Letztes Update am Mi, 24.10.2018 12:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fall Khashoggi

Trump deutet mögliche Mitschuld des Kronprinzen an

Im Mordfall Jamal Khashoggi hat US-Präsident Donald Trump erstmals eingeräumt, dass Kronprinz Mohamed bin Salman eingeweiht gewesen sein könnte.

US-Präsident Donald Trump mit dem Kronprinzen Saudi-Arabiens Mohammed bin Salman.

© imago stock&peopleUS-Präsident Donald Trump mit dem Kronprinzen Saudi-Arabiens Mohammed bin Salman.



Washington/Istanbul – US-Präsident Donald Trump schließt nicht mehr völlig aus, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman über die Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi informiert war. Der Prinz führe derzeit in Saudi-Arabien in zunehmendem Maße die Regierungsgeschäfte, sagte Trump in einem am Dienstagabend veröffentlichten Interview der Zeitung Wall Street Journal.

„Er hat das Sagen, und wenn es also irgendjemand gewesen wäre, dann er“, betonte Trump. Er glaube nicht, dass König Salman vorher über die Tötung informiert worden sei, so Trump.

Khashoggi war am 2. Oktober in das Istanbuler Konsulat seines Landes gegangen, um ein Dokument für seine anstehende Hochzeit abzuholen, aber nicht wieder herausgekommen. Saudi-Arabien gestand am vergangenen Samstag seinen Tod im Konsulat ein, erklärte aber, er sei bei einem „Faustkampf“ ums Leben gekommen. 18 saudische Staatsangehörige wurden festgenommen. Mohammed bin Salman bestreitet jede Verantwortung.

Trump will Saudis „wirklich glauben“

Trump sagte am Dienstagabend im Weißen Haus vor Journalisten, er habe am Vortag mit dem Kronprinzen gesprochen. Dieser habe nachdrücklich gesagt, dass er damit nichts zu tun gehabt habe. Die Sache habe sich auf einer niedrigeren Ebene abgespielt. Trump wolle dem Glauben schenken, zitierte ihn das WSJ: „Ich will ihnen wirklich glauben.“

Die USA leiteten erste Strafmaßnahmen ein. Das Außenministerium teilte mit, 21 saudischen Verdächtigen im Fall Khashoggi werde entweder ihr Visum entzogen oder sie würden zu Personen erklärt, die für ein Visum zur Einreise in die USA nicht mehr infrage kämen. Nach den Worten von Außenminister Mike Pompeo werden weitere Maßnahmen sondiert, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

CIA-Chefin in Istanbul

Laut einer türkischen Zeitung hat sich inzwischen CIA-Chefin Gina Haspel über die Ermittlungen vor Ort ein Bild gemacht. Die regierungsnahe Zeitung Sabah berichtete am Mittwoch, der türkische Geheimdienst MIT habe Haspel bei einem Besuch in Ankara „Video- und Audioaufnahmen“ gezeigt und mit ihr die bei der Durchsuchung des saudi-arabischen Konsulats und der Residenz des Konsuls gesammelten Beweise geteilt.

Türkische Medien berichten seit Wochen, dass die Ermittler über Ton- und Bildaufnahmen aus dem Konsulat verfügen, welche die Tötung des „Washington Post“-Kolumnisten am 2. Oktober belegen. Die Regierung in Ankara hat dies bisher aber nicht bestätigt, und auch Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Existenz solcher Aufnahmen in seiner Rede zum Fall Khashoggi am Dienstag nicht erwähnt. Sollten solche Aufnahme existieren, so ist unklar, wie die Ermittler daran gelangten.

EU fordert volle Aufklärung

EU-Ratspräsident Tusk forderte indes vorbehaltlose Aufklärung. „Das war ein solch furchtbares Verbrechen, dass schon der kleinste Hauch von Heuchelei Schande über uns bringen würde“, sagte Tusk am Mittwoch im EU-Parlament in Straßburg. Das einzige Interesse der EU sei es, „alle Details ans Licht zu bringen – egal wer dahinter steckt“.

Saudi-Arabien hatte die Tötung Khashoggis im Konsulat des Königreichs in Istanbul vor drei Wochen lange geleugnet und erst unter großem Druck eingeräumt. 18 saudische Staatsangehörige wurden festgenommen. Kronprinz Mohammed bin Salman bestreitet jede Verantwortung. An der Darstellung Saudi-Arabiens, Khashoggi sei bei einem aus dem Ruder gelaufenen Faustkampf gestorben, gibt es Zweifel. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach am Dienstag von einem „barbarischen geplanten Mord“.

Die EU und ihre Institutionen dürften sich nicht in „irgendein zwielichtiges Spiel verwickeln lassen“, warnte Tusk. Am Dienstag hatte schon die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini eine „glaubwürdige Untersuchung“ des Verbrechens gefordert. (APA/dpa/AFP)