Letztes Update am Mo, 31.12.2018 13:11

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kongo

Gewalt, Tote und schwere Pannen bei Präsidentenwahl im Kongo

Knapp 39 Millionen Bürger waren mit mehr als zweijähriger Verspätung zur Wahl eines Nachfolgers von Präsident Joseph Kabila aufgerufen. Die Wahl wurde unter anderem durch einen Lynchmord überschattet.

Die Auszählung nach der Wahl im Kongo hat begonnen.

© AFPDie Auszählung nach der Wahl im Kongo hat begonnen.



Kinshasa – Überschattet von Gewalt und Wut über den Ablauf der Stimmabgaben läuft im Kongo die Stimmenauszählung der Präsidentenwahl vom Sonntag. Ein Mitarbeiter der Wahlkommission sowie ein Polizist seien im Bezirk Walungu in der Provinz South Kivu getötet worden. Zuvor habe eine aufgebrachte Menge den Wahlhelfer beschuldigt, die Stimmabgabe zu beeinflussen, sagte der Kommissionsvorsitzende Corneille Nangaa am Sonntagabend. Der Mitarbeiter habe versucht, einen Wahlautomaten zu reparieren. Die Menge habe ihn gelyncht, dabei sei auch der Polizist gestorben. Der Aktivist Patient Bashombe berichtete der Nachrichtenagentur dpa von einem dritten Toten in Walungu, als die Polizei das Feuer eröffnet habe.

Die Wahl des Präsidenten in dem 81 Millionen Einwohner starken Land war am Sonntag von mehreren Pannen und Gewalt begleitet worden. Im Ostkongo erzwangen bewaffnete Rebellen die Schließung einiger Wahlbüros, in der Südwest-Provinz Mai-Ndombe verwüsteten demnach aufgebrachte Menschen Wahlbüros, weil Stimmzettel fehlten.

Pannen bei Stimmabgabe

Rund 540 Wahlautomaten brachen zusammen, einige Wahllokale blieben noch nach der offiziellen Schließzeit offen, weil Wähler in langer Schlange davor auf ihre Stimmabgabe warteten. Wahlbeobachter der katholischen Bischofskonferenz (CENCO) registrierten 194 Gewaltvorfälle.

Schon vor der Wahl war es in Regionen zu Unruhen gekommen, in denen die Stimmabgabe für rund 1,2 Millionen Menschen auf März 2019 verschoben worden war. Die Wahlkommission begründet diese mit einem Ebola-Ausbruch und Terrorgefahr. Trotzdem soll der Nachfolger des autoritär regierenden Joseph Kabila am 18. Januar vereidigt werden.

Der seit 17 Jahren amtierende Kabila durfte nicht erneut antreten. Sein Gefolgsmann, der frühere Innenminister Emmanuel Ramazani Shadary, ging als Kandidat davon aus, die Wahl für sich zu entscheiden. Gegen ihn waren 20 oppositionelle Kandidaten angetreten. Ein vorläufiges Ergebnis der Wahl wird am 6. Januar erwartet. (dpa)