Letztes Update am Di, 15.05.2018 10:13

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vor Treffen mit USA

US-Experten: Nordkorea beginnt mit Abbau von Atomtestgelände

Laut den Experten liefern Satellitenbilder „den ersten definitiven Beweis“ für den Abbau des Testgeländes Punggye-ri. Wichtige Einrichtungen an den Eingängen seien abgerissen worden. Süd- und Nordkorea wollen indes ihre Zusammenarbeit konkretisieren.

© ReutersEin Satellitenbild vom Testgelände Punggye Ri vom Mai 2017.



Pjöngjang – Vor dem Gipfeltreffen mit den USA hat Nordkorea nach Angaben von US-Experten damit begonnen, sein Atomtestgelände abzubauen. Einige wichtige Einrichtungen an den Eingängen des weitläufigen Testgeländes Punggye-ri im Nordosten des Landes seien abgerissen worden, berichteten die Experten der auf Nordkorea spezialisierten Nachrichtenseite „38 North“ des US-Korea-Instituts.

Zudem seien Gleise zu den Tunneln beseitigt worden, hieß es. Bilder kommerzieller Satelliten „lieferten den ersten definitiven Beweis, dass der Abbau des Testgeländes bereits vorangekommen ist“.

Nordkorea hatte am Wochenende angekündigt, die Testanlage zwischen dem 23. und dem 25. Mai zu zerstören. Sämtliche Tunnel sollen durch Explosion zum Einsturz gebracht und alle Eingänge blockiert werden.

Mit der Schließung des in einer Bergregion liegenden Komplexes will das abgeschottete Land vor der Welt seine Bereitschaft zum Abbau seines Atomwaffenprogramms demonstrieren. In Punggye-ri hatte Nordkorea seine sechs Atomtests durchgeführt, den bisher letzten im September 2017. Der UNO-Sicherheitsrat hatte daraufhin der Führung in Pjöngjang einen erneuten Verstoß gegen Resolutionen des Gremiums vorgeworfen und die Sanktionen gegen das Land verschärft.

Das Atomtestgelände ist nach Einschätzung chinesischer Geologen durch frühere unterirdische Atomtests beschädigt und zurzeit unbrauchbar. Die Experten von „38 North“ hatten Ende April hingegen geschrieben, das Gelände sei nach wie vor für Atomtests geeignet.

Süd- und Nordkorea wollen Zusammenarbeit konkretisieren

Süd- und Nordkorea wollen indes am Mittwoch bei hochrangigen Gesprächen über die Umsetzung der Kooperationsvereinbarungen reden, die sie bei ihrem Gipfel vor zweieinhalb Wochen getroffen haben. Das Treffen werde auf südkoreanischer Seite des Grenzorts Panmunjom stattfinden, teilte das Vereinigungsministerium in Seoul am Dienstag mit.

Durch die Gespräche wolle Südkorea versuchen, „die Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung und einen dauerhaften Frieden zu schaffen“. Vereinigungsminister Cho Myoung Gyeon werde die südkoreanische Delegation leiten, hieß es. Nordkorea schickt demnach eine Abordnung mit Vertretern des für innerkoreanische Angelegenheiten zuständigen Komitees sowie Sport- und Wirtschaftsfunktionäre.

Das Gipfeltreffen vom 27. April endete mit einer gemeinsamen Erklärung über Frieden und Aussöhnung. Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un erklärte sich bei seinem Treffen mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in unter anderem zum Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms bereit. Wie und bis wann die „komplette Denuklearisierung“ erreicht werden soll, blieb unklar. Der Atomstreit mit Nordkorea gilt als einer der gefährlichsten Konflikte weltweit.

Beide Staaten erklärten sich zudem dazu bereit, auf alle Feindseligkeiten zu verzichten und eine neue Friedensordnung für die koreanische Halbinsel anzustreben. Zudem sollen humanitäre Projekte, etwa direkte Kontakte zwischen getrennten Familien, wieder aufgenommen und der Austausch und die Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen verstärkt werden. (dpa)




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