Letztes Update am Sa, 21.04.2018 15:13

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bürgerkrieg

Rebellen in Syrien verlassen weitere Orte nahe Damaskus

Die Evakuierung erfolgte auf Grundlage eines Abkommens zwischen den Rebellen und der Regierung.

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© REUTERS/Adbullah(Symbolfoto)



Damaskus – Im Nordosten der syrischen Hauptstadt Damaskus haben tausende Aufständische am Samstag drei Ortschaften geräumt. Die Rebellen und ihre Angehörigen wurden mit Bussen aus den Orten Ruhaiba, Nassiriya und Jairoud in der Region Ost-Qalamoun in den Norden des Landes gebracht, wie die staatliche Nachrichtenagentur SANA meldete.

Die Evakuierung erfolgte demnach auf Grundlage eines Abkommens zwischen den Rebellen und der Regierung. Dieses sehe vor, dass die Aufständischen vor ihrer Abreise ihre schweren und mittelschweren Waffen sowie ihre Munitionsdepots übergeben.

Das Staatsfernsehen zeigte Bilder von Bussen und berichtete, von dem Abkommen seien 3200 „Terroristen“ und ihre Familien betroffen. Ruhaiba liegt rund 60 Kilometer nordöstlich von Damaskus, die beiden anderen Ortschaften liegen mehrere Kilometer weiter nördlich.

Im Großraum Damaskus erzielte die syrische Regierung mit der Unterstützung Russlands zuletzt vermehrt Evakuierungsabkommen mit Rebellen. Zugleich drängen Regierungstruppen die Aufständischen immer weiter zurück. Am 14. April verkündete die syrische Armee die vollständige Rückeroberung der ehemaligen Rebellenenklave Ost-Ghouta nahe Damaskus.

Zugleich bombardieren Regierungstruppen seit mehreren Tagen die letzten Bastionen der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) im Süden der Hauptstadt, wie das Palästinenserlager Yarmouk und das Viertel Hajar al-Aswad. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte verstärkten die Regierungstruppen den Druck auf die IS-Miliz, nachdem Verhandlungen über eine Evakuierung ihrer Kämpfer scheiterten.

Ein Reporter der britischen Zeitung „Independent“ stellt nach einer Besichtigung vor Ort und Zeugenbefragungen westliche Behauptungen infrage, wonach es in der ehemaligen islamistischen Rebellenhochburg Douma in Syrien einen Giftgasangriff gegeben habe. Der langjährige Nahost-Kenner Robert Fisk fand nach eigenen Angaben keine Belege dafür.

Vielmehr scheine es sich bei den Opfern um Menschen gehandelt zu haben, die durch den im Zuge der Kämpfe und Bombardements aufgewirbelten intensiven Staub an Luftknappheit litten. Das vor allem im Westen verbreitete Video, das zeigen soll, wie Menschen durch Abspritzen mit Wasser von angeblichem Giftgas gereinigt wurden, sei zwar echt. Doch seien die Opfer womöglich nicht von Chlorgas oder Sarin gereinigt worden, sondern von Staub, schrieb Fisk diese Woche im „Independent“. (APA/AFP)