Letztes Update am Mo, 04.02.2019 12:42

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Machtkampf in Venezuela

Guaidó als „Hoffnung für Demokratie“: Presse zu Venezuela

Der Machtkampf in Venezuela spitzt sich immer mehr zu. EU-Staaten erkannten am Montag Oppositionsführer Juan Guaidó als Übergangspräsidenten an. Internationale Medien kommentierten den Konflikt in Venezuela.

Unterstützer jubeln dem selbsternannten Interimspräsidenten Juan Guaidó zu.

© imago stock&peopleUnterstützer jubeln dem selbsternannten Interimspräsidenten Juan Guaidó zu.



Caracas – Internationale Tageszeitungen kommentieren die Entwicklung in Venezuela in ihren Montagsausgaben wie folgt:

De Tijd (Brüssel):

„Eine Intervention ist das Rezept, das direkt zu einem Bürgerkrieg führt. Dadurch würde das venezolanische Chaos nur noch größer werden. Deshalb ist eine friedliche Lösung am Verhandlungstisch der beste Weg, um noch mehr Elend zu verhindern. Selbst wenn Maduro mit seiner Bande abtritt, dürfte es noch Jahrzehnte brauchen, um in dem Land für eine ordentliche Regierungsführung und eine florierende Wirtschaft zu sorgen. Die Alternative wäre viel schlimmer. (...) Was das Ergebnis einer erkämpften Lösung wäre, ist unklar. Allerdings scheint Maduro lieber über einen Trümmerhaufen zu herrschen als abzutreten.“

Corriere della Sera (Italien):

„Italien und die Unstimmigkeiten innerhalb der Regierung haben das Ziel, eine gemeinsame europäische Position zu finden, deutlich erschwert. Auf der einen Seite unterstützt die Fünf-Sterne-Bewegung (Venezuelas Staatspräsidenten Nicolás) Maduro und warnt davor, dass seine Absetzung zugunsten (des selbsternannten Präsidenten Juan) Guaidó ein ‚neues Libyen‘ hervorbringen würde. Auf der anderen Seite hat Matteo Salvini (...) gesagt, dass ‚wir dafür arbeiten, damit in Venezuela Arbeit und Demokratie zurückkehren, denn die kommunistischen Regime müssen von der Erdoberfläche verschwinden‘, auch wenn die Lega Russland nahe steht, dem Hauptverbündeten von Maduro, der auch von China, Nordkorea, Kuba und der Türkei unterstützt wird.“

Jyllands-Posten (Aarhus):

„Man muss kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass Maduros Tage gezählt sind. Die Leute in der Führungsmannschaft haben begonnen, ihn zu verlassen. Ein General der Luftwaffe, ein Botschafter in Bagdad – vielleicht nicht die schwere Kavallerie, aber man muss irgendwo anfangen, und die ersten zeigen einen Mut, der andere inspirieren kann, die wahrscheinlich bald folgen werden. Wenn alles gut geht. Mut zeichnet auch Guaidó aus. Vor einigen Wochen kannte ihn noch kaum einer. Jetzt ist er das Gesicht des neuen Venezuelas, eine Art lateinamerikanischer Barack Obama. Er entfaltet das gleiche Charisma und scheint eine ähnliche Mischung aus Hoffnung, Taktik und Entschlossenheit zu geben, die Obama ins Weiße Haus gebracht hat.“

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La Vanguardia (Madrid):

„(Der selbst ernannte Interimspräsident Juan) Guaidó ist die einzige Hoffnung, die Demokratie in Venezuela wiederherzustellen und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass das Land mit internationaler Unterstützung aus der tiefen Krise herauskommt, unter der es leidet. (...) Die Hoffnung Guaidós ist es, dass das derzeitige chavistische Regime unter dem Druck der Bevölkerung stürzen wird, und dass das Militär, das von den Vereinigten Staaten unter Druck gesetzt wird, es nicht mehr unterstützen wird. Aber im Moment gibt es keine Garantie, dass dies wirklich passieren könnte. Und inzwischen taucht die Möglichkeit eines Bürgerkrieges am Horizont auf.“