Letztes Update am Do, 10.05.2018 11:49

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Israel/ Iran

Vergeltung: Israel zerstörte iranische Infrastrukturen in Syrien

Iranische Revolutionsgarden attackierten die Golan-Höhen aus Syrien. Israel reagierte mit einem Gegenangriff, bei dem laut einer Beobachtungsstelle ein Hisbollah-Stützpunkt getroffen wurde.

© AFPDer Iran hatte von Syrien aus Raketen auf das von Israel besetze Golan-Gebiet abgefeuert. Diese wurden von der Israelischen Luftabwehr abgeschossen. Trümmer landeten auch an der Grenze im Libanon.



Jerusalem, Teheran – Bei Luftangriffen Israels auf iranische Ziele in Syrien sind laut Verteidigungsminister Avigdor Lieberman fast alle dortigen Infrastrukturen des Iran getroffen worden. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet von 23 Toten. Die russische Armee teilte mit, bei dem Einsatz seien 28 israelische Kampfflugzeuge beteiligt gewesen, die 70 Raketen abgeschossen hätten.

Israel schritt zum Gegenangriff auf syrische Militärgebiete. Dort reagierte die Luftabwehr, berichten Syrische Nachrichtenagenturen.
- SANA

Israel reagierte auf Raketenangriff

Nach israelischen Angaben hatten zuvor in der Nacht auf Donnerstag iranische Revolutionsgarden mit Raketen Armeeposten auf den Golan-Höhen angegriffen. Israels Luftwaffe reagierte mit massiven Vergeltungsangriffen.

Sie richteten sich gegen syrische Militäreinrichtungen und iranische Stellungen in Syrien. Lieberman sagte, Israel habe fast die komplette iranische Infrastruktur in Syrien getroffen. Hingegen sei keine der iranischen Raketen auf israelisch kontrollierten Gebieten eingeschlagen. Sie seien entweder fehlgegangen oder von der israelischen Abwehr abgeschossen worden. Auf den Golan-Höhen gingen israelische Kinder am Donnerstag wie üblich zur Schule.

Wie der israelische Armeesprecher Jonathan Conricus mitteilte, hätten die Quds-Brigade, die Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden, 20 Raketen auf die Golanhöhen abgefeuert. Es wären die ersten Angriffe dieser Art seit Beginn des Krieges in Syrien gewesen. Israels Luftwaffe habe daraufhin mehr als 50 iranische Militärziele in Syrien angegriffen. Nach Angaben der Armee wurden vier der Geschoße von Israels Raketenabwehr abgefangen.

Mit Hinweis auf Warnungen vor einem iranischen Angriff von Syrien aus hatte Israels Armee schon am Dienstag Reservisten mobilisiert.
- AFP

Israelisches Militär wurde vor Angriffen gewarnt

Geheimdienste hatten vor einem iranischen Vergeltungsangriff auf Israel gewarnt. Hintergrund war ein Luftangriff, bei dem am 9. April in Syrien sieben iranische Militärangehörige getötet worden waren. Syrien und der Iran machen Israel dafür verantwortlich. Israelische Medien hatten berichtet, der Angriff habe einer wichtigen Basis der iranischen Revolutionsgarden gegolten. „Wir haben kein Interesse an einer Eskalation, aber wir müssen auf jedes Szenario vorbereitet sein“, sagte Lieberman. Er sagte, es handle sich um einen punktuellen Konflikt Israels mit den iranischen Quds-Brigaden. „Alle wollen den Konflikt genau auf dieses Karree beschränken.“

Teheran ist neben Russland und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah wichtigster Verbündeter des syrischen Staatschefs Bashar al-Assad. Israel hat immer wieder betont, man werde eine dauerhafte militärische Präsenz des iranischen Erzfeinds im Nachbarland Syrien nicht dulden. Der jüdische Staat wird für vorherige Luftangriffe in Syrien verantwortlich gemacht, bei der auch Iraner getötet wurden. Teheran drohte Israel mit Vergeltung, deshalb war die israelische Armee zuletzt in erhöhter Alarmbereitschaft.

Atom-Deal-Ende durch USA befeuerte Konflikt

Brisanz erhielt das Verhältnis zwischen dem Iran und Israel zuletzt auch durch die Aufkündigung des Iran-Atomdeals durch die USA. Präsident Donald Trump hatte am Dienstag bekanntgegeben, dass die USA nicht länger an dem 2015 von sechs Ländern mit dem Iran ausgehandelten Atomabkommen festhalten wollen. Die ausgesetzten Sanktionen würden nun sehr schnell wieder eingeführt. Während die anderen Unterzeichner-Staaten – neben Russland, China, Großbritannien und Frankreich auch Deutschland – und andere europäischen Länder die Entscheidung kritisierten, zeigte sich Israel darüber sehr erfreut.

Russland rief Israel und den Iran zur Zurückhaltung und Deeskalation aufgerufen. „Das ist alles sehr beunruhigend“, sagte der russische Vizeaußenminister Michail Bogdanow am Donnerstag in Kasan der Agentur Tass zufolge. „Wir haben Kontakt mit beiden Seiten.“ Russland bemühe sich seit langem um eine Entspannung der Lage, sagte er. Russland pflegt enge Kontakte zu beiden Seiten. Am Mittwoch hatte Präsident Wladimir Putin den israelischen Regierungschef Benjamin Netanyahu zu Gesprächen in Moskau empfangen. (APA/dpa/AFP)




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