Letztes Update am Mi, 09.05.2018 16:41

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Afghanistan

Mindestens 13 Tote bei Anschlägen von Extremisten in Kabul

Wieder sprengen sich Selbstmordattentäter in der afghanischen Hauptstadt in die Luft. Einer der Angriffe geht auf das Konto der Terrormiliz Islamischer Staat, der andere auf das der Taliban.

© ReutersErst vor knapp einer Woche starben Dutzende Menschen bei schweren Anschlägen.



Kabul – Gut eine Woche nach dem tödlichen Doppelanschlag in Kabul sind bei zwei Anschlägen in der afghanischen Hauptstadt mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen, darunter vier Selbstmordattentäter.

Alleine bei einem Angriff der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) auf eine Polizeiwache im Viertel Dasht-e Bartshi im Westen der Stadt starben zwei Beamte und vier Zivilisten sowie vier Extremisten, wie Regierungsvertreter am Mittwoch mitteilten.

Mindestens zwei weitere Polizisten und ein Zivilist wurden bei einem zweiten Angriff im Stadtteil Schar-e Naw getötet, zu dem sich die radikalislamischen Taliban bekannten.

Sechs Tote bei Luftangriff in Badghis

Bei einem offenbar unbeabsichtigten Luftangriff in der Provinz Badghis im Westen des Landes kamen zudem sechs Polizisten ums Leben. Der Angriff habe wohl den Taliban gegolten, aber aus Versehen die Beamten getroffen, sagte ein Mitglied des Provinzrates der Deutschen Presse-Agentur. Unklar war zunächst, ob es sich um ein Flugzeug des US-Militärs oder der afghanischen Luftwaffe handelte. Die USA und Afghanistan haben ihre Luftangriffe auf Extremisten verstärkt, seit US-Präsident Donald Trump im vergangenen August eine neue Strategie für das Land verkündet hatte und das dort stationierte Personal aufstocken ließ.

Seit dem Ende der NATO-Kampfmission Ende 2014 verüben vor allem die Taliban Anschläge auf afghanische Regierungsziele oder Sicherheitskräfte, um ihre Macht auszuweiten. Doch der IS hat längst auch Fuß in dem Land gefasst.

Gefechte mit Sicherheitskräften bis zum Abend

Die Terrormiliz erklärte sich über ihr Sprachrohr AMAQ verantwortlich für den Anschlag auf die Polizeiwache in Dasht-e Bartshi. Zwei IS-Mitglieder hätten sich dabei nahe der Wache in die Luft gesprengt, zwei weitere seien bei Gefechten von Sicherheitskräften getötet worden, sagte Innenminister Wais Ahmad Barmak live im Fernsehen. Das Viertel wird mehrheitlich von der ethnischen Minderheit der Hasara bewohnt. Sie gehören überwiegend der schiitischen Konfession an, die Extremisten des IS sind Sunniten.

Die Gefechte am Schauplatz des zweiten Angriffs im zentralen Viertel Shar-e Naw in Kabul hielten am Abend noch an. Dort hatte sich in der Nähe des Eingangs zu einer Polizeiwache zunächst ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt, wie Innenminister Barmak weiter sagte. Anschließend seien vier weitere Extremisten in einem Auto vorgefahren und hätten sich in einem leerstehenden Gebäude verschanzt. Taliban-Sprecher Sabihullah Mujahid übernahm die Verantwortung für den Anschlag. Er sprach von „zahlreichen“ Opfern. Die Gegend wurde abgeriegelt, Zivilisten sollten auf Geheiß von Sicherheitskräften Schutz suchen.

Neunter größerer Zwischenfall seit Jahresbeginn

In der Nähe der Polizeiwache befinden sich unter anderem Gebäude der Afghanistan International Bank, der Telekommunikationsfirma Etisalat sowie verschiedener privater Organisationen. Augenzeugen berichteten von Schüssen und kleineren Explosionen. „Unsere Spezialeinheiten haben den Ort abgesperrt und versuchen, die Menschen zu retten, die sich in den Gebäuden verbarrikadiert haben“, so der Ministeriumssprecher.

Die Angriffe und Bombenexplosionen vom Mittwoch waren der neunte größere Zwischenfall in Kabul seit Jahresbeginn. Mindestens 17 Menschen erlitten dabei nach Angaben eines Sprechers des Gesundheitsministeriums, Wahidullah Majroh, Verletzungen.

Erst am 30. April waren bei einem Doppelanschlag in Kabul 25 Menschen ums Leben gekommen, darunter neun Journalisten. (dpa)