Letztes Update am Mi, 01.11.2017 21:27

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Myanmar

Mehr als 40.000 unbegleitete Kinder in Rohingya-Camps

Nach einem Besuch in den Camps bezeichnete EU-Kommissar Christos Stylianides die Flüchtlingskrise als die „größte“ seit Jahrzehnten. UNO-Vertreter befürchten, dass die Minderjährigen zum Opfer von Menschenhändlern werden könnten.

© REUTERSDie Situation in den Rohingya-Lagern ist oft katastrophal.



Cox‘s Bazar – Mehr als 40.000 unbegleitete Rohingya-Kinder befinden sich nach der Flucht aus Myanmar in Flüchtlingscamps in Bangladesch. „Diese Zahl allein veranschaulicht das Ausmaß der Krise“, sagte EU-Kommissar Christos Stylianides am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Nach einem Besuch in den Camps bezeichnete der EU-Beauftragte für humanitäre Hilfe die Flüchtlingskrise als die „größte“ seit Jahrzehnten.

„Bei meinem Besuch in den Lagern war ich schockiert über die Tragweite dessen, was ich sah“, sagte Stylianides in einem Interview. „Das Ausmaß des Zustroms in einer so kurzen Zeit ist vollkommen einzigartig.“ Seit August sind über 600.000 Rohingya aus dem myanmarischen Bundesstaat Rakhine nach Bangladesch geflohen.

UNO-Vertreter befürchten, dass die über 40.000 unbegleiteten Minderjährigen zum Opfer von Menschenhändlern werden könnten. Stylianides forderte deswegen eine „umfassende und koordinierte humanitäre Antwort“ auf die Krise.

Sorgen über humanitäre Krise in Flüchtlingscamps

Hilfsorganisationen hatten zuvor ihre Sorgen über die humanitäre Krise in den Flüchtlingscamps geäußert. Geflüchtete litten dort unter akutem Wassermangel, fehlenden sanitären Anlagen und unzureichender Gesundheitsversorgung. „Die Anzahl der Menschen, ihre Bedürfnisse, ihre Traumata übersteigen jede Vorstellungskraft“, sagte Stylianides.

Der EU-Kommissar rief die Regierungen von Myanmar und Bangladesch zu einer politischen Lösung der Flüchtlingskrise auf. Myanmar kritisierte er dafür, Medien und Hilfsorganisationen den Zutritt zur Krisenregion Rakhine zu verweigern. Laut Stylianides arbeitet die EU weiter daran, Myanmar von einer Lösung im Rahmen der internationalen Menschenrechte überzeugen.

Der Konflikt zwischen der mehrheitlich buddhistischen Bevölkerung und der muslimischen Minderheit in Myanmar war Ende August eskaliert, als Rohingya-Rebellen Soldaten und Polizisten angriffen und dutzende Sicherheitskräfte töteten. Myanmars Militär reagierte mit brutaler Gegengewalt. Hunderte Menschen wurden getötet, ihre Häuser niedergebrannt. Die UNO stufte das Vorgehen der Armee gegen die Rohingya als ethnische Säuberungen an. (APA/AFP)




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