Letztes Update am So, 21.10.2018 12:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vertraute müssen gehen

Fall Khashoggi: Entlassen aus dem inneren Zirkel der Macht

Zwei hochrangige Vertraute des Kronprinzen wurden wegen der Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi abgesetzt. Unklar ist nun, ob es sich bei ihnen – wie von Kritikern vermutet – um Sündenböcke handelt und die Verantwortung bis ganz zur Spitze Saudi-Arabiens reicht. Vieles deutet darauf hin.

US-Präsident Donald Trump mit dem Kronprinzen Saudi-Arabiens Mohammed bin Salman.

© imago stock&peopleUS-Präsident Donald Trump mit dem Kronprinzen Saudi-Arabiens Mohammed bin Salman.



Istanbul – Die Spuren im Tötungsfall Khashoggi führen bis in den inneren Zirkel der Macht im Königreich Saudi-Arabien. Zwei hochrangige Vertraute von Kronprinz Mohammed bin Salman wurden im Zusammenhang mit diesem Fall ihrer Posten enthoben: Vize-Geheimdienstchef Ahmad al-Assiri und der königlichen Medienberater Saud al-Kahtani. Beide sind für ihr hartes Durchgreifen gegen unliebsame Kritiker berüchtigt. Ob sie tatsächlich Schuld an Khashoggis Tod tragen oder nur als Sündenböcke für Versagen an höherer Stelle herhalten müssen, ist allerdings unklar.

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Saud Al-Kahtani

Mit Kahtani muss eine Schlüsselfigur im inneren Zirkel des mächtigen Kronprinzen seinen Posten abgeben. Kahtani war ein wichtiger Strippenzieher in Riad: Als Medienberater des Königshauses organisierte er für Mohammed Interviews mit ausländischen Journalisten. Zudem leitete der 40-Jährige das Zentrum für Medienforschung am königlichen Hof.

Kahtani stand seit längerem im Visier des Regierungskritikers Khashoggi: Der Journalist hatte sich immer wieder mit dessen Rolle beschäftigt und ein denkbar düsteres Bild des Medienstrategen gezeichnet. In einem Artikel in der Washington Post beschuldigte er Kahtani Anfang des Jahres, „schwarze Listen“ über kritische Journalisten zu führen und Reporter einzuschüchtern.

„Ich mache nichts auf eigene Faust, ohne Anweisungen. Ich bin Angestellter und Ausführender meines Königs und meines Kronprinzen.“
Saud Al-Kahtani

In einem posthum veröffentlichten Interview mit dem Magazin Newsweek bezeichnete Khashoggi den Vertrauten des Kronprinzen als „Gauner“. „Die Menschen haben Angst vor ihm“, sagte Khashoggi über Kahtani. „Wenn Sie ihn herausfordern, riskieren Sie, im Gefängnis zu landen, und genau das ist auch passiert.“

Saudiarabischen Quellen zufolge steuerte Kahtani Internetkampagnen gegen Feinde des streng konservativen Königreichs, darunter Katar und Iran. Im Kurzbotschaftendienst Twitter verzeichnete Kahtani 1,3 Millionen Follower, denen er deftige Angriffe auf Dissidenten und seine persönlichen Rivalen servierte.

Vergangenes Jahr schrieb Kahtani bei Twitter: „Ich mache nichts auf eigene Faust, ohne Anweisungen. Ich bin Angestellter und Ausführender meines Königs und meines Kronprinzen.“

Der Kronprinz wird verdächtigt, hinter der Tötung zu stecken. Er streitet dies jedoch ab. Das Statement aus dem vergangenen Jahr scheint die Verteidigungslinie des Kronprinzen zu konterkarieren.

Ahmed Al-Assiri

Der General war bisher hochrangiger Berater des Königshauses. Auch er hatte direkten Zugang zum Kronprinzen: Waren ausländische Gäste bei Mohammed zu Gast, wohnte Assiri häufig den Gesprächen hinter verschlossenen Türen bei. Er spricht fließend Englisch und Französisch.

Bevor er im Jahr 2017 Vizechef des Geheimdienstes wurde, diente Assiri als Sprecher der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition im Jemen-Krieg. Der an der renommierten französischen Militärakademie Saint-Cyr ausgebildete General war für seine Attacken auf Journalisten bekannt, die „Irrtümer“ Saudi-Arabiens im Jemen anprangerten.

Kurz vor seiner Entlassung hatte die „New York Times“ Assiri für das Verschwinden von Bin Salmans Kritiker Khashoggis verantwortlich gemacht. Assiris Ziel sei es gewesen, den Kronprinzen zu „rehabilitieren“. (TT.com/APA/AFP)