Letztes Update am Di, 07.08.2018 15:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konflikte

Diplomatische Krise verschärft sich: Saudis stoppen Kanada-Flüge

Auslöser der Verwerfungen war ein Tweet der kanadischen Außenministerin. Darin heißt es, Kanada sei ernsthaft besorgt wegen neuer Festnahmen von Aktivistinnen, die sich für die Zivilgesellschaft und für Frauenrechte in Saudi-Arabien einsetzen.

© Saudi Royal PalaceKronprinz, Verteidigungsminister und stellvertretender Premierminister Saudi-Arabiens: Mohammed bin Salman al-Saud.



Riad, Ottawa – Nach der Ausweisung des kanadischen Botschafters wegen Kritik an der Menschenrechtslage in Saudi-Arabien hat sich die diplomatische Krise zwischen den beiden Ländern verschärft. Die staatliche Fluggesellschaft Saudia kündigte am Montagabend an, ab 13. August alle Flüge von und nach Toronto zu stoppen. Die kanadische Außenministerin Chrystia Freeland bekräftige wenig später Kanadas Standpunkt.

„Kanada wird sich immer für die Wahrung der Menschenrechte einsetzen, dazu gehören auch Frauenrechte und die freie Meinungsäußerung auf der gesamten Welt“, sagte Freeland. Angesichts der diplomatischen Krise sei man besorgt.

Auslöser der Verwerfungen im Verhältnis beider Länder war ein Tweet der kanadischen Außenministerin am Donnerstag. Darin heißt es, Kanada sei ernsthaft besorgt wegen neuer Festnahmen von Aktivistinnen, die sich für die Zivilgesellschaft und für Frauenrechte in Saudi-Arabien einsetzen, darunter auch Samar Badawi. Die Frauenrechtlerin ist die Schwester des bekannten Bloggers Raif Badawi, der ebenfalls in Saudi-Arabien inhaftiert ist. Seine Ehefrau Ensaf Haidar hat gemeinsam mit ihren drei Kindern erst vor kurzem die kanadische Staatsbürgerschaft erhalten.

Samar Badawi, 37, kämpft seit Jahren nicht nur gegen das Vormundschaftssystem in Saudi-Arabien, das es Frauen verbietet, ohne Zustimmung eines männlichen Vormunds zu heiraten, zu reisen oder ein Bankkonto zu eröffnen. Sie wendete sich auch gegen das Frauenfahrverbot, das im Juni aufgehoben wurde, und machte sich für das Frauenwahlrecht stark. 2012 zeichnete die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton Badawi mit dem International Women of Courage Award aus.

Kanada bekommt Saudi-Arabiens Wut zu spüren

Doch während die USA zu Badawis Festnahme schweigen, bekommt Kanada die Wut Saudi-Arabiens zu spüren. Die Regierung in Riad hatte den kanadischen Botschafter Dennis Horak am Montag zur unerwünschten Person erklärt und ihn des Landes verwiesen. Gleichzeitig rief die saudi-arabische Führung ihren Botschafter in Kanada zu Konsultationen zurück und fror ein erst vor kurzem geschlossenes Handelsabkommen mit Kanada sowie alle neuen Investitionen ein. Aus Sicht des Königreichs hat sich Kanada eklatant und unzulässig in die inneren Angelegenheiten des Landes eingemischt.

Beobachter sehen in der harschen Reaktion Saudi-Arabiens auch eine Warnung an alle anderen Länder. Der junge Kronprinz Mohammed bin Salman, der starke Mann des Landes, ist bei Widerworten äußerst dünnhäutig. Abweichende Meinungen toleriert er nicht, viele Dissidenten ließ er in der Vergangenheit einsperren. Ähnlich sensibel reagiert er bei Kritik von außen. (APA/dpa)