Letztes Update am Fr, 15.03.2019 13:44

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Irak

Massengrab von yezidischen IS-Opfern im Nordirak geöffnet

Im Heimatort von Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad wurden womöglich hunderte Menschen vom IS ermordet. Mehr als 700 Frauen und Kinder wurden verschleppt.

Nadia Murad wurde vom IS verschleppt und mit einem Jihadisten verheiratet. Die 25-jährige Yezidin wurde für ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt in Konflikten mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

© AFPNadia Murad wurde vom IS verschleppt und mit einem Jihadisten verheiratet. Die 25-jährige Yezidin wurde für ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt in Konflikten mit dem Friedensnobelpreis geehrt.



Kojo – In der Sinjar-Region im Nordirak ist erstmals ein Massengrab mit yezidischen Opfern der Jihadistenmiliz IS (Daesh) geöffnet worden. Die Zeremonie in der Ortschaft Kojo fand am Freitag im Beisein von Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad statt, die selbst aus dem Ort stammt.

Nach der Eroberung durch die IS-Miliz im August 2014 waren dort womöglich hunderte Männer und Frauen ermordet worden, während mehr als 700 Frauen und Kinder entführt wurden.

Auch Murad wurde damals als Sexsklavin verschleppt und mit einem Jihadisten verheiratet. Die 25-jährige Yezidin wurde vergangenes Jahr für ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt in Konflikten mit dem Friedensnobelpreis geehrt. In den Gebieten nach 2014 vom IS kontrollierten Gebieten im Norden und Zentrum werden mehr als 200 Massengräber mit bis zu 12.000 Toten vermutet. Nur eine kleine Zahl wurde bisher geöffnet.

Der Leiter einer UN-Untersuchungskommission zu den IS-Verbrechen, Karim Asad Ahmad Khan, sagte, die Exhumierung der Toten in Kojo sei „ein bedeutender Moment“. Die UNO prüft derzeit, ob die Massaker an den Yeziden einen Völkermord darstellen. Die vor allem im nordirakischen Sinjar-Gebirge ansässige kurdischsprachige monotheistische Minderheit wird seit langem wegen ihres Glaubens von radikalen Islamisten angefeindet und verfolgt. (APA/AFP)