Letztes Update am Sa, 04.08.2018 13:38

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konflikte

Iran schließt Abzug aus Syrien nicht aus

Im Syrienkrieg gehört der Iran gemeinsam mit Russland und der schiitischen Hisbollah-Miliz aus dem Libanon zu den wichtigsten Unterstützern der Führung unter Staatschef Bashar al-Assad.

© AFP/Sameer al-DoumySymbolfoto.



Teheran – Der Iran hat einen vollständigen Abzug aus Syrien nicht ausgeschlossen. „Sobald wir das Gefühl haben, dass Syrien sich einer Stabilität nähert, können auch wir definitiv unser militärische Beratungen reduzieren – oder ganz abziehen“, sagte Irans Außenamtssprecher Bahram Ghassemi am Samstag.

Im Syrienkrieg gehört der Iran gemeinsam mit Russland und der schiitischen Hisbollah-Miliz aus dem Libanon zu den wichtigsten Unterstützern der Führung unter Staatschef Bashar al-Assad.

Einen Abzug aus Syrien machte der Sprecher aber alleine von der syrischen Seite abhängig. Demnach ist der Iran auf Wunsch der Regierung in Damaskus überhaupt in den Konflikt hereingezogen worden. Deswegen müsse auch die syrische und keine andere Regierung über einen Abzug des Iran entscheiden, so der Sprecher in einem Interview mit dem Nachrichtenportal Pana.

Wachsender Druck auf iranische Führung

Die Äußerungen des Außenamtssprechers reflektieren den wachsenden Druck, der auf der iranischen Führung lastet. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte vorgeschlagen, dass nach den Erfolgen gegen den Terrorismus und mit Beginn des politischen Prozesses in Syrien, alle ausländischen Truppen sich aus Syrien zurückziehen. Nach Einschätzung iranischer Medien sowie von Nahost-Experten ist damit auch der Iran gemeint.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte vor einem Gespräch mit Putin im Juli deutlich gemacht, dass sein Land keine iranischen Truppen an der syrisch-israelischen Grenze dulden werde.

Die USA betrachten genau wie Israel den Iran als größtes Problem im Nahen Osten. Sie drängen Russland, den iranischen Einfluss in Syrien zu begrenzen. Zugleich verlangen sie von Teheran, das „aggressive Verhalten“ in der Außenpolitik zu ändern.

Ab kommender Woche treten wieder Sanktionen der USA gegen den Iran in Kraft. Diese dürften der ohnehin am Boden liegenden Wirtschaft weiter schaden. Bei Protesten im Iran sollen Berichten zufolge Menschen verlangt haben, dass sich die Führung weniger um Syrien oder den Gazastreifen, sondern mehr ums eigene Land kümmert. (APA/dpa)