Letztes Update am Mi, 24.10.2018 20:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Saudi-Arabien

Fall Khashoggi: Kronprinz verurteilte „abscheulichen Vorfall“

Anders als zunächst berichtet sprach Mohammed bin Salman nicht von einem „abscheulichen Verbrechen“, sondern von einem „Vorfall“.

Kronprinz Mohammed bin Salman.

© AFPKronprinz Mohammed bin Salman.



Istanbul/Riad – Der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman hat die Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi als „abscheulichen Vorfall“ verurteilt, nicht aber als „Verbrechen“. Bei einem Wirtschaftsforum in Riad sagte der Kronprinz am Mittwoch zu, den Fall aufzuklären. Die Hintermänner würden „zur Rechenschaft gezogen“, sagte er. „Die Gerechtigkeit wird siegen.“

Der Kronprinz sprach auf Arabisch nicht von „Verbrechen“, wie zunächst von manchen Medien vermeldet wurde, sondern von „Vorfall“. Seine Äußerungen wurden vom Simultandolmetscher als „Verbrechen“ (crime) ins Englische übersetzt. Das von Mohammed benutzte arabische Wort bedeutet aber eher „Vorfall“.

Der Kronprinz, der als starker Mann seines Landes gilt, wird von US-Präsident Donald Trump und auch von türkischen Medien verdächtigt, die Tötung des kritischen Journalisten im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul angeordnet zu haben.

Bei „Schlägerei“ zu Tode gekommen

Saudi-Arabien hatte am Samstag nach wochenlangen Dementis unter internationalem Druck erklärt, dass der Regierungskritiker Khashoggi am 2. Oktober während eines Konsulatsbesuchs bei einer „Schlägerei“ zu Tode gekommen sei. Diese offizielle Version der Ereignisse wird allerdings international stark angezweifelt. Saudi-Arabiens Verbündeter USA wirft der Regierung eine Vertuschungsaktion vor.

Türkische Medien hatten berichtet, Khashoggi sei am 2. Oktober im Gebäude des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul gefoltert, ermordet und zerstückelt worden. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sprach am gestrigen Dienstag von einem „barbarischen geplanten Mord“, äußerte sich aber nicht zu den näheren Umständen.

Kronprinz Mohammed hat am heutigen Mittwoch erstmals die Tötung des regimekritischen Journalisten öffentlich verurteilt. Zuvor hatte er sich erst einmal zu dem Fall geäußert: In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg Anfang Oktober hatte er noch die damalige offizielle Position Saudi-Arabiens vertreten, wonach Khashoggi lebend aus dem Gebäude des Konsulats gelangt war. In den vergangenen Tagen hatten Mohammed und sein Vater König Salman bereits der Familie Khashoggis ihr Beileid ausgesprochen. (APA/AFP/dpa/Reuters)




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