dieser Typ nichts Besseres zu tun?"

Der jüngste Test wurde auch als Warnsignal an die Regierung in Washington verstanden, der Nordkorea eine feindselige Politik unterstellt. Das bestreitet Washington. US-Präsident Donald Trump hatte mehrfach mit Alleingängen in dem Konflikt gedroht und auch militärische Aktionen nicht ausgeschlossen. Nach dem jüngsten Test twitterte Trump jedoch, vielleicht werde China Maßnahmen gegen Nordkorea ergreifen, um „diesen Unsinn" zu beenden. Er frage sich, ob dieser Typ nichts Besseres in seinem Leben zu tun habe, als Raketen starten zu lassen, twitterte Trump und spielte damit offenbar auf den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un an

Südkorea und Japan verurteilten den jüngsten nordkoreanischen Raketentest als Provokation. UN-Resolutionen verbieten Nordkorea den Test von ballistischen Raketen (dpa, TT.com)