Letztes Update am Sa, 14.10.2017 15:43

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland

Spitzelvorwürfe gegen Erdogan-Anhänger bei deutschen Behörden

Türkische Asylwerber behaupten Medienberichten zufolge, Erdogan-nahe Mitarbeiter in deutschen Behörden hätten sie an türkische Medien verraten. Die Polizei ermittelt. Seit dem Putschversuch 2016 steigt in Deutschland die Zahl der Asylsuchenden aus der Türkei merklich an.

© dpaSymbolbild.



Berlin – Türkische Asylwerber erheben schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter deutscher Behörden: In mehreren Fällen seien Betroffene kurz nach Anhörungen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) oder bei Ausländerbehörden in türkischen Medien als „Terroristen“ diffamiert worden, berichteten der Spiegel und das ARD-Magazin „Report Mainz“ am Samstag nach gemeinsamen Recherchen.

Dabei sei von Zeitungen und Fernsehsendern, die dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nahestehen, auch der genaue Aufenthaltsort der türkischen Asylwerber genannt worden. Teils wurde in diesen Berichten explizit auf ihr Asylverfahren Bezug genommen, meldeten Spiegel und „Report Mainz“.

Ermittlungen in mindestens zwei Fällen

Die Betroffenen gaben demnach an, zuvor ihre Identität streng geheim gehalten zu haben. Sie verdächtigen daher Mitarbeiter des BAMF, die Informationen an die türkischen Medien weitergegeben zu haben. In mindestens zwei Fällen ermitteln laut Spiegel und „Report Mainz“ nun Staatsschutzabteilungen der Polizei.

Das BAMF teilte demnach mit, es sei kein Fall bekannt, in dem Mitarbeiter Informationen über Asylwerber an türkische Stellen weitergegeben hätten. Allerdings trennte sich die Behörde nach eigenen Angaben seit Jahresbeginn in 15 Fällen von freiberuflichen Dolmetschern „vor allem aufgrund von Verletzungen der Neutralitätspflicht“.

Mehr als 600 türkische Beamte beantragten Asyl

Nach dem Putschversuch im Juli 2016 haben zahlreiche türkische Militärangehörige, aber auch Diplomaten Zuflucht in anderen Staaten Europas gesucht. Bis Mitte September baten in Deutschland mehr als 600 ranghohe türkische Staatsbeamte um Asyl, wie eine Sprecherin des Innenministeriums am Samstag bestätigte. Demnach haben 255 Inhaber türkischer Diplomatenpässe sowie 383 Besitzer eines türkischen Dienstpasses Asylanträge gestellt.

Die Regierung in Ankara kritisiert es scharf, dass die Bundesregierung türkischen Soldaten Asyl gewährt. Sie wirft ihnen Verbindungen zu dem in den USA im Exil lebenden islamischen Prediger Fethullah Gülen vor. Gülen und seine Anhänger macht die türkische Regierung für den gescheiterten Putschversuch verantwortlich. (APA/AFP)