Letztes Update am Mi, 03.01.2018 14:06

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Atomstreit mit Nordkorea

Nordkorea reaktiviert den Draht nach Süden, Trump droht

Süd- und Nordkorea nähern sich langsam an. Pjöngjang will direkt mit Seoul kommunizieren und öffnet dazu wieder eine wichtige Kommunikationsleitung. Das Säbelrasseln zwischen den USA und Nordkorea geht indes munter weiter.

© ReutersBei seiner Neujahrsrede schlug Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un versöhnliche Töne gegenüber dem Süden an.



Pjöngjang, Seoul, Washington — Im Zuge seiner Annäherung an Südkorea hat Nordkorea einen abgeschalteten grenzüberschreitenden Kommunikationskanal wieder geöffnet. Die erste Kontaktaufnahme nach knapp zwei Jahren praktischer Funkstille erfolgte über eine von mehreren Telefonleitungen zwischen beiden Seiten im Grenzort Panmunjom, teilte das Vereinigungsministerium in Seoul am Mittwoch mit.

Bei der ersten, etwa 20-minütigen Kontaktaufnahme sei es um "technische Details" gegangen, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Nordkorea wolle sich wieder melden. Das Büro des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in begrüßte die Ankündigung als einen ersten Schritt, "ein Umfeld zu schaffen, in dem eine Kommunikation zu jeder Zeit möglich ist". Moon will künftige Gespräche mit Nordkorea möglichst auch dazu nutzen, über das Atom- und Raketenprogramm des Nachbarn zu sprechen. Es wird jedoch stark bezweifelt, ob sich Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un darauf einlässt.

Dieser hatte zuvor überraschend Dialogbereitschaft signalisiert. In seiner Neujahrsansprache kündigte Kim an, eine Delegation zu den Olympischen Winterspielen in der grenznahen südkoreanischen Provinz Gangwon entsenden zu wollen. Südkorea schlug daraufhin am Dienstag ein Treffen auf hoher Ebene am 9. Jänner in Panmunjom vor. Das bisher letzte offizielle Treffen zwischen hochrangigen Regierungsvertretern beider Länder gab es im Dezember 2015.

Trump hat "viel größeren" Atomknopf als Kim

Im starken Kontrast zu den Entspannungssignalen der beiden Nachbarländer verschärfte US-Präsident Donald Trump seine Rhetorik gegenüber Nordkoreas Machthaber Kim erneut und drohte mit seinem "Atomwaffenknopf".

In seiner Neujahrsansprache am Montag hatte Kim gesagt, der "Atomwaffenknopf" befinde sich immer auf seinem Schreibtisch. Die gesamten USA seien in Reichweite nordkoreanischer Atomwaffen. "Das ist Realität, keine bloße Drohung".

Trump drohte nun seinerseits: "Wird jemand aus seinem (Kims, Anm.) verarmten und ausgehungerten Regime ihn bitte darüber informieren, dass auch ich einen Atomknopf habe", so der US-Präsident. "Aber er ist viel größer & mächtiger als seiner, und mein Knopf funktioniert!"

Die Spannungen zwischen Washington und Pjöngjang im Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm haben im ersten Jahr der Präsidentschaft Donald Trumps immens verschärft. Trump und Kim überzogen sich gegenseitig immer wieder mit Drohungen und Kriegsrhetorik. (TT.com, dpa/AFP/Reuters)

Der direkte Draht zwischen Nord- und Südkorea

Nach Angaben des südkoreanischen Vereinigungsministeriums gibt es insgesamt 33 Telefon- und Faxleitungen für die innerkoreanische Kommunikation im Grenzort Panmunjom, der etwa 60 Kilometer nördlich der Hauptstadt Seoul liegt.

Die Leitungen dienen verschiedenen Zwecken. Den Angaben zufolge werden 21 von ihnen nur dann wirklich aktiviert, wenn es Treffen zwischen den Ländern gibt. Fünf Leitungen seien für die tägliche Verbindung und die gegenseitige Übermittlung von "Botschaften" gedacht. Diese Verbindung wurde jetzt für den Kontakt am Mittwoch freigeschaltet.

Dazu kommen noch zwei Leitungen für den Luftverkehr, die auch während der Zeit der Kommunikationsunterbrechung geöffnet waren, sowie zwei weitere für den Schiffsverkehr. Auch bestehen noch drei Leitungen für den Grenzverkehr bei Kaesong auf nordkoreanischer Seite. Dort hatten beide Länder bis Anfang 2016 gemeinsam einen Fabrikpark betrieben. Als Reaktion auf die Beendigung der dortigen Produktion durch Südkorea hatte Nordkorea jedoch die grenzüberschreitenden Hotlines zur direkten Kommunikation gekappt.