Letztes Update am Mi, 16.05.2018 06:20

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Israel

UN-Menschenrechtsrat hält Sondersitzung wegen Gewalt in Gaza

Die Palästinenser begingen am Dienstag den „Tag der Katastrophe“, mit dem sie an ihre Vertreibung im Zuge der Staatsgründung Israels 1948 erinnern. Die meisten Demonstranten blieben allerdings in Zeltlagern.

© AFPIsraelische Soldaten haben in den vergangenen Tagen Dutzende Palästinenser bei schweren Protesten im Gazastreifen erschossen.



Genf/Gaza – Nach der blutigen Gewalt im Gazastreifen hat der UN-Menschenrechtsrat für Freitag eine Sondersitzung anberaumt. Dabei soll es um die „sich verschlimmernde humanitäre Lage in den besetzten Palästinensergebieten, darunter Ost-Jerusalem“ gehen, teilte ein Sprecher des Gremiums am Dienstag in Genf mit.

Die Sondersitzung sei von den Palästinensern und den Vereinigten Arabischen Emiraten beantragt worden, sagte der Sprecher. Dem Antrag hätten 26 Mitgliedstaaten des Menschenrechtsrats zugestimmt – 16 Ja-Stimmen wären ausreichend gewesen. Das Gremium hat insgesamt 47 Mitglieder.

Auch Kinder getötet

Bei Zusammenstößen zwischen Palästinensern und der israelischen Armee an der Grenze des Gazastreifens zu Israel waren am Montag fast 60 Palästinenser getötet worden, darunter auch Kinder und Jugendliche. Mehr als 2400 Menschen wurden verletzt. Die Proteste entzündeten sich unter anderem an der Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem. Das Vorgehen der israelischen Armee hatte international heftige Kritik hervorgerufen.

Lage am Gazastreifen etwas beruhigt

Nach der schweren Gewalt an der Grenze Israels zum Gazastreifen hat sich die Lage dort am Dienstag beruhigt. Bis zum späten Abend wurden mindestens zwei Palästinenser von israelischen Soldaten erschossen, nachdem am Vortag 60 Menschen getötet worden waren.

Auf diplomatischer Ebene hallte die Gewalt allerdings nach: Die Türkei wies den israelischen Botschafter aus, Israel den türkischen Generalkonsul in Jerusalem. Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas beorderte seinerseits den PLO-Vertreter aus Washington zurück. Deutschland, Großbritannien und der Menschenrechtsbeauftragte der Vereinten Nationen sprachen sich dafür aus, die Hintergründe der Gewalt durch die UN untersuchen zu lassen.

Die Palästinenser begingen am Dienstag den „Tag der Katastrophe“, mit dem sie an ihre Vertreibung im Zuge der Staatsgründung Israels 1948 erinnern. Die meisten Demonstranten blieben allerdings in Zeltlagern. Trauernde zogen durch den Gazastreifen mit palästinensischen Flaggen und forderten Rache. „Mit Seele und Blut erlösen wir euch Märtyrer“, riefen die Trauernden bei der Beisetzung von zwei Palästinensern in Chan Junis im Süden des Gazastreifens. Viele Geschäfte in Ost-Jerusalem blieben geschlossen, im Westjordanland heulten Sirenen 70 Sekunden lang. (APA/AFP/dpa)

Palästinenser haben am Dienstag den "Tag der Katastrophe" begonnen.
- AFP