Letztes Update am Do, 06.09.2018 13:23

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Journalist getötet

Soldaten im Südsudan stürmten Hotel: Angeklagte schuldig

Soldaten drangen in ein Hotel ein, vergewaltigten Frauen, töteten einen Journalisten und folterten „fast jeden Menschen im Gebäude“. Zehn von ihnen wurden nun vor einem Militärgericht für schuldig befunden.

© REUTERSDie Soldaten vor dem Militärgericht.



Juba – Im Südsudan hat ein Militärgericht zehn Soldaten wegen der Vergewaltigung ausländischer Entwicklungshelferinnen und der Tötung eines Journalisten schuldig gesprochen. Die Angeklagten seien „direkt verantwortlich“ für die Verbrechen im Juli 2016, teilte Richter Knight Baryano Almas am Donnerstag mit.

Die Straftaten wurden demnach in einem Hotel in der Hauptstadt Juba während Kämpfen zwischen Regierungstruppen von Präsident Salva Kiir und Rebellen seines früheren Stellvertreters Riek Machar verübt. Die Anklage lautete den Angaben zufolge auf Vergewaltigung, Mord, Plünderung und Zerstörung.

Der britische Hotelbesitzer Mike Woodward hatte während des Prozesses ausgesagt, 50 bis 100 bewaffnete Soldaten seien am 11. Juli 2016 in sein Hotel eingedrungen. Dort hielten sich demnach etwa 50 Mitarbeiter von ausländischen Organisationen auf.

Hotelbesitzer beschreibt Szenen des Grauens

Woodward berichtete vor Gericht von einer „Gruppenvergewaltigung von mindestens fünf ausländischen Frauen“, von der Tötung eines südsudanesischen Journalisten sowie Schüssen auf einen US-Entwicklungshelfer. Darüber hinaus hätten die Soldaten „fast jeden Menschen im Gebäude geschlagen und gefoltert“. So habe es auch Scheinhinrichtungen gegeben.

Das Militärgericht verurteilte die südsudanesische Regierung, den Vergewaltigungsopfern jeweils 4.000 Dollar (3.440 Euro) Entschädigung zu zahlen. Hotelbesitzer Woodward soll für die Schäden an seinem Hotel mehr als zwei Millionen Dollar bekommen.

Ein elfter Angeklagter wurde freigesprochen. Ein ebenfalls angeklagter Kommandant, der den Angriff koordiniert haben soll, starb im Oktober 2017 in Haft.

UNO schritt trotz Hilferufs nicht ein

Die Zeugenaussage Woodwards war von mehreren Berichten gestützt worden, die die UNO und die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW)zusammengestellt hatten. Eine Untersuchung der UNO hatte auch gezeigt, dass in der Nähe stationierte Blauhelme trotz telefonischer Hilferufe nicht eingeschritten waren. Auf die Gewalt in Juba im Juli 2016 hätten die 13.000 Blauhelme „chaotisch und ineffizient“ reagiert. Der kenianische Befehlshaber wurde abgesetzt.

Der Angriff auf das Hotel ist nur ein Beispiel für Gräueltaten, die seit dem Beginn des Konflikts zwischen Präsident Kiir und Rebellenchef Machar im Dezember 2013 begangen wurden. Juristisch aufgearbeitet wurden bisher die wenigsten. Dass es in diesem Fall anders war, führen Beobachter darauf zurück, dass Ausländer unter den Opfern waren. (APA/AFP)